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Ärzteschaft

Ärzte warnen vor erleichtertem Zugang zum Motorradfahren

Freitag, 21. Juni 2019

/dpa

Berlin – Das Bundesverkehrsministerium (BMVI) will den Zugang zum Motorradfahren erleichtern und dafür die Fahrerlaubnis-Verordnung ändern. Mediziner bewerten die Pläne von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) allerdings enorm kritisch: Sie fürchten, dass dadurch die Zahl der Verkehrstoten ansteigen könnte.

Der Vorstoß des Verkehrsministeriums betrifft Motorräder der Klasse A1 mit einem Hubraum von bis zu 125 Kubikzentimetern. Die Fahrer müssen mindestens 25 Jahre alt sein, seit fünf Jahren einen Führerschein der Klasse B haben und mindestens fünf 90-minütige Fahrstunden absolvieren. „Wir wollen mehr Elektromobilität auf zwei Rä­dern. Daher planen wir, den Zugang zum Führerschein A1 für klimafreundliche Leicht­krafträder mit E-Motor attraktiver zu machen“, hieß es in einem Tweet aus dem BMVI zur Begrün­dung.

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„Die Freigabe von Motorrädern bis 125 ccm ohne Schulung mit Prüfung ist fahrlässig“, warnte Dietmar Pennig, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirur­gie (DGU). Den Fahrern fehle die Gefahreneinschätzung, die nur durch eine struktu­rierte Ausbildung und entsprechende Praxis vermittelt werden könne. Pennig bezeich­nete die aktuelle verkehrspolitische Ausrichtung als besorgniserregend. „Nach der Ein­führung von E-Scootern ist dies eine weitere Planung, die nur zur Erhöhung der Unfallzahlen führen kann“, unterstrich er.

Auch Paul Grützner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfall­chirurgie (DGOU) forderte: „Wir brauchen mehr Verkehrssicherheit und nicht weniger.“ Motorradfahrer hätten unter allen Verkehrsteilnehmern das größte Risiko, tödlich ver­letzt zu werden. Deshalb erfordere Motorradfahren jede Menge Übung und ein ordent­liches Maß an Gefahrenbewusstsein. „Aber mit dem ‚Motorradführerschein light‘ wird der Anschein erweckt, Motorradfahren könne jeder“, kritisierte der Mediziner. Auch er warnte davor, dass die Unfallzahlen durch einen leichtfertigen Zugang zum Motorrad­fahren steigen könnten.

In das gleiche Horn stießen die Notfallmediziner. „Ich halte das für keine besonders glückliche Idee. Dadurch kann es zu noch mehr Unfällen kommen“, sagte auch Florian Reifferscheid von der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands (BAND). Autofahrer seien nicht geübt darin, mit der Energie eines Mo­torr­ads umzugehen.

„Jedem, der Motorrad fahren will, empfehle ich einen richtigen Motorradführerschein“, sagte Reifferscheid. Man müsse lernen, wie das Motorrad bei besonderen Bedingun­gen wie einer nassen Fahrbahn oder bei Rollsplit reagiere. Denn das Risiko sei hoch: „Wir sehen immer wieder schwere Unfälle mit Motorrädern, weil im Gegensatz zum Auto die Knautschzone fehlt.“ © hil/sb/dpa/aerzteblatt.de

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