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Medizin

Masernimpfung verbesserte in Langzeitstudie körperliche und kognitive Entwicklung in ärmeren Ländern

Freitag, 21. Juni 2019

/dpa

Washington – Eine Impfung schützt nicht nur vor den Symptomen und Komplikationen einer Masernerkrankung. In Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen war in einer Langzeitstudie in Vaccine (2019; doi: 10.1016/j.vaccine.2019.06.025) auch eine bessere körperliche und kognitive Entwicklung der geimpften Kinder nachweisbar.

Die vom britischen Entwicklungshilfeministerium initiierte „Young Lives Study“ hat mehr als 15 Jahre Kinder aus Äthiopien, Indien, Peru und Vietnam begleitet. Alle 4 Länder werden von der Weltbank zu den Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen gezählt und in allen 4 sind Masern endemisch. Es ist davon auszugehen, dass die meisten ungeimpften Kinder an Masern erkranken.

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Die ersten Untersuchungen fanden 2002 statt. Damals wurden die Mütter gefragt, ob die damals 6 bis 18 Monate alten Kinder gegen Masern geimpft wurden. Da die Impfungen in Peru erst später stattfinden, wurden die Auswirkungen der Impfung nur an den Kindern aus Äthiopien, Indien und Vietnam untersucht. Im Alter von 7 bis 8 Jahren und von 11 bis 12 Jahren wurden 6.000 Kinder untersucht. Neben der körperlichen Entwicklung (Z-Scores für Größe, Gewicht und BMI) wurden auch die kognitiven Fähigkeiten (Lesen, Schreiben, Rechnen) der Kinder beurteilt.

Impfen könnte Vorteile für Körpergröße, Gewicht und BMI bringen

Wie Arindam Nandi vom Center for Disease Dynamics, Economics & Policy, einer privaten Stiftung mit Sitz in Washington, D.C., und Mitarbeiter jetzt berichten, wiesen die geimpften Kinder in beiden Bereichen Vorteile gegenüber den umgeimpften Kindern auf. So hatten die geimpften Kinder aus Indien im Alter von 7 bis 8 Jahren einen um 0,13 Punkte höheren Z-Score der Körpergröße („Height for age“ HAZ). In Vietnam hatten die geimpften Kinder einen um 0,18 Punkte günstigeren Z-Score für den Body-Mass-Index (BMIZ) und einen um 0,23 Punkte günstigeren Z-Score für das Gewicht (WAZ).

In allen 3 Ländern waren die geimpften Kinder in ihrer kognitiven Entwicklung weiter vorangeschritten. Im Lesetest EGRA („Early Grade Reading Assessment“) betrugen die Vorteile in Äthiopien 2,3, in Indien 2,5 und in Vietnam 2,7 Punkte. Im PPVT-Test zum Wortschatz („Peabody Picture Vocabulary Test“) erreichten geimpfte Kinder in Äthiopien und Vietnam einen um 4,5 und 2,6 Prozentpunkte höheren Wert. In einem Mathetest erreichten sie in den beiden Ländern um 2,9 und 4,0 Prozentpunkte bessere Resultate.

Im Alter von 11 bis 12 Jahren hatten die Kinder aus Vietnam 0,19 bessere BMIZ-Werte, in Indien waren die Englischkenntnisse und der Wortschatz um 3 Punkte besser. Die geimpften Kinder hatten in allen 3 Ländern im Durchschnitt um 0,2 bis 0,3 Punkte bessere Zeugnisnoten.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Vermeidung der Masern und seiner Komplikationen die körperliche und kognitive Entwicklung der Kinder langfristig fördern kann. Sicher belegen kann die Studie dies allerdings nicht. Es bleibt möglich, dass Eltern, die sich zur Impfung ihrer Kinder entschließen, diese auch in anderen Bereichen besser fördern. Tatsächlich waren in Äthiopien und in Vietnam Eltern im oberen Fünftel des Einkommens eher geneigt, ihre Kinder zu impfen. In vielen anderen Indikatoren wie Haushaltsgröße, Religionszugehörigkeit oder der Bildung der Eltern gab es jedoch keine Unterschiede. © gie/aerzteblatt.de

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Avatar #769143
Hanna Bolica
am Samstag, 22. Juni 2019, 15:30

Hanna Bolica

Die inhaltliche Kritik bekommt der aufmerksame Leser ja auch schon im letzten Abschnitt des Artikels mitgeliefert: Wir lesen dort:
" Sicher belegen kann die Studie dies allerdings nicht. Es bleibt möglich, dass Eltern, die sich zur Impfung ihrer Kinder entschließen, diese auch in anderen Bereichen besser fördern. Tatsächlich waren in Äthiopien und in Vietnam Eltern im oberen Fünftel des Einkommens eher geneigt, ihre Kinder zu impfen."
Avatar #612077
EEBO
am Samstag, 22. Juni 2019, 12:14

Na und?

@ Pro-Natur: Haben Sie vielleicht auch noch inhaltliche Kritik, oder war es das schon?
Avatar #687997
Pro-Natur
am Freitag, 21. Juni 2019, 18:31

Wer hat die Studie finanziert?

Die Bill und Melinda Gates Foundation! Natürlich haben sie keinen Einfluss auf die Ergebnisse genommen (honk!).
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0264410X19307868?via%3Dihub
LNS

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