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Medizin

Hepatitis B: Weniger akute, aber mehr chronische Infektionen in Europa

Montag, 24. Juni 2019

fotoliaxrender - stock.adobe.com

Stockholm –. Während die Zahl der akuten Hepatitis B-Infektionen in Europa sinkt, ist die Zahl der Menschen mit chronischen Infektionen seit 2008 gestiegen. Ein Grund dürfte nach einem Report des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) die Zuwanderung aus Hochendemie-Ländern sein.

Weltweit ist die Hepatitis B eine der häufigsten Infektionskrankheiten. Die Weltgesund­heitsorganisation (WHO) schätzt, dass 257 Millionen Menschen chronisch mit dem Hepatitis B-Virus infiziert sind, die meisten ohne dies zu bemerken. Denn die chronische Hepatitis B verläuft lange asymptomatisch. Besonders weit verbreitet ist die Hepatitis B in Afrika, wo etwa 6 Prozent der Bevölkerung infiziert sein sollen. In den meisten europäischen Ländern sind es weniger als 1 Prozent, in Deutschland nur etwa 0,3 Prozent.

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Die Zahl der Neuerkrankungen ist in Europa rückläufig. Kamen im Jahr 2008 noch circa 1,1 Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner, waren es im Jahr 2017 nur noch 0,6 auf 100.000 Einwohner. Der Grund liegt in der steigenden Akzeptanz des Impfstoffes, der bereits 1982 eingeführt und allmählich in die offiziellen Impfempfehlungen (in Deutschland seit 1995 für alle Säuglinge) aufgenommen wurde.

Gleichzeitig ist die Zahl der Menschen mit chronischen Erkrankungen gestiegen. Die ECDC geht von einer Zunahme von 6,7 auf 10,2 pro 100.000 Einwohner aus, wobei die meisten Erkrankungen auf die Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen entfällt.

Die wahrscheinlichste Erklärung ist die Zuwanderung von Menschen aus Hochendemie-Ländern. Die Datenlage ist lückenhaft, da bei den meisten Meldungen keine Informationen zur Person der Infizierten vorliegen. Unter den Hepatitis B-Infizierten mit bekannter Herkunft hatten jedoch 31 Prozent die Infektion nicht im Land des aktuellen Aufenthalts erworben. In Deutschland stammten nach Informationen des Robert Koch-Instituts zuletzt 7,4 Prozent der chronisch mit Hepatitis B infizierten Menschen aus Sierra Leone, 4,6 Prozent aus Rumänien, 3,5 Prozent aus Syrien, 1,9 Prozent aus Aserbaidschan, 1,7 Prozent aus Afghanistan, 1,6 Prozent aus der Türkei, 1,5 Prozent aus Eritrea, 1,1 Prozent aus Guinea und 1,1 Prozent aus Äthiopien.

Da viele Infizierte sich im jüngeren Erwachsenenalter befinden, könnte die Zunahme der chronischen Infektionen mittelfristig auch zu einem Anstieg der Neuinfektionen führen. Die Hepatitis B gehört zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen. Laut ECDC wurden 27 Prozent durch heterosexuelle Kontakte und 13 Prozent beim Sex von Männern mit Männern übertragen. Weitere häufige Übertragungen sind nosokomiale Infektionen (16 Prozent) und Verletzungen außerhalb des Berufslebens (10 Prozent) sowie ein intravenöser Drogenkonsum (10 Prozent).

Jüngere sexuell aktive Menschen und auch Angehörige der Gesundheitsberufe sollten sich nach Ansicht der ECDC durch eine Impfung vor einer Infektion schützen. © rme/aerzteblatt.de

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