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Medizin

Psychotherapieansatz wirkt langfristig gegen Binge Eating

Montag, 24. Juni 2019

pholidito/stock.adobe.com

Tübingen – Eine spezielle Psychotherapie kann Menschen helfen, die unter Essanfällen leiden und in der Folge häufig übergewichtig oder adipös sind. Das berichten Ärzte und Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Tübingen in der Zeitschrift Psychotherapy and Psychosomatics (doi: 10.1159/000499696). Menschen mit der „Binge Eating“ genannten Essstörungen haben eine deutlich verminderte Kontrolle über ihr Essverhalten. Die Wissenschaftler um Kathrin Schag von der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums randomisierten 41 von ihnen für die Verum- und 39 für die Kontrollgruppe.

Bei der Studiengruppe wurden in einer speziellen Psychotherapie in acht 90-minütigen Sitzungen zum einen die Selbstkontrollfähigkeiten gestärkt, zum anderen übten die Studienteilnehmer in sogenannten Expositionssitzungen, sich besonders schmackhafte Nahrungsmittel vorzusetzen, gleichzeitig aber dem Drang zu widerstehen, diese Nahrungsmittel zu essen.

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Dabei durften die Teilnehmer die Nahrungsmittel und Gerichte mitbringen, die bei ihnen am ehesten ein unkontrolliertes Essverhalten auslösen. Unter psychologischer Anleitung konfrontierten sich die Teilnehmer mit dem Verlangen zu essen und lernten, dieses zu beherrschen. „Diese Erfahrung, das Essverhalten steuern zu können und zu erleben, wie sich das Verlangen während der Gruppensitzung verminderte, führte zu einem Erfolgserlebnis und der Erkenntnis ‚Ich kann das‘“, berichten die Studienautoren.
Die Kontrollgruppe nahm nicht an dem speziellen Gruppenprogramm teil, sondern erhielt eine standardmäßige Therapie.

Bei der Auswertung zeigte sich, dass zunächst beide Gruppen ihre Essanfälle und weitere Essstörungssymptome reduzieren konnten, diese Effekte aber bei der Behandlungsgruppe länger als drei Monate anhielten und sich weiter verstärkten, während die Kontrollgruppe wieder auf das Ausgangsniveau zurückging. Die Forscher vermuten, dass die vorläufigen Verbesserungen in der Kontrollgruppe unter anderem auf ein wöchentliches Ausfüllen von Selbstbeobachtungsprotokollen zurückgeht.

Dieses klassische verhaltenstherapeutische Instrument führe zu einer erhöhten Selbst­achtsamkeit, die nach der Behandlungszeit allerdings schnell wieder nachlasse, hieß es.
„Die Ergebnisse der Studie geben Hoffnung, in der Behandlung von Essstörungen und Adipositas einen wichtigen Therapiebaustein gefunden zu haben“, so die Autoren. © hil/aerzteblatt.de

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