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Warnungen vor hitzebedingten Gesundheitsirisken

Montag, 24. Juni 2019

/dpa

Paris/Berlin – Die extreme Hitzewelle soll in dieser Woche nach Frankreich und auch nach Deutschland kommen. Die Behörden in beiden Ländern warnten heute vor den Folgen der hohen Tem­peraturen, die bis zu 40 Grad Celsius betragen könnten.

Baden-Württembergs Ge­sund­heits­mi­nis­ter Manne Lucha (Grüne) warnte zum Beispiel vor mögli­chen gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch die Hitze. Temperaturen, die über längere Zeit bei weit über 30 Grad lägen, könnten Kreislaufbeschwerden und körper­liches Unwohlsein auslösen, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums. Im schlimmsten Fall könne die extreme Hitze lebensbedrohlich sein.

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Im Sommer 2018, dem zweitheißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, war es in Deutschland vor allem in den höheren Altersgruppen zu einem Anstieg von Todes­fäll­en gekommen. Berechnungen im Epidemiologischen Bulletin (2019; 23: 193-197) gehen für Berlin von etwa 490 hitzebedingten Todesfällen aus. In Hessen könnten es 740 gewesen sein.

Im letzten Sommer gab es in Deutschland drei Hitzephasen mit einer mittleren Tempe­ratur (Tag und Nacht) im Verlauf der Woche von über 20 Grad. Vor allem in der letzten Hitzephase, die besonders lang war und in Berlin von der 29. bis 33. Kalenderwoche dauerte, kam es zu einem Anstieg der Todesfälle.

Hitzebedingte Beschwerden könnten sich etwa in Schwindel, Übelkeit, Kopfschmer­zen, Erschöpfung und Erbrechen äußern. Im Alter und bei Pflegebedürftigkeit lasse das Durstgefühl oft nach, was zu gesundheitlichen Problemen führen könne. Der Minis­ter warnte, Kinder oder geschwächte Personen dürften „niemals – auch nicht für kurze Zeit“ – in geparkten Fahrzeugen zurückgelassen werden.

Notaufnahmen bereiten sich vor

Der Dienstag könnte im Südwesten der bisher heißeste Tag in diesem Jahr werden. Wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mitteilte, lag der Höchstwert bisher bei 33,6 Grad. Gemessen wurde er am 4. Juni in Ohlsbach (Ortenaukreis). „Wir gehen davon aus, dass dieser Wert am Dienstag überschritten wird“, sagte der Meteo­rologe.

Demnach steigen die Temperaturen auf bis zu 37 Grad. Am Mittwoch und Donnerstag dürfte es noch heißer werden. So könnte im Westen – am Rhein und bei Freiburg – die 40-Grad-Marke geknackt werden, hieß es vom DWD. Im Raum Stuttgart sind dann 38 Grad möglich. Zwar würden die Temperaturen Anfang kommender Woche leicht sinken, hieß es. „Allerdings herrschen dann immer noch 30 bis 33 Grad“, fügte der Meteorologe hinzu.

Die Notaufnahmen der Krankenhäuser erwarten in dieser Woche in Deutschland Pa­tienten mit hitzebedingten Beschwerden. „An heißen Tagen erhöht sich der Flüssig­keitsbedarf mitunter erheblich. Das körpereigene Kühlungssystem stößt dann schnell an seine Grenzen, und es kann zu einer Dehydrierung kommen“, sagte Ulrike Cretan, Chefärztin der Rettungsstelle und interdisziplinären Intensivstation der Askle­pios Harzkliniken, in Goslar.

Die Behörden im Nachbarland warnten heute ebenfalls für diese Woche vor Tempera­turen von örtlich um die 40 Grad. Das französische Gesundheits­minis­te­rium hat eine kostenlose Info-Hotline eingerichtet. Hier können Anrufer Infor­mationen und Beratung rund um das Thema Hitze bekommen.

„Einige sagen, wir machen zu viel. Ich denke aber, dass das falsch ist, weil viele Men­schen die Auswirkungen dieser Hitze auf den menschlichen Körper herunterspielen“, sagte Ge­sund­heits­mi­nis­terin Agnès Buzyn dem Sender Franceinfo heute.

Nach Angaben des Wetterdienstes Méteo France sollen am kommenden Donnerstag und Freitag die heißesten Tage der Woche mit Temperaturen um die 40 Grad in eini­gen Regionen Frankreichs werden. Eine Hitzewelle dieser Intensität sei für den Monat Juni ungewöhnlich. Die „canicule“, wie die Franzosen die sommerliche Gluthitze nennen, soll am Wochen­ende weiter anhalten – allerdings könne es dann zumindest etwas kühler werden.

Frankreichs Arbeitsministerin Muriel Pénicaud erinnerte die Arbeitgeber an ihre Ver­ant­­wortung, Arbeitszeiten anzupassen, Wasser bereitzustellen und die Raumtempera­turen zu überwachen. Umweltminister François de Rugy erschien zu einem Interview mit dem TV-Sender BFM ohne Krawatte und erklärte, so mit gutem Beispiel voran­gehen zu wollen. Die Geste solle auch andere Arbeitnehmer motivieren, bei der Hitze auf den Schlips zu verzichten.

Für Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sind die Wetterdaten ein Indiz dafür, „dass Hitzewellen und andere Wetterextreme in den ver­gangenen Jahrzehnten zugenommen haben“.

„Monatliche Hitzerekorde auf der gan­zen Welt treten heute fünfmal häufiger auf, als es bei einem stabilen Klima der Fall wäre“, erklärte der PIK-Experte. Damit bestätigten sich die Vorhersagen der Wissenschaftler zu den Folgen der globalen Er­wärmung, „die verursacht wird durch den steigenden Ausstoß von Treibhausgasen aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas“. © dpa/afp/may/rme/aerzteblatt.de

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