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Politik

Pharmaindustrie bezahlt mehr Geld an Ärzte

Montag, 24. Juni 2019

/PhotographyByMK, stock.adobe.com

Berlin – Pharmaunternehmen haben Ärzten, Fachkreisangehörigen und medizinischen Institutionen für Leistungen im vergangenen Jahr deutlich mehr Geld bezahlt als noch ein Jahr zuvor. Das zeigt der neue Transparenzkodex, zu dem sich die Mitgliedsunter­nehmen des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa) und des Vereins Frei­willige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA) im Transparenzkodex ver­pflichtet haben.

Die Gesamtsumme der veröffentlichten Leistungen im Jahr 2018 liegt demnach nach Schätzungen von vfa und FSA bei 639 Millionen Euro. 2017 hatten vfa und FSA die Höhe noch mit 605 Millionen Euro angegeben. Das ist ein Anstieg um 5,62 Prozent.

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Die Forschung machte im vergangenen Jahr wie auch in den Vorjahren den größten Posten aus (413 Millionen Euro). 2017 waren es noch 398 Millionen Euro. Es folgen die Leistungen für die Unterstützung von Veranstaltungen, Kongressen, Einrichtungen und medizinischen Organisationen mit 120 Millionen Euro (2017: 102 Millionen Euro) und Leistungen für Fortbildungen und Vorträge (2018: 106 Millionen Euro; 2017: 105 Millionen Euro).

Der Transparenzkodex verpflichtet alle Mitgliedsunternehmen von vfa und FSA, ihre Gesamtleistungen an Ärzte und medizinische Einrichtungen bis zum 30. Juni bekannt zu machen. Wenn Ärzte einverstanden sind, werden Fortbildungsleistungen dabei namentlich veröffentlicht. Für das Veröffentlichungsjahr 2018 haben rund 21 Prozent solch einer individualisierten Nennung zugestimmt. Damit lag die Quote leicht über dem Vorjahresniveau von 20 Prozent.

Aus Sicht von FSA-Geschäftsführer Holger Diener zeigt die zunehmende Zahl der Ärzte, die einer namentlichen Nennung zugestimmt haben, „dass sich der Transpa­renz­kodex im Gesundheitswesen etabliert hat“. Er warb weiter für eine möglichst große Unterstützung bei Ärzten.

FSA und vfa wiesen darauf hin, dass eine Namensnennung von Ärzten ohne deren Zustimmung datenschutzrechtlich nicht möglich ist. „Lehnen Ärztinnen und Ärzte eine individualisierte Veröffentlichung ab, werden diese Leistungen als Teil des Gesamtbe­trages der Fortbildungsleistungen eines Unternehmens aber dennoch publiziert“, hieß es.

Neben Leistungen an Ärzte und medizinische Einrichtungen – die im Transparenz­ko­dex veröffentlicht werden – kommen noch erhebliche Sachinvestitionen und Betriebs­auf­wendungen hinzu. Deshalb liegen die Gesamtausgaben der Pharmaindustrie für Forschung höher als der im Transparenzkodex erfasste Betrag: Insgesamt investieren forschende Pharmaunternehmen 2018 rund 6,2 Milliarden Euro in die Entwicklung neuer Medikamente. © may/aerzteblatt.de

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Avatar #737432
Rollkragen
am Mittwoch, 26. Juni 2019, 11:31

Homöopathiefirmen..

und -hersteller zählen ja nicht zur Pharmaindustrie, Herr Pro-Natur, und betreiben kein Marketing mit Zahlungen an Ärzte?
Suchen Sie sich doch für Ihre Behauptungen andere Spielwiesen als das Dtsch. Ärzteblatt. Und Sie wollen weiterhin nicht offenlegen, von wem Sie bezahlt werden.
Avatar #759489
MITDENKER
am Mittwoch, 26. Juni 2019, 10:54

Beratung für die Pharmindustrie

So ticken einige:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/04/16/goldman-sachs-heilung-ist-schlecht-fuers-geschaeft/chapter:all

Darf man natürlich nicht soooo laut sagen (wenn man so denkt)...
Avatar #776547
JoWol
am Dienstag, 25. Juni 2019, 09:11

wieder zu negativ

Statt Ihrer Titelzeile wäre Folgendes aussagekräftiger gewesen : "Pharmaindustrie investiert weiterhin vorwiegend in Forschung" .
LNS

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