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Weniger hitzebedingte Herz-Kreislauf-To­desfälle in Spanien trotz steigender Temperaturen

Dienstag, 25. Juni 2019

/dpa

Barcelona – Obwohl die Durchschnittstemperatur in Spanien seit 1980 gestiegen ist, hat die hitzebedingte Sterblichkeit abgenommen, wie in einer Studie in Lancet Plane­tary Health (2019; doi: 10.1016/S2542-5196(19)30090-7) herauskam.

In Spanien leidet die Bevölkerung jedes Jahr unter den hohen Temperaturen, die vom Juni bis September im Tagesdurchschnitt häufig über 25° Grad Celsius (°C) und manch­mal auch über 30°C betragen. Dies führte bereits vor dem Klimawandel zu einem Anstieg der kardiovaskulären Todesfälle in den Sommermonaten. Auch die kühleren Temperaturen im Winter führten zu einem Anstieg, da viele Wohnungen über keine Heizung verfügen.

Hitze und Kälte wirken sich vor allem auf Herz-Kreislauf-Todesfälle aus, die in Spanien einen Anteil von 38 Prozent an allen Todesfällen haben. Ein Team um Joan Ballester vom Institut de Salut Global in Barcelona hat anhand der Sterbestatistiken und der Wetterdaten ausgerechnet, das die Temperatur mit der geringsten kardiovaskulären Sterblichkeit im Zeitraum von 1980 bis 1994 bei 19,5 °C lag. Im Zeitraum von 2002 bis 2016 ist der Wert auf 20,2 °C angestiegen. Dies entspricht in etwa dem Anstieg der durchschnittlichen Lufttemperatur in Spanien um 0,77 °C.

Offenbar gelingt es der Bevölkerung heute besser als noch vor drei Jahrzehnten, Todesfälle durch höhere Temperaturen zu vermeiden. Ballester errechnet sogar einen Rückgang der durch Hitze verursachten kardiovaskulären Todesfälle zwischen 1980/1994 und 2002/16 um 42 Prozent bei Männern und um 37 Prozent bei Frauen. Gleichzeitig ist der Anteil der durch Kälte bedingten kardiovaskulären Todesfälle bei Männern um 30 Prozent und bei Frauen um 45 Prozent zurückgegangen.

Da die Biologie des Menschen sich nicht verändert hat, muss der Rückgang andere Ursachen haben. Die Studie hat dies nicht erforscht. Ballester weist aber darauf hin, dass das Pro-Kopf-Einkommen in der Zeit von 8.700 auf 22.880 Euro pro Jahr gestie­gen ist.

Die Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben wuchsen zwischen 1991 und 2009 von 605 auf 2.182 Euro. Der Anteil der Haushalte mit Zentralheizung nahm zwischen 1991 und 2011 von 25,8 Prozent auf 56,9 Prozent zu, während der Anteil der Haushalte mit Klimaanlage von 4,16 Prozent im Jahr 1991 auf 35,5 Prozent im Jahr 2008 stieg.

Dies deutet darauf hin, dass der zunehmende Wohlstand (trotz der zwischenzeitigen Wirtschaftskrisen) dazu geführt, dass sich die Bevölkerung heute besser vor Hitze und Kälte schützen kann und im Krankheitsfall medizinisch besser versorgt ist. Außer acht gelassen bleibt dabei, dass der Betrieb von Heizungen und Klimaanlagen durch den Verbrauch fossiler Energien den Klimawandel weiter antreibt. Die Studie wurde von der CaixaBank, Spaniens führender Privatkundenbank, finanziert. © rme/aerzteblatt.de

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