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Medizin

Mausmodell: Darmbakterien sollen vor Nahrungsmittel­allergie schützen

Dienstag, 25. Juni 2019

Darmflora / fotoliaxrender, stock.adobe.com
/ fotoliaxrender, stock.adobe.com

Boston – US-Forschern ist es bei Mäusen gelungen, die Entwicklung einer Nahrungs­mittelallergie durch die Gabe bestimmter menschlicher Darmbakterien zu verhindern. Die in Nature Medicine (2019; doi: 10.1038/s41591-019-0461-z) vorgestellte Bakteriotherapie wurde klinisch noch nicht untersucht.

Die Ursache von Nahrungsmittelallergien, die in den letzen Jahren immer häufiger geworden sind, ist weiterhin unklar. Es zeichnet sich jedoch ab, dass einer Störung der Darmflora in der Pathogenese eine Schlüsselrolle zukommt. So kann bei Tieren, die keimfrei aufwachsen, regelmäßig eine Nahrungsmittelallergie ausgelöst werden. Beim Menschen gelten Antibiotikabehandlungen im ersten Lebensjahr als Risikofaktor.

Patienten mit Nahrungsmittelallergien haben eine andere Zusammensetzung der Darmflora als Gesunde. Offenbar müssen bestimmte Bakterien im Darm vorhanden sein, um das Immunsystem zur Akzeptierung von Nahrungsmitteln zu überreden, was auf zellulärer Ebene mit der Bildung regulatorischer T-Zellen verbunden ist.

Ein Team um Talal Chatila vom Brigham and Women’s Hospital in Boston hat sich jetzt auf die Suche nach den Bakterien gemacht, die der Darm benötigt, um eine Lebens­mittelallergie zu vermeiden. Dazu wurden die Stuhlproben von 56 Säuglingen mit Nahrungsmittelallergien mit denen einer Gruppe von 98 gesunden Säuglingen ver­glichen. Um die unterschiedliche Entwicklung der Darmflora nachzuzeichnen, wurden bis zum 30. Lebensmonat alle 4 bis 6 Monate erneut Stuhlproben untersucht.

Clostridiales- und Bacteroidales-Arten helfen im Mausmodell

Die Forscher entdeckten 2 Gruppen von Bakterien, Konsortien genannt, deren protektive Wirkung dann an keimfreien Mäusen untersucht wurde. Bei den Tieren kann, wenn sie zunächst keimfrei aufwachsen, eine Nahrungsmittelallergie ausgelöst werden. Werden die Tiere vorher mit den beiden bakteriellen Konsortien behandelt, bleiben sie gesund. Das erste Konsortium besteht aus 6 Clostridiales-Arten, wobei sich die protektive Wir­kung schon mit einem einzelnen Bakterium, Subdoligranulum variabile, erzielen ließ. Zum 2. Konsortium gehörten 5 Bacteroidales-Arten.

Die „Bakteriotherapie“ induzierte bei den Tieren die Bildung von regulatorischen T-Zellen, die dafür sorgen, dass die Tiere später alle Nahrungsmittel vertragen. Ob die Behandlung auch beim Menschen funktionieren würde, haben die Forscher noch nicht untersucht. Die Reduzierung auf wenige Bakterienarten dürfte allerdings die Entwicklung von Probiotika erleichtern, die dann in klinischen Studien untersucht werden müssten.

© rme/aerzteblatt.de

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