NewsVermischtesStiftung Warentest prüft Onlineprogramme bei psychischen Erkrankungen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Stiftung Warentest prüft Onlineprogramme bei psychischen Erkrankungen

Mittwoch, 26. Juni 2019

/sergeyshibut, stock.adobe.com

Berlin – Einige Onlineprogramme gegen Depressionen können Betroffenen helfen. Dieses Urteil trifft die Stiftung Warentest, die für ihre Zeitschrift Test acht Angebote prüfte und vier davon als empfehlenswert einstufte. Sie überzeugten demnach beim Konzept, auch Studien hätten die Wirksamkeit der Programme belegt.

Drei weitere Onlineangebote sind demnach „eingeschränkt em­pfehlenswert“. Für ein Programm einer großen Krankenkasse gab es keine Bewer­tung, weil die Tester nach eigenen Angaben keinen Zugang für die Untersuchung bekamen. Die Testergebnisse wurden in der aktuellen Juli-Ausgabe der Zeitschrift Test und on­line unter www.test.de/online-psychotherapie veröffentlicht.

Anzeige

Onlineprogramme gegen Depressionen bieten oft mehrere Module an, die Anwender ein- bis zweimal pro Woche bearbeiten. Viele Programme stützen sich stark auf die kognitive Verhaltenstherapie. Die Bearbeitung geschieht größtenteils schriftlich, aber auch über interaktive Elemente wie Videos. Nutzer werden häufig direkt angespro­chen, bekommen Hintergrundinformationen und Fragen.

Nach Angaben der Stiftung Warentest prüften zwei psycho­therapeutische Gutachter die Angebote unter anderem in Anlehnung an Qualitäts­kriterien der Deutschen Gesell­schaft für Psycho­logie, der Deutschen Gesell­schaft für Psychiatrie und Psycho­thera­pie, Psycho­somatik und Nervenheil­kunde, des Berufs­verbandes Deutscher Psycho­loginnen und Psycho­logen und der Bundes­psychotherapeutenkammer.

Wichtig sei bei der Prüfung auch gewesen, ob die Programme auf wissenschaftlich anerkannten Verfahren beruhen, ob Inhalte und Einsatz­gebiete (wie Symptome und Schweregrad) trans­parent benannt werden und wie die Entwickler qualifiziert sind.

Die Gutachter berück­sichtigten nach Angaben der Stiftung auch Aspekte der Patien­tensicherheit, etwa ob Anbieter zu den Grenzen und Risiken der Programme informie­ren. Zu diesem Prüf­punkt zähle auch, ob es Mecha­nismen wie regel­mäßig auszufüll­en­de Fragebögen gibt, um psychische Krisen früh­zeitig zu erkennen – und ob dann klare Hinweise erfolgen, wie Betroffene schnell persönliche Hilfe finden. Auch weitere Aspekte wie Finanzierung, Nutzer­einbindung und -freundlich­keit seien in das Urteil eingeflossen.

Die Stiftung Warentest weist explizit darauf hin, dass die meisten Angebote nicht für schwere Depressionen gedacht sind. Auch für die genaue Diagnose seien Ärzte und Psychotherapeuten vor Ort wichtig.

Die Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung Barbara Lu­bisch findet grundsätzlich gut, dass die Stiftung Warentest Online-Programme bei psychischen Erkrankungen nach transparenten Kriterien bewertet. Denn in diesem Bereich gebe es „viel Selbstgestricktes, was absolut nicht empfehlenswert ist“.

Indikation müssen Ärzte und Psychotherapeuten stellen

Sehr wichtig sei allerdings, dass Ärzte und Psychotherapeuten eine Indikation für sol­che Onlineprogramme stellten. Wenn Krankenkassen ohne eine solche Indikation für die Programme zahlten, oder sie gar offensiv anböten, sei dies nicht in Ordnung.

„Da maßen sich Krankenkassen an, über die Behandlung von beispielsweise Patien­ten mit Depressionen zu entscheiden – das geht nicht“, erklärt die Psychotherapeutin. Sie wehre sich auch dagegen, dass Onlineprogramme als Psychotherapie bezeich­net würden, denn Therapie sei die Behandlung von krankheitswertigen Störungen.

Grundsätzlich kann sich die DPtV-Vorsitzende die Verwendung von Onlineinterventio­nen begleitend zur Psychotherapie vorstellen, beispielsweise über eine Verordnung als Hilfsmittel. Auch sollten Ärzte und Psychotherapeuten ihren Patienten Onlinein­ter­ventionen als niederschwellige Maßnahme empfehlen können, „wenn sie sie vorher gesehen haben“, so Lubisch. © PB/afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

7. Juli 2020
Berlin – Im Zusammenhang mit der Störung der Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) droht unter Umständen ein langwieriger Rechtsstreit. Die Gematik sieht sich als für den Aufbau der TI verantwortliche
Gematik droht langwieriger Rechtsstreit wegen TI-Störung
7. Juli 2020
Vancouver – Eine Scheidung, Arbeitslosigkeit oder finanzielle Schwierigkeiten können das Leben verkürzen. In einer Beobachtungsstudie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2020;
Studie: Psychosoziale Lebenskrisen können das Sterberisiko erhöhen
7. Juli 2020
Tokio – Der Kampf des medizinischen Personals in Japan gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 hinterlässt zunehmend Spuren. Laut einer heute vom japanischen Fernsehsender NHK veröffentlichten Umfrage des
Medizinisches Personal in Japan zunehmend depressiv
3. Juli 2020
Berlin – Die Digitalisierung im Gesundheitswesen kommt einen weiteren Schritt voran. Der Bundestag hat heute dem Patientendatenschutzgesetz (PDSG) zugestimmt, mit dem nun verbindliche Regelungen zur
Elektronische Patientenakte nimmt nächste Hürde
3. Juli 2020
Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) appelliert eindringlich an alle Ärzte und Psychotherapeuten, sich rechtzeitig um die nötige Technik für die kommenden Anwendungen der
Was Ärzte jetzt für die Tele­ma­tik­infra­struk­tur brauchen
3. Juli 2020
Berlin – Fast drei Viertel der Deutschen befürworten die geplante elektronische Patientenakte (ePA). Laut einer heute in Berlin veröffentlichten Umfrage des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller
Viele Deutsche befürworten elektronische Patientenakte
1. Juli 2020
Berlin – Zur Verbesserung der Versorgungsqualität sollen künftig auch die Kassenärztlichen Vereinigungen wie auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) digitale Innovationen fördern und diese
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER