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Medikation überfordert pflegende Angehörige

Mittwoch, 26. Juni 2019

/Viacheslav Iakobchuk, stockadobecom

Berlin – Für mehr als 90 Prozent der älteren pflegebedürftigen Menschen in Deutsch­land gehört die Anwendung von Medikamenten zum Alltag. Häufig sind pflegende An­gehörige für die Einhaltung des Medikationsplans verantwortlich – und fühlen sich da­mit überfordert. Das zeigt eine deutschlandweite Studie bei mehr als 1.000 pflegenden An­gehörigen des Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP).

Danach übernehmen drei Viertel der befragten pflegenden Angehörigen regelmäßig Aufgaben in der Medikamentenversorgung. Dies empfinden 66 Prozent von ihnen als schwierig oder belastend. 77 Prozent aller Befragten berichten von Problemen im Medikationsprozess.

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„Die Analyse unterstreicht, dass für viele der etwa 3,4 Millionen pflegebedürftigen Men­schen in Deutschland Angehörige eine zentrale Rolle bei der Sicherstellung eines richtigen Umgangs mit Medikamenten spielen“, sagte Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzen­der des ZQP. Oft sei dabei allerdings keine professionelle pflegerische Unterstützung eingebunden.

So gaben 64 Prozent der Studienteilnehmer an, dass keine Pflegekraft regelmäßig an der Versorgung beteiligt sei. „Es ist nicht trivial, Verantwortung für die richtige Medika­menteneinnahme zu tragen, zum Beispiel für Zeitpunkt und Dosis“, so Suhr. Schwierig werde es insbesondere, wenn die pflegebedürftige Person vielleicht schlecht greifen oder schlucken könne, die Medikamente immer wieder vergesse oder nicht einneh­men wolle. Dadurch drohe anhaltender Stress, der sich auch auf die Gesundheit der Angehörigen negativ auswirken könne.

Die Studienautoren haben die pflegenden Angehörigen auch um Angaben gebeten, ob und welche sicherheitsrelevanten Probleme sie im Medikationsprozess wahrge­nommen haben. Von mindestens einem solchen Problem im letzten halben Jahr berichten 77 Prozent der Befragten.

Gut ein Drittel sagt, dies sei gelegentlich oder sogar oft passiert. Am häufigsten trat demnach auf: „Ein benötigtes Medikament war aufgebraucht“ (51 Prozent), „Ein Medi­kament wurde zum falschen Zeitpunkt angewendet“ (36 Prozent), „Pflegebedürftige Person lehnte Medikament ab“ (33 Prozent) und „Zweifel, ob das Medikament ange­zeigt war“ (32 Prozent). 

„Wir müssen die Medikationssituation in der häuslichen Pflege als doppelte Präventi­ons­gelegenheit verstehen. Hier bieten sich Chancen, die Gesundheit sowohl von pfle­gebedürftigen Menschen als auch von pflegenden Angehörigen besser zu schützen“, betonte der ZQP-Vorsitzende. © hil/aerzteblatt.de

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