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Politik

Gesundheitschancen für ärmere Menschen müssen verbessert werden

Dienstag, 25. Juni 2019

/xalanx, stockadobecom

Berlin – Sozialversicherungsträger sprechen sich für eine bessere Gesundheitsförde­rung für Benachteiligte in Deutschland aus. Menschen mit wenig Einkommen und Ver­mögen hätten allgemein schlechtere Gesundheitschancen, sagte die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Brigitte Gross, heute in Berlin.

Das beginne schon während der Schwangerschaft und setze sich in das Kindes- und in das Erwachsenenalter fort. Arme Mütter rauchten häufiger während der Schwanger­schaft, arme Jugendliche seien häufiger übergewichtig und fettleibig und Langzeitar­beitslose erkrankten häufiger psychisch, warnte Gross.

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Sie äußerte sich bei der Vorstellung des ersten Berichts der 2015 per Gesetz gegrün­deten Nationalen Präventionskonferenz, in der die Spitzenorganisationen von Kran­ken-, Unfall-, Renten- und Pflegeversicherung vertreten sind. Aus dem Präventions­bericht geht hervor, dass die Ausgaben der beteiligten Träger für Gesundheitsvor­sor­ge um rund 40 Prozent von 1,27 Milliarden im Jahr 2012 auf 1,8 Milliarden Euro im Jahr 2017 gestiegen sind.

Der Chef der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, Arnd Spahn, sagte, Kinder und Jugendliche im Schulalter seien die am häufigsten erreichte Zielgruppe von Präventionsangeboten. Er sprach sich für regionales, saisonales und gesundes Essen in den Schulen und Horten sowie allgemein für mehr Vorsorgeange­bote auf dem Land aus.

Der Hauptgeschäftsführer der gesetzlichen Unfallversicherung, Stefan Hussy, erklärte, Erwerbstätige seien zunehmend psychischen Belastungen und Bewegungsmangel ausgesetzt. Etwa die Hälfte arbeite heute sitzend. Eine Möglichkeit, dem entgegenzu­wirken, könne das Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit sein. Weiterhin blieben aber auch schwere körperliche Arbeit sowie knapp eine Million Arbeitsunfälle ein Thema. Derzeit würden nur rund fünf Millionen Unternehmen und Einrichtungen mit Präventionsange­boten erreicht und damit rund ein Fünftel aller Unternehmen.

Das Vorstandsmitglied des GKV-Spitzenverbands Gernot Kiefer sagte, man wolle die Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur und den Kommunen ausweiten. Zudem solle die Lage von Pflegekräften und pflegenden Angehörigen in den Blick genommen wer­den. Dazu sei ein nationales Zentrum zur Gesund­heits­förder­ung speziell für diese Gruppe hilfreich, meinte Kiefer.

Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes, wie angesichts des Reports auf die Finanzierung der Schutzimpfungen hin. Diese seien von den Kassen mit mehr als 1,1 Milliarden Euro finanziert worden. 1,7 Milliarden Euro hätten die Kassen für die Früh­er­kennung von Krankheiten ausgegeben.

Seiner Meinung nach macht der Bericht auch deutlich, dass Prävention und Gesund­heitsförderung gesamtgesellschaftliche Aufgaben sind. Auf viele Faktoren, die sich entscheidend auf die Gesundheit der Menschen auswirkten, wie etwa eine gesunde Umwelt, gute Bildungschancen oder die Teilhabe an Arbeit und Freizeit, hätten „vor allem Bund, Länder und Kommunen Einfluss“. Die Krankenkassen fordern deshalb, dass die Präventionsanstrengungen von Bund, Ländern und Gemeinden weiter ver­stärkt werden.

Kritik von den Grünen

Kritik kam heute anlässlich der Vorstellung des ersten NPK-Präventionsberichts von den Grünen. Auch wenn der Präventionsbericht die Entwicklung schönfärbe – es zei­ge sich eindeutig, dass Gesund­heits­förder­ung und Prävention auch nach vier Jahren nicht von der Stelle gekommen seien, sagte Kirsten Kappert-Gonther, Grünen-Spre­che­rin für Gesund­heits­förder­ung und Obfrau im Gesundheitsausschuss.

Die „Projektitis“ in der Präventionslandschaft nehme kein Ende, nach wie vor werde die kassenübergreifende Leistungserbringung verweigert. „Einzelne Präventionskurse haben weder einen nachhaltigen Effekt auf die Gesundheit, noch gleichen sie Ge­sund­heitschancen in der Bevölkerung an“, sagte sie. Der Präventionsbericht gebe darüberh inaus keine Auskunft, was konkret vor Ort passiere.

Sie betonte, die Grünen wollten die Gesund­heits­förder­ung ins Zentrum politischer Entscheidungen rücken. Dafür müssten gesundheitliche Aspekte auf allen Ebenen von Politik und Gesellschaft berücksichtigt werden. © kna/may/aerzteblatt.de

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