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Medizin

Gelegentlicher Fleischverzicht könnte vor Typ-2-Diabetes schützen

Mittwoch, 26. Juni 2019

Junge Leute essen gemeinsam ein vegetarisches Essen am Tisch. /Photographee.euadobe.stock.com
Wer weniger isst, lebt länger und gesünder – darauf verweisen zahlreiche Studien zur positiven Wirkung des (Intervall-)Fastens. Auch eine vegetarische oder vegane Ernährung könnte von Vorteil sein. /Photographee.euadobe.stock.com

Potsdam – Neben der verminderten Kalorienaufnahme spielt auch das Verhältnis der einzelnen Nahrungsbestandteile eine wichtige Rolle für die Gesundheit. Allein die Reduzierung der Aminosäure Methionin, die vor allem in Fleisch und Fisch vorkommt, könnte Typ-2-Diabetes verhinderen. Das konnten Forscher des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) im Mausmodell zeigen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im FASEB Journal (2019; doi: 10.1096/fj.201900150R).

In früheren Untersuchungen fand das Forscherteam der Abteilung Experimentelle Diabetologie am DIfE bereits heraus, dass Mäuse, die eiweißarmes Futter bekamen, unter anderem verbesserte Blutzuckerwerte hatten und mehr Energie verbrauchten als Tiere, die Standardfutter erhielten. 

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Die aktuellen Ergebnisse zeigen nun, dass bereits die Verringerung einer einzelnen Aminosäure im Futter sich positiv auf die Gesundheit auswirkt. So verbesserte eine Ernährung arm an Methionin den Zuckerstoffwechsel der Mäuse und deren Empfindlichkeit für das Hormon Insulin. „Interessanterweise beobachteten wir die positiven Wirkungen der methioninarmen Kost, ohne den Eiweißgehalt zu verringern und unabhängig von Nahrungsaufnahme und Körperfett“, erklärt Thomas Laeger, Leiter des Projekts.

Erhöhte FGF21-Level bei veganer und vegetarischer Ernährung

Die Daten der Studie sprechen dafür, dass der Fibroblast growth factor 21 (FGF21) die schützende Wirkung der methioninarmen Ernährung vermittelt: Wird weniger der Aminosäure aufgenommen, setzt die Leber vermehrt FGF21 frei. Vegetarische oder vegane Kost enthält im Vergleich zu fleisch- und fischhaltigen Speisen meist geringe Mengen an Methionin. Mit Kollegen der Abteilung Molekulare Toxikologie und des Bundesinstituts für Risikobewertung konnte das Autorenteam um Erstautorin Teresa Castaño-Martinez zeigen, dass Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, verglichen mit Mischköstlern erhöhte FGF21-Spiegel im Blut haben. Bereits nach 4 Tagen vegetarischer Ernährung erhöhten sich die FGF21-Mengen auch im Blut der Mischköstler.

Methionin ist eine schwefelhaltige, essentielle Aminosäure, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Methionin trägt unter anderem zur Bildung von Neurotransmittern und Hormonen bei. Obwohl auch bestimmte Nüsse, Ölsaaten und Gemüse nennenswerte Mengen der Aminosäure enthalten, ist eine pflanzenbasierte Kost im Vergleich zu einer Ernährung mit Fleisch und Fisch in der Regel methioninarm.

„Sollten sich die Befunde aus dem Tiermodell auf den Menschen übertragen lassen, wäre das für die Behandlung von Diabetes ein wichtiger Schritt“, schlussfolgert Laeger und weiter: Statt Kalorien zu zählen und generell auf eiweißreiche Lebensmittel zu verzichten, müsste nur der Methioninanteil im Essen reduziert werden. Möglicherweise reicht es bereits, wenn Betroffene hin und wieder eine vegetarische Woche einlegen und somit ihre FGF21-Spiegel in die Höhe treiben. Das könnte die Akzeptanz einer Ernährungsumstellung erheblich vereinfachen“, sagt Laeger. Berücksichtigt werden müsse jedoch, dass bestimmte Gruppen, darunter beispielsweise Kinder, schwangere und stillende Frauen, einen erhöhten Bedarf an Methionin haben.

Wichtig wäre nun, herauszufinden, inwieweit die verminderte Methioninaufnahme tatsächlich zur Erhöhung der FGF21-Spiegel beiträgt. Künftig möchte das Forscherteam Untersuchungen mit Veganern durchführen, um zusätzliche Indizien für die mögliche Beteiligung der Aminosäure Methionin an der Entstehung von Typ-2-Diabetes aufzudecken. © gie/aerzteblatt.de

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