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Kinderschutzbund mahnt Schutzkonzepte gegen Missbrauch für alle Kliniken an

Mittwoch, 26. Juni 2019

/Gorodenkoff, stockadobecom

Saarbrücken/Homburg – Nach jahrelangem Schweigen zu Verdachtsfällen von sexu­ellem Missbrauch am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) hat der Deutsche Kinderschutzbund die flächendeckende Einführung von Schutzkonzepten gefordert.

Es sei „skandalös“, dass bundesweit nur ein Fünftel aller Kliniken über ein solches Schutzkonzept mit klaren Regeln zur Prävention von und zum Umgang mit solchen Fällen verfüge, teilte der saarländische Landesverband des Kinderschutzbundes in Saarbrücken mit. Der Versuch der Klinikleitung in Homburg, das Schweigen „nun als Opferschutz zu verkaufen, ist abwegig und zynisch“.

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Vorgestern war bekanntgeworden, dass ein inzwischen gestorbener Assistenzarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKS in Homburg von 2010 bis 2014 womöglich mehrere Kinder bei Untersuchungen sexuell missbraucht haben soll. Die Eltern der meist fünf bis acht Jahren alten Kinder wurden bis vor kurzem nicht darüber informiert. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen der Behandlung von 34 Patienten.

Nach dem Tod des Arzt 2016 wurden die Ermittlungen eingestellt. Der „gesamte Sach­verhalt“ der mutmaßlichen Missbrauchsfälle müsse genau aufgeklärt werden, forderte die SPD-Landtagsfraktion. Der Justizausschuss im Saar-Landtag werde sich morgen dazu berichten lassen, hieß es.

Regierungssprecherin Anne Funk kündigte an, künftig regelmäßig über den Fortschritt der Aufklärungsarbeiten zu informieren – „auch, was künftige Präventionen betrifft“. Aufgabe sei es zwar nicht, Schutzkonzepte umzusetzen, „aber diese zumindest anzu­regen“.

Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb es nur für Kitas und Jugendhilfeein­rich­tungen eine gesetzliche Verpflichtung zur Erstellung von Schutzkonzepten gebe, teilte der Kinderschutzbund mit. „Sie sind unverzichtbar überall dort, wo die Gefahr von Über­griffen und sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen besteht“ Schutzkonzepte enthielten klaren Verhaltenskodizes, regelmäßige Fortbildungen und Interventions­pläne für Verdachtsfälle. © dpa/aerzteblatt.de

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