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Medizin

Bluttest könnte Früherkennung von Morbus Alzheimer ermöglichen

Mittwoch, 26. Juni 2019

/Kamon Wongnon, stockadobecom

Lund – Ein neuer Labortest, der die für den Morbus Alzheimer charakteristischen Beta-Amyloide im Blut nachweist, könnte ein Screening auf die häufige Demenzer­kran­kung beim Hausarzt ermöglichen. Der jetzt in JAMA Neurology (2019; doi: 10.1001/jamaneurol.2019.1632) vorgestellte Test soll demnächst in einer Studie untersucht werden.

Seit einiger Zeit ist es möglich, einen Morbus Alzheimer zu diagnostizieren, bevor es beim Patienten zu kognitiven Einschränkungen oder zu einer Demenz kommt. Die für die Erkrankung charakteristischen Beta-Amyloide können entweder mit einem Tracer in der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) sichtbar gemacht oder im Liquor di­rekt nachgewiesen werden. PET und Liquorpunktion sind jedoch für die Früherkenn­ung nicht geeignet, da die PET-Geräte nur an wenigen Zentren vorhanden sind und die Liquorpunktion für ein Screening zu invasiv und für die Patienten zu schmerzhaft sind.

Mit einem neuen Bluttest (auf der Basis der Elektrochemielumineszenz) können gerin­ge Spuren der Beta-Amyloide jedoch auch im Blut nachgewiesen werden. Sebastian Palmqvist von der Universität Lund und Mitarbeiter haben untersucht, ob der Test in der Lage ist, das Ergebnis einer Liquor-Untersuchung vorherzusagen.

Zunächst wurden in Schweden 842 Personen untersucht, von denen 265 an leichten kognitiven Einschränkungen und 64 an einem Morbus Alzheimer litten – die anderen hatten keine kognitiven Auffälligkeiten. Dabei wurden Grenzwerte festgelegt, die dann in einer zweiten Studie an 237 Personen aus Deutschland (Hannover und Ulm) über­prüft wurden (Validierung).

Nach den jetzt von Palmqvist vorgestellten Ergebnissen erzielte der Bluttest, der die Amyloide Abeta42 und Abeta40 nachweist, in der ROC-Kurve („receiver operating characteristic“) zunächst nur einen AUC-Wert („area under the curve“) von 0,80. Die ROC-Kurve kombiniert Sensitivität und Spezifität. Ein AUC-Wert von 1,0 ist eine siche­re Diagnose, ein Wert von 0,5 ein pures Zufallsergebnis.

Die Forscher konnten den AUC-Wert auf 0,85 steigern, wenn zusätzlich der APOE-Status ermittelt wurde. Mutationen im APOE-Gen sind ein bekannter Risikomarker für den Morbus Alzheimer. Wenn zusätzlich die Tau-Konzentration im Plasma bestimmt wurde, stieg der AUC-Wert auf 0,86. Tau-Fibrillen sind neben den Beta-Amyloiden ein histologisches Kennzeichen der Erkrankung. Wenn neben Tau noch NFL bestimmt wurde („neurofilament light chain“), betrug der AUC sogar 0,87.

In der deutschen Validierungsstudie erwiesen sich nur Abeta42 und Abeta40 als prä­diktiv für die Ergebnisse der Liquoruntersuchung. Der AUC-Wert lag mit 0,86 etwas höher als in der schwedischen Studie.

Eine sichere Diagnose des Morbus Alzheimer erlaubt der Bluttest damit nicht. Er könn­te jedoch die Zahl der Patienten senken, bei denen eine PET oder eine Liquor­untersuchung zur Diagnose des Morbus Alzheimer durchgeführt werden muss.

Die Kosten des PET-Screenings könnten durch den Labortest um 30 bis 50 Prozent ge­senkt werden, rechnet Palmqvist vor. Für den Editorialisten Sid O’Bryant vom Univer­sity of North Texas Health Science Center in Fort Worth steht fest, dass das Screening irgendwann kommt. Die Frage sei nicht, „ob“ gescreent würde, sondern „wie“ das Screening aussehen werde.

Erste Einsichten soll die Nachfolgestudie liefern, die im Herbst starten soll. Einzelheit­en werden nicht genannt. Sollte ein Screening möglich sein, dürfte es vorerst auf klini­sche Studien beschränkt bleiben, da es derzeit keine Behandlung gibt, die den Verlauf der Erkrankung beeinflusst. Ohne eine solche therapeutische Perspektive ist ein Scree­ning jedoch wertlos.

© rme/aerzteblatt.de

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