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Medizin

Jeder zweite Klinikpatient in Vietnam ist mit resistenten Erregern infiziert

Donnerstag, 27. Juni 2019

Carbapeneme waren bisher der Goldstandard zur systemischen Therapie schwerer Infektionen gramnegativer Keime, wie etwa Enterobacteriaceae. /sveta adobe.stock.com

Linköping/Schweden–Carbapenem-resistente Enterobacteriaceae (CRE), die gegen die meisten Breitband-Antibiotika unempfindlich sind, haben sich außerhalb Europas offenbar stark ausgebreitet. Nach den Ergebnissen einer Punktprävalenzstudie im Journal of Infection (2019; doi: 10.1016/j.jinf.2019.05.013) ist an vietnamesischen Kliniken jeder 2.Patient mit CRE kolonisiert. Auf einer Intensivstation für Neugeborene war die Kolonisierung mit einem deutlich erhöhten Sterberisiko verbunden.

Vietnam gehört zu den wirtschaftlich aufstrebenden Ländern in Südostasien, in denen sich Antibiotika-Resistenzen derzeit stark ausbreiten. Dies liegt zum einen an der besseren wirtschaftlichen Lage der Bevölkerung. Viele Menschen können es sich leisten, bei einer Erkrankung auf Antibiotika zuzugreifen, die in privaten Apotheken ohne Einschränkung erhältlich sind. Die Einnahme ohne ärztliche Kontrolle fördert die Entwicklung von antibiotikaresistenten Keimen, die die Patienten dann bei einer Hospitalisierung mit ihrem Darm in die Klinik tragen.

Die Untersuchungen, die ein Team um Håkan Hanberger zwischen 2017 und 2018 an 12 Kliniken in Vietnam durchführte, ergaben, dass bei 13 % der Patienten bei der Klinikaufnahme CRE in rektalen Abstrichen vorhanden waren. In der Klinik selbst gaben die Patienten die Keime rasch an weitere Patienten weiter.

Patienten, die 15 Tage in der Klinik blieben, waren zu 87 % mit CRE kolonisiert. Hanberger führt dies darauf zurück, dass die Patienten meist in Mehrbettzimmern untergebracht werden und es keinerlei Maßnahmen gibt, um die Ausbreitung zu verhindern. Es werde im Normalbetrieb keine Untersuchung auf eine Kolonisierung durchgeführt und die Möglichkeit, betroffene Patienten in Einzelzimmern zu isolieren, gebe es nicht.

Sterblichkeit aufgrund nosokomialer Infektion steigt auch bei Neugeborenen

Die Folgen zeigten sich bei der Untersuchung einer Intensivstation für Neugeborene. Auch hier stieg der Anteil der Patienten mit CRE starkvon 32 % bei der Aufnahme auf 88 % bei der Entlassung an. Die Sterblichkeit an der Intensivstation war hoch. Sie stieg bei einer CRE von 28 auf 43 % an und in der Klinik erworbene Infektionen waren eine häufige Todesursache. Kinder, die bereits bei der Aufnahme mit CRE besiedelt waren, hatten nach den Berechnungen von Hanberger ein 5-fach erhöhtes Risiko, an einer nosokomialen Infektion zu sterben.

Nach Einschätzung von Hanberger wäre es auch in Vietnam möglich, die Ausbreitung von CRE zu stoppen. Dies würde allerdings strenge Maßnahmen erfordern. Dazu würden eine verbesserte Händehygiene und sterile Arbeitsmethoden während der Operation und beim Umgang mit Venenkathetern gehören. Die Patienten müssten getestet und kolonisierte Patienten in Einzelzimmern isoliert werden.

Wichtig sei auch, die Patienten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zu überwachen, um die Ausbreitung dieser Bakterien in der Bevölkerung zu verringern. Selbst wenn alle diese Maßnahmen getroffen würden, dürfte es lange dauern, um die Zahl der CRE wieder auf ein akzeptables Niveau zu senken, meint Hanberger. © rme/aerzteblatt.de

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