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Debatte um Nährwert-Logo geht in die nächste Runde

Mittwoch, 26. Juni 2019

Verschiedene Kennzeichnungen zu Nährwerten auf der Verpackungsvorderseite sollen Verbraucher besser als bisher informieren. /dpa

Frankfurt am Main – In die Diskussion um ein Nährwert-Logo auf Lebensmitteln kommt weitere Bewegung. Während Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) noch an den Vorbereitungen für ein Kennzeichen arbeitet, spricht sich der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestlé für den Nutri Score aus.

Nestlé lasse die Nährwert-Farbampel auf seine Produkte in Europa drucken, wie der Konzern jetzt mitteilte. Auch in Deutschland will der Schweizer Konzern so schnell wie möglich damit beginnen. Damit reiht sich Nestlé ein in Unternehmen wie Danone und Bofrost, die erste Verpackungen hierzulande mit dem Nutri Score kennzeichnen. Die­ser fasst die gesamte Nährwertqualität der Lebensmittel in einer fünfstufigen Farb­ska­la von A bis E zusammen.

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„Die Europäer sind immer interessierter daran, was in den Lebensmitteln und Geträn­ken enthalten ist, die sie konsumieren“, sagte Marco Settembri, Chef von Nestlé für Europa, den Mittleren Osten und Nordafrika. Man befürworte den Nutri Score als ein­heitliche und transparente Kennzeichnung.

Nestlé wolle das freiwillige System zunächst in Ländern Kontinentaleuropas an den Start bringen, in denen es unterstützen werde, hieß es. Das sind Frankreich, Belgien und die Schweiz, wo Gesundheitsbehörden den Nutri Score empfohlen haben. In Deutschland wolle man die Farbskala „unverzüglich“ einführen, „sofern die rechtlichen Voraussetzungen hierfür geschaffen werden“.

Klöckner setzt auf Umfrage

Der Nutri Score bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlens­werte Bestandteile wie Ballaststoffe oder Proteine ein und gibt dann einen einzigen Wert an – auf einer fünfstufigen Skala von dunkelgrün bis rot. Verbraucherschützer und die SPD machen sich für das System stark.

Klöckner plant aber noch eine Ver­braucherbefragung im Sommer über ausgewählte Systeme. Morgen sollen die Modelle dafür festgelegt werden. Für die Initiative von Nestlé fand Klöckners Ministerium indes lobende Worte: „Dass sich Unternehmen jetzt immer mehr bei der Kennzeichnungsfrage bewegen, ist richtig und wichtig“.

Der Nutri Score ist in der Lebensmittelindustrie umstritten, der Branchenverband BLL empfiehlt ein eigenes System. Es gibt auch andere Modelle wie schwarze Warnsym­bole oder ein Siegel mit Sternen. Sie sollen Verbrauchern den Überblick erleichtern, da viele bei den gängigen Tabellenangaben zu Kalorien oder Zucker nicht durch­blicken.

Aus Sicht von Foodwatch geht das Verfahren hierzulande zu langsam. Der Nutri Score sei wissenschaftlich abgesichert und praxiserprobt, erklärte Foodwatch-Expertin Luise Molling. Die Verbraucherschützer werfen Klöckner zu große Nähe zur Lebensmittel­branche vor – gerade zu Nestlé, nachdem die Politikerin in einem Video die Fort­­schritte des Konzerns beim Reduzieren etwa von Zucker in Lebensmitteln würdigte.

„Frau Klöckner betreibt Verbraucherschutz-Verhinderungspolitik“, monierte Molling. Da es mit den Regeln zu einem Logo nicht vorangehe, warteten Firmen, die freiwillig han­deln wollten, in Deutschland lieber ab.

Nestlé will nun mit dem Nährwert-Logo Signalwirkung erzielen. Man hoffe dazu beizu­tragen, „eine breitere Dynamik zugunsten von Nutri Score“ zu schaffen, erklärte der Konzern. In Deutschland würde man es begrüßen, wenn die Verbraucher sich klar für den Nutri Score aussprechen würden.

Einführung wird dauern

Bis der Nutri Score in Deutschland kommt, wird aber Zeit vergehen. Die Verbraucher­minister der Länder haben sich dafür ausgesprochen, dass bis Jahresende ein ein­heitliches und möglichst standardisiertes Modell vorgelegt werden soll. Auch bei Nest­lé wird die Einführung der Nährwertampel in Europa nicht von heute auf morgen er­folgen. Die Verpackungen müssen im Handel schrittweise ausgetauscht werden – an­gesichts der weiten Verbreitung der Marken ist das komplex. Im Herbst will Nestlé über die Umsetzung informieren.

Die Lebensmittelbranche steht wegen ungesunder Produkte immer wieder in der Kritik. Nestlé weist auf Anstrengungen hin: So soll unter anderem der Anteil von Zucker in Nestlé-Produkten bis 2020 um fünf Prozent sinken und der von gesättigten Fettsäuren um zehn Prozent. © dpa/aerzteblatt.de

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