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Politik

Zuspruch und Bedenken zur Akademisierung des Hebammenberufs

Donnerstag, 27. Juni 2019

/Deutscher Bundestag, Lichtblick/Achim Melde (Archivbild)

Berlin – Hebammen und Gynäkologen sind sich uneinig, was die geplante Reform der Hebammenausbildung als duales Studium angeht. In einer Anhörung des Gesund­heits­­­­­­­­ausschusses des Bundestags gab es gestern überwiegend Zustimmung zu den Plänen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG).

Mit dem Gesetz will die Bundesregierung nach eigenen Angaben den Hebammenbe­ruf attraktiver machen und die künftigen He­bammen besser auf die ständig steigenden Anforderungen im Arbeitsalltag vor­bereiten. Grundlage der Novelle ist die EU-Richt­linie 2005/36/EG, die die Anerkennung der Qualifikationen von reglementierten Beru­fen regelt.

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Dass die Reform zu mehr Qualität in der Versorgung führt, glaubte die Einzelsachver­ständige Melita Grieshop von der Evangelischen Hochschule Berlin gestern in der Anhörung im Ausschuss. Besonders begrüßenswert sei die geplante systematische Praxisanleitung sowie eine Vergütung der Auszubildenden. Die Sachverständige regte an, die Gesamtverantwortung für den Studiengang stärker bei den Hochschulen anzu­siedeln. Diese sollten auch die praktischen Ausbildungsteile planen und koor­dinieren.

Dieser Ansicht ist auch der Wissenschaftsrat. Friederike Prinzessin zu Sayn-Wittgen­stein-Hohenstein betonte, dass die Hochschulen zuständig für die inhaltliche wie prak­tische Ausgestaltung des Studiums sein sollten. Zudem reiche es nicht aus, sich nur auf ein Bachelor-Studium zu konzentrieren, auch Master und Promotion müssten mit­gedacht werden.

Hebammenverband spricht von Erfolgsmodell

Als ausgesprochen positiv wurde die geplante Verzahnung von Theorie und Praxis auch vom Deutschen Hebammenverband bewertet. So sagte Yvonne Bovermann, es gebe in Deutschland mehr als 1.000 dieser Studiengänge, dies funktioniere „hervor­ra­gend“. Die geplante Ausbildung könne zum „Erfolgsmodell“ werden. Als Vorausset­zung für eine Studiengangleitung müsse die entsprechende Lehrkraft „mindestens“ einen Masterabschluss vorweisen können, mittelfristig sollten die Positionen nur an promovierte Hebammen vergeben werden.

Für den Deutschen Caritasverband bezeichnete Elisabeth Flix den geplanten hohen Anteil an Praxisanleitung als „besonders positiv“, mit 25 Prozent sei dieser „geradezu vorbildlich“. Bei den bisher geplanten 4.600 Stunden für das Studium, von denen 3.000 berufspraktisch und 1.600 theoretisch sein sollen, solle hingegen nachgebess­ert werden – der akademische Anteil sei „nicht angemessen“.

Skeptisch bezüglich einer Akademisierung des Hebammenberufs ist dagegen der GKV-Spitzenverband. Stefan Weiß sagte, aus Untersuchungen wisse man, dass etwa in Bayern rund ein Drittel der Hebammen die Zugangsvoraussetzungen für ein Studi­um nicht erfüllten.

Es bestehe die Gefahr, dass akademisch qualifizierte Hebammen sich künftig auf die Geburtshilfe konzentrieren könnten und eine Lücke bei der Wochenbettbetreuung ent­stehe. Daher schlage man einen Ausbildungsberuf der Mütterpflegekraft vor. Eine Kos­tenersparnis für die gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung sei nicht zu erwarten – bei einer Finanzierung der Hebammenausbildung im Hochschulstudium würden die Ver­sicherten für versicherungsfremde Leistungen bezahlen müssen.

Auch der Sachverständige Frank Louwen von der Universitätsklinik Frankfurt am Main sprach sich für „eine Akademisierung mit Augenmaß“ aus – man dürfe den Schülerin­nen nicht den Weg an die Schulen versperren. Aktuell gebe es 16 Studiengänge, die ganz unterschiedlich verteilt seien – in fünf Bundesländern etwa gebe es keine Mög­lichkeit für dieses Studium. Es spreche nichts dagegen, dass eine Hebamme mit 40.000 Praxisstunden in ein weiterführendes Studium ginge; diese Möglichkeit gebe der Gesetzentwurf aber nicht her.

Für die Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft sagte Nicola Bauer dage­gen, die Hebammenschulen seien künftig „überflüssig“, zudem sei ihre Finanzierung über 2026 hinaus unklar. Es sei sinnvoll, wenn die Lehrerinnen dieser Schulen an die Hochschulen gingen. Ihr Verband halte zudem ein siebensemestriges Studium für sinnvoll. © may/hib/aerzteblatt.de

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