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Politik

Apotheker bangen um einheitliche Preise für rezeptpflichtige Arzneimittel

Mittwoch, 26. Juni 2019

/dpa

Berlin – Ob die einheitlichen Abgabepreise für verschreibungspflichtige Medikamente in Deutschland künftig auch wieder für ausländische Versandapotheken gelten, wird in Europa entschieden. Das sagte der Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Friedemann Schmidt, gestern am Rande der ABDA-Mitgliederversammlung in Berlin.

Der Entwurf des Gesetzes zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken schreibt zwar einheit­liche Preise für rezeptpflichtige Arzneimittel vor, die zulasten der gesetzlichen Kran­ken­versichernug (GKV) abgegeben werden. Der entsprechende Passus wird statt wie bisher im Arzneimittelgesetz im Sozialgesetzbuch V (SGB V) verankert.

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Auf diese Weise will das Bundesgesundheitsministerium (BMG) die Regelung dem Zugriff des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) entziehen. Denn für die sozialen Si­che­rungssysteme sind die Mitgliedstaaten der Europäischen Union selbst verantwort­lich. Allerdings haben die Gegner der Preisbindung, insbesondere ausländische Ver­sandapotheken, Schmidt zufolge bereits angekündigt, gegen die Regelung erneut vor Gericht zu ziehen.

Der EuGH hatte 2016 entschieden, dass ausländische Versandapotheken deutschen Kunden Rabatte auf verschreibungspflichtige Arzneimittel einräumen dürfen. Die Apo­theker in Deutschland dürfen das aufgrund der hierzulande geltenden Preisbindung nicht.

Das Sachleistungsprinzip wird unterlaufen

Es sei schwer abzuschätzen, wie ein neuerliches Verfahren ausgehen werde, räumte Schmidt ein. Im Gegensatz zum ersten Prozess habe der deutsche Gesetzgeber aber dieses Mal ein klares Bekenntnis zu einheitlichen Preisen abgegeben und das damit begründet, dass ansonsten das in der GKV geltende Sachleistungsprinzip unterlaufen werde.

„Die Begründung zur Verteidigung der Preisbindung ist ausführlicher und schlüssiger“, sagte Schmidt. Bedauerlich sei jedoch, dass das BMG daran festhalte, den Passus der grenzüberschreitenden Geltung der deutschen Arzneimittelpreisverordnung aus dem Gesetz zu streichen (§ 78, Abs. 1, Satz4).

Bessere Zusammenarbeit nützt den Patienten

Das Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheke sieht außerdem vor, die pharmazeu­ti­schen Dienstleistungen der Apotheker zu erweitern und zusätzlich zu honorieren. Da­zu gehört zum Beispiel die Medikationsanalyse- und das Medikationsmanagement, die Gesundheitsberatung, die Erfassung definierter Gesundheitsparameter wie Blutdruck oder Cholesterin sowie die Betreuung besonderer Patientengruppen.

In diesem Zusammenhang verwies ABDA-Präsident Schmidt auf die PHARM-CHF-Studie hin, die seit 2012 untersuchte ob eine verbesserte Zusammenarbeit von Haus­ärzten und Apothekern die Therapietreue bei Patienten mit chronischer Herzmuskel­schwäche verbessern und Arzneimittelrisiken verringern kann.

„Die Ergebnisse sind sehr ermutigend“, erklärte Schmidt. Sie hätten auch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie überzeugt, die eine enge Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern ebenfalls befürworte und an die deutsche Gesundheitspolitik appelliert habe, die Leistungen der Apotheker angemessen zu vergüten. Das habe es so noch nicht gegeben, meinte Schmidt. „Die Studienergebnisse helfen uns auch bei der Einführung neuer pharmazeutischer Dienstleistungen“, zeigte er sich überzeugt. © HK/aerzteblatt.de

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