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Medizin

Diagnostischer Wert des Tiffeneau-Index für COPD bestätigt

Donnerstag, 27. Juni 2019

/nandyphotos, stock.adobe.com

New York  Ein Abfall des Tiffeneau-Index, dem Verhältnis von exspiratorischer Einse­kundenkapazität (FEV1) zur forcierten Vitalkapazität (FVC), zeigt eine Verengung (Obstruktion) der Atemwege an. Ein FEV1/FVC-Wert von unter 0,71 war in einer Analyse von 4 großen Kohortenstudien im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2019; 321: 2438-2447) am besten geeignet, bei Patienten mit Verdacht auf eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) eine drohende Hospitalisierung oder den Tod des Patienten vorherzusagen.

Die COPD ist weltweit die dritthäufigste Todesursache, doch die Erkrankung ist diagnostisch nicht einfach zu fassen. Kennzeichnend für die Erkrankung ist eine fortschreitende Verengung der Atemwege. Anfangs steht meist eine chronische Bronchitis im Vordergrund, wegen der häufigsten Ursache auch Raucherhusten genannt. Später kommt es zu einem Emphysem, das die Sauerstoffaufnahme über die Lungen immer weiter einschränkt. Wie bei anderen Erkrankungen, etwa der Hypertonie oder dem Typ 2-Diabetes, ist es nicht einfach, den Grenzwert zu bestimmen, ab dem von einer Krankheit gesprochen werden sollte.

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Einen Hinweis kann hier die Analyse von Langzeitstudien geben, in denen untersucht wird, ab welchem Grenzwert es langfristig zu einer Verschlechterung des Gesund­heitszustands durch die Störung kommt. Ein Team um Elizabeth Oelsner von der Columbia University in New York hat hierzu die Daten von 4 bevölkerungsbasierten Kohortenstudien ausgewertet: Die „Atherosclerosis Risk in Communities Study“, die „Cardiovascular Health Study“, die „Health, Aging, and Body Composition Study“ und die „Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis“ hatten in den Jahren 1987 bis 2000 bei 24.207 Erwachsenen im Alter von im Mittel 63 Jahren unter anderem Lungenfunktionstests durchgeführt.

Im Verlauf von 15 Jahren wurden 3.925 Studienteilnehmer wegen der Komplikationen einer COPD im Krankenhaus behandelt. Darunter waren 447 Patienten, die an den Komplikationen einer COPD gestorben sind.

Treffsicherheit des Tiffeneau-Index ist begrenzt

Wie Oelsner ermittelte, nahm die Wahrscheinlichkeit von COPD-Hospitalisierungen und Todesfällen mit der Abnahme des FEV1/FVC-Werts zu. Auch Menschen mit einem Tiffeneau-Index (FEV1/FVC) von 0,80, den Lungenfachärzte als normal ansehen, erkrankten später an einer COPD, wenn auch wesentlich seltener als Menschen mit einem als kritisch betrachteten Tiffeneau-Index von 0,40. Andererseits gibt es auch Menschen, die trotz einer hochgradigen Bronchialobstruktion kaum Probleme haben.

Das Ziel der Untersuchung war, den Grenzwert zu finden, der die meisten Erkrankungen (Sensitivität) findet, ohne dabei zu viele falsche Alarme (Spezifität) zu liefern. Dies war am Ende ein Tiffeneau-Index von 0,71. Die Sensitivität betrug 66 % und die Spezifität 79 %, was in der C-Statistik einen Wert von 0,696 ergibt. Die Treffsicherheit des Tiffeneau-Index ist deshalb begrenzt, und die Lungenfachärzte werden sich bei der Diagnose immer auch auf andere Kennzeichen stützen.

Schwellenwert von 0,71 entspricht fast der Leitlinienempfehlung

Es gibt laut der Untersuchung jedoch keine bessere Alternative. Der LLN-Grenzwert („lower limit of normal“), die 5. Perzentile des FEV1/FVC, der sich in jeder Altersgruppe unterscheidet, erreichte in der C-Statistik einen Wert von 0,661. Die Differenz von 0,034 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,028 bis 0,041 signifikant. Dies bedeutet, dass der Schwellenwert von 0,71 im Tiffeneau-Index für die Diagnostik besser geeignet ist.

Der Schwellenwert von 0,71 im Tiffeneau-Index stimmt übrigens fast genau mit den Empfehlungen in den Leitlinien überein. Diese raten in der Regel ab einem Schwellen­wert von unter 0,70 zur COPD-Diagnose. Diese Empfehlungen beruhten allein auf der Einschätzung von Experten, die damit ein sehr gutes Gespür für die Erkrankung bewiesen haben. © rme/aerzteblatt.de

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