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Medizin

Hornhaut an den Füßen hat viele Vorteile

Donnerstag, 27. Juni 2019

 Zwei Fußpaare laufen nebeneinander - eines mit Hornhaut an der Ferse. /llhedgehogll, adobe.stock.com

 
Hornhaut an den Füßen ist wichtig. Das Feingefühl geht durch sie nicht verloren. /llhedgehogll, adobe.stock.com

Cambridge – Die Hornhaut an den Füßen ist für den Körper vorteilhafter als gedacht. Forscher um Nicholas Holowka von der Harvard University in Cambridge fanden heraus, dass die verdickte Hautschicht die Füße schützt, ohne dass die Empfindlichkeit der Fußsohlen abnimmt. Das Gehen werde daher durch die Dicke der Hornhaut nicht beeinflusst, schlussfolgern die Forscher in ihrer in Nature veröffentlichten Studie (2019; doi: 10.1038/s41586-019-1345-6).

Sie hatten die Füße von 81 Kenianern und 22 US-Amerikanern untersucht. Manche trugen regelmäßig Schuhe und manche gingen, nach eigener Aussage, immer barfuß. Wie angenommen, hatten die Menschen, die barfuß gehen, eine um etwa 30 % dickere und härtere Hornhautschicht unter den Füßen. Dies wirkte sich allerdings nicht auf die Empfindlichkeit der Fußsohlen aus.

Die Wissenschaftler berührten die Sohlen der Teilnehmer mit einem Vibrationsgerät. Dabei zeigte sich, dass alle den Reiz gleich stark spürten. Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass die Empfindlichkeit der Nervenenden in den Füßen durch die verdickte Hautschicht nicht beeinträchtigt wird.

Nur Schuhsohlen beeinflussen das Gehen

In weiteren Tests untersuchten die Forscher die Auswirkungen von Hornhaut und Schuhsohlen auf das Gehen. Die Teilnehmer liefen dafür über eine Kraftmessplatte oder auf speziellen Laufbändern, die den Druck beim Auftreten messen. Es zeigte sich, dass nur Schuhsohlen, nicht aber die Hornhaut, das Gehen änderten: je stärker der Schuh gepolstert war, desto stärker veränderte sich das Verhältnis der Kräfte, die auf den Fuß wirken. Die genauen Folgen müssten noch erforscht werden.

Hornhaut entsteht, weil Basalzellen tief in der Haut Keratinozyten (Hornbildende Zellen) produzieren. Diese wandern Richtung Hautoberfläche und produzieren dabei die Hornsubstanz Keratin. Am Ende dieser Verhornung sterben sie und lösen sich von der Haut ab.

Die Wissenschaftler nehmen jedoch an, dass die Schuhe Auswirkungen auf den gesamten Körper haben. So würde die Belastung auf Gelenke und das Skelett durch gepolsterte Schuhsohlen dauerhaft verändert. Dies könnte zu Krankheiten führen und dazu, dass Menschen eher stürzen.

Sie empfehlen daher, dass gerade sturzgefährdete, ältere Menschen Schuhe mit dünnen und möglichst starren Sohlen tragen sollten, wie zum Beispiel bestimmte Sandalen.

Kommentator plädiert für möglichst steife Sohlen

In einem Nature-Kommentar schreibt Kristiaan D'Août von der University Liverpool, barfuß laufen habe viele gesundheitlichen Vorteile. Praktisch bedeute dies aber nicht, dass nun alle ihre Schuhe verbannen sollten. „Aber welche Schuhe wir tragen, das ist die drängendere Frage.“ Die Sohlen müssten der Hornhaut nachempfunden und zudem möglichst steif sein. Die Vorteile hätten sich in manchen Bereichen schon durchgesetzt: „Zum Beispiel ermöglichen die hartsohligen Schuhe, die Formel 1-Fahrer tragen, eine höheren Sensibilität bei hohen Vibrationen.“

Die Forscher der Studie weisen darauf hin, dass gepolsterte Schuhsohlen erst mit der industriellen Revolution für die Allgemeinheit erschwinglich wurden und der Körper bis dahin mit der eigenen Hornhaut auf natürliche Weise für einen bequemeren Gang sorgte. Schuhe haben, wie viele Erfindungen, zwar Vorteile wie Schutz und Komfort, aber eben auch Nachteile, schließen die Forscher. © dpa/aerzteblatt.de

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