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Medizin

Mausmodell bestätigt Prionen-Hypothese bei Morbus Parkinson

Freitag, 28. Juni 2019

Lewy Körperchen (kleine rote Kugeln im Zytoplasma der Nervenzellen) sind Ansammlungen von Protein bei Menschen mit Morbus Parkinson oder der Lewy-Körperchen-Demenz. /medistock, stockadobecom
Lewy Körperchen (kleine rote Kugeln im Zytoplasma der Nervenzellen) sind Ansammlungen von Protein bei Menschen mit Morbus Parkinson oder der Lewy-Körperchen-Demenz. /medistock, stockadobecom

Baltimore – US-Forscher haben bei Mäusen durch Injektion von Alpha-Synuclein in die Darmwand ein Parkinson-ähnliches Krankheitsbild ausgelöst. Ihre in Neuron vorgestellten Experimente zeigen, dass die Eiweiße über den Nervus vagus ins Gehirn transportiert werden und dort die Nervenzellen zerstören (2019; doi: 10.1016/j.neuron.2019.05.035). Die Ergebnisse bestätigen eine von dem deutschen Neuropathologen Heiko Braak vor 15 Jahren aufgestellte Hypothese.

Die Ursache des Morbus Parkinson ist nicht bekannt. Nach Ansicht vieler Neuropa­thologen ist Alpha-Synuclein für die Pathogenese von zentraler Bedeutung. Das Protein ist ein wesentlicher Bestandteil der Lewy-Körperchen. Diese zytoplasmatischen Einschlüsse könnten beim Morbus Parkinson (und auch bei der selteneren Demenz vom Lewy-Körperchen-Typ) für den Untergang der Nervenzellen verantwortlich sein.

Braak hatte 2003 beschrieben, dass die Lewy-Körperchen zuerst im Bulbus olfactorius und in einem motorischen Kern des Vagusnerven im Hirnstamm auftreten. Dies führte zu der Hypothese, dass die Erkrankung eine infektiöse Ursache haben könnte. Auslöser wären Prionen, die über die Nase oder über den Darm in das Gehirn gelangen. Braak hatte Alpha-Synuclein in der Darmwand nachgewiesen.

Injiziertes Alpha-Synuclein breitet sich im Gehirn in 4 Stadien aus

Die US-Forscher Ted Dawson und Han Seok Ko von der Johns Hopkins Universität in Baltimore liefern jetzt ein weiteres wichtiges Glied der Beweiskette. Die Forscher injizierten einer größeren Anzahl von gesunden Mäusen 25 Mikrogramm eines rekombinanten Alpha-Synuclein in die Wand von Magen und Duodenum. Nach einem, 3, 7 und 10 Monaten wurden einzelne Tiere getötet und auf Ablagerungen von Alpha-Synuclein hin untersucht.

Die US-Forscher fanden die Proteine ungefähr an den Stellen, an denen Braak sie in menschlichen Gehirnen entdeckt hatte. Auch die Ausbreitung im Gehirn folgte in etwa den von Braak beschriebenen 4 Stadien der Parkinson-Erkrankung. Vom Hirnstamm aus breiteten sich die Proteine zum Locus coeruleus und weiter zur Substantia nigra aus. Später wurden Amygdalae, Hypothalamus und präfrontaler Cortex befallen. Am Ende hatten die pathologischen Einweiße weitere Hirnregionen einschließlich Hippocampus, Striatum und Riechkolben erreicht.

Auch die Vermutung Braaks, dass die Proteine über den Nervus vagus ins Gehirn gelangen, konnten die US-Forscher bestätigen. Die Durchtrennung des großen Eingeweidenervs verhinderte, dass die Mäuse erkrankten. Dies passt zu epidemiologischen Beobachtungen, nach denen Patienten nach einer trunkalen Vagotomie seltener an einem Morbus Parkinson erkranken. Vagotomien wurden früher zur Behandlung von Magengeschwüren durchgeführt, als es noch keine effektiven Säureblocker gab.

Versuche sollen an Affen wiederholt werden

Die Tiere zeigten im Verlauf der Erkrankung viele Symptome einer Parkinson-Erkrankung, darunter auch die kognitiven Defekte, die im Spätstadium der Erkrankung auftreten sowie die gastrointestinalen Beschwerden, die heute zu den Prodromalsymptomen der Erkrankung gezählt werden.

Die Forscher wollen ihre Experimente als nächstes an Affen wiederholen. Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, dürfte dies sicherlich viele Fragen zur Entstehung der Erkrankung aufwerfen. Vagotomien dürften als Behandlung kaum infrage kommen, da die Proteine sich bei Symptombeginn ja bereits im Gehirn ausgebreitet haben. Eine interessante Frage wäre, welche Substanzen oder Noxen im Darm die Bildung der ersten Proteinaggregate auslösen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #770499
Emily Jones
am Samstag, 29. Juni 2019, 08:20

Medixo Centre

Parkinson's disease (PD) is a long-term degenerative disorder of the central nervous system that mainly affects the motor system. ... Early in the disease, the most obvious symptoms are shaking, rigidity, slowness of movement, and difficulty with walking. https://www.medixocentre.com/
LNS

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