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Politik

Jeder sechste gesetzlich Versicherte von depressiven Störungen betroffen

Donnerstag, 27. Juni 2019

/Andrzej Wilusz, stock.adobe.com

Berlin – Zwischen 2009 und 2017 haben ambulant tätige Ärzte und Psychotherapeu­ten in Deutschland deutlich häufiger depressive Störungen diagnostiziert und doku­men­tiert. Die Diagnoseprä­va­lenz in diesem Zeitraum stieg von 12,5 auf 15,7 Prozent. Das entspricht einem Plus von 26 Prozent. 2017 erhielt etwa jeder sechste gesetzliche Krankenversicherte min­destens eine Diagnose einer depressiven Störung.

Die Daten stammen aus einer neuen Untersuchung des Zentralinstituts für die kassen­ärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) im Rahmen des Versorgungsatlas. Grundlage der Studie sind bundesweite vertragsärztliche Abrechnungsdaten für die Jahre 2009 bis 2017 von jährlich mehr als 60 Millionen Versicherten der gesetzlichen Krankenver­sicherung (GKV).

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Der Analyse zufolge hat sich die Diagnoseprävalenz depressiver Störungen in dem untersuchten Zeitraum zwischen Männern und Frauen angenähert. Frauen erhielten zwar in allen Jahren etwa doppelt so häufig eine Depressionsdiagnose wie Männer.

Doch der stärkere Prävalenzzuwachs bei Männern mit plus 40 Prozent verglichen mit plus 20 Prozent bei Frauen schwächte den Unterschied zwischen den Geschlechtern laut den Studienautoren ab. So lag die Diagnoseprävalenz im Jahr 2017 bei Frauen noch etwa 1,9-fach höher als bei Männern, verglichen mit 2,2-fach im Jahr 2009.

Eine Annäherung bei der Diagnoseprävalenz gibt es offenbar auch zwischen alten und neuen Bundesländern: In den neuen Bundesländern ohne Berlin fiel die Zunahme in der Diagnoseprävalenz mit plus 41 Prozent stärker aus als in den alten Bundeslän­dern mit plus 23 Prozent, sodass sich der Ost-West-Unterschied verringerte. Doch auch im Jahr 2017 lag die Diagnosehäufigkeit in den alten Bundesländern laut der Studie noch rund 20 Prozent höher als in den neuen Bundesländern (15,8 Prozent versus 13,0 Prozent).

Laut der Studie haben Ärzte im betrachteten Zeitraum außerdem zunehmend spezifi­scher codiert, insbesondere in der Fachgruppe der Hausärzte. Während 2009 etwa 77 Prozent aller hausärztlichen Depressionsdiagnosen unspezifisch codiert worden sind, waren es im Jahr 2017 nur noch 50 Prozent.

„Die Studie unterstreicht die zunehmende Bedeutung depressiver Störungen in der vertragsärztlichen Versorgung und offenbart eine starke Dynamik in der Entwicklung der Diagnoseprävalenz, die nach Geschlecht, Alter, Region und Schweregrad variiert“, so das Fazit der Wissenschaftler des Versorgungsatlas. Gestern hatten erste Ergebnisse der NAKO-Studie ebenfalls gezeigt, dass psychische Erkrankungen häufiger behandelt werden. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #777209
Karteileiche
am Freitag, 28. Juni 2019, 12:31

Selber Schuld

Ja, was denkt ihr denn? Wer sich in Behandlung begibt, der kann davon nur depressiv werden. Ist immerhin unerträglich.
LNS

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