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Fachgesellschaft warnt vor Unterversorgung von Kindern mit Diabetes

Freitag, 28. Juni 2019

/rkris, stock.adobe.com

Berlin – Die steigende Zahl von Typ-1-Diabetikern in Deutschland erfordert neben ambulanten auch einen Ausbau der stationären Versorgungsstrukturen. Das fordert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG).

Die Neuerkrankungsrate bei Diabetes Typ 1 hat sich in den vergangenen 20 Jahren laut der Fachgesellschaft mehr als verdoppelt. „Wir gehen aufgrund der Entwicklung derzeit davon aus, dass eine weitere Verdoppelung in den kommenden zwei Dekaden stattfinden wird“, sagte Andreas Neu, Vizepräsident der DDG.

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Die jungen Patienten benötigten eine flächendeckende ambulante Versorgung und die Möglichkeit einer altersgerechten stationären Diabetesbetreuung. „Die stationäre Be­handlung ist ein wichtiger Bestandteil der Langzeitbetreuung von Heranwachsenden“, so Neu, Oberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Tübingen.

Denn während des Klinikaufenthalts erhielten sie und ihre Eltern komprimiert Informa­tio­nen über die Insulintherapie, Bewegung, Ernährung und die Prävention von Akut- und Langzeitkomplikationen. Außerdem erlernten sie den Umgang mit der Erkrankung in Schule, Beruf und Freizeit. Insbesondere zum Erkrankungsbeginn, bei Kompli­kati­onen wie Stoffwechselentgleisungen oder bei unerklärlichen Blutzuckerschwankungen habe die stationäre Behandlung einen Schwerpunkt, so Nau.

Wichtig sei zudem, dass der medizinische und technische Fortschritt bei der Therapie den Schulungsbedarf für die Patienten erheblich steigere. Zum Beispiel würden mehr als zwei Drittel aller Kinder und Jugendlichen mit einer Insulinpumpe therapiert. „Um diese Systeme sicher anzuwenden, ist eine umfassende Anleitung notwendig, die eine spezialisierte stationäre Einrichtung mit einer entsprechenden Schulung bieten kann“, erklärte Neu.

Finanzierungsprobleme

Laut DDG ist die Diabetologie im Fallpauschalensystem für die Krankenhausleistun­gen aber nicht hinreichend abgebildet und vergütet. „Immer mehr stationäre Diabetes­abteilungen müssen daher aus Kostengründen schließen“, kritisiert DDG-Präsidentin Monika Kellerer. Zudem habe sich die Zahl an klinischen Lehrstühlen für Diabetologie und Endokrinologie an den deutschen Universitäten deutlich reduziert.

„In Anbetracht der jährlich über 3.000 Neuerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen und der prognostizierten drastischen Zunahme der Diabeteserkrankungen insgesamt auf bis zu zwölf Millionen in den nächsten Jahrzehnten ist dies alarmierend“, warnt die Ärztliche Direktorin des Zentrums für Innere Medizin I am Marienhospital in Stuttgart.

Die DDG fordert daher für die Kinder- und Jugend- sowie die Erwachsenen-Diabeto­logie ein Umdenken in der Gesundheitspolitik: „Diabetes ist keine rein ambulant thera­pierbare Erkrankung. Auch im stationären Bereich müssen klinische Diabetesabtei­lun­gen nicht nur erhalten, sondern in Anbetracht der prognostizierten Diabeteszahlen sogar weiter ausgebaut werden“, mahnte Kellerer. © hil/aerzteblatt.de

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