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Medizin

Auch ältere Patientinnen profitieren von OP bei Blasenschwäche

Montag, 1. Juli 2019

medizinisch genaue Darstellung der Beckenbodenmuskulatur  /Sebastian Kaulitzki adobe.stock.com
Infolge einer Becken­bo­den­insuffizienz (z.B. nach einer Geburt) so­wie der Er­schlaf­fung des Band- und Halte­sys­tems können sich Vagi­na und Ute­rus absenken. /Sebastian Kaulitzki adobe.stock.com

Würzburg/Homburg – Liegt bei älteren Frauen eine behandlungswürdige Senkung am Beckenboden oder eine Blasenschwäche vor, wird ihnen oft von einer Operation ab­geraten. Eine retrospektive monozentrische Studie, die in Geburtshilfe und Frauenheil­kunde publiziert wurde, zeigt jedoch, dass entsprechende Eingriffe auch bei über 70-Jährigen größtenteils erfolgreich sind (2019; DOI: 10.1055/a-0854-5916).

Es gibt verschiedene operative Verfahren, die bei einer behandlungswürdigen Sen­kung am Beckenboden (Deszensus genitalis) oder einer Belastungsinkontinenz durch­geführt werden können. Weil bislang jedoch nicht eindeutig geklärt ist, inwiefern das Alter der Patientinnen den Erfolg des Eingriffs beeinflusst, würden ältere Frauen bis­her weniger oft operiert als jüngere, berichtet der Erstautor Ralf Joukhadar vom Uni­vers­itätsklinikum Würzburg.

Um eine mögliche Korrelation von Patientenalter und OP-Erfolg aufzuzeigen, wertete der Gynäkologe entsprechende Krankenakten der Universität Homburg/Saar aus, wo er bis 2015 als Leiter der Urogynäkologie tätig war.

An der Klinik unterzogen sich zwischen Juli 2012 und Ende Dezember 2014 407 Frau­en einer Operation. 129 von ihnen waren über 70 Jahre alt. Während sich die unter 70-jährigen Patientinnen häufiger mit einer Belastungsinkontinenz vorstellten, lag bei den älteren mehrheitlich eine Senkung der Genitalorgane oder des Beckenbodens vor.

Bei einer Blasenschwäche legten die behandelnden Ärzte unabhängig vom Patienten­alter meistens ein Vaginalband (tension-free vaginal tape, TVT) zur Stabilisierung der Harnröhre ein. Die Erfolgsquote lag bei älteren Frauen bei rund 84 % und bei jüngeren Frauen bei fast 93 %. Netzte mit dem in vielen Ländern bereits verbotenen Tissue-Fixation-System (TFS) kamen nicht zum Einsatz.

Weibliche Inkontinenz & Co: Widerhaken im Beckenboden

Ein Operationsverfahren verwendet mit Ankern armierte künstliche Polypropylenbänder, um schwache Strukturen im Beckenboden zu verstärken. Es ist jedoch in den Vereinigten Staaten und in Australien inzwischen verboten worden. Der Grund sind die teils irreparablen Nebenwirkungen. Ein unlängst erschienener „Ratgeber Inkontinenz und Beckenbodenbeschwerden“ hält auf den ersten Blick patente Lösungen

Deszensus-Operation war bei gut 80 % der geriatrischen Patientinnen erfolgreich

Im Falle eines Deszensus unterschieden sich die OP-Verfahren in den beiden Alters­gruppen. Bei Frauen unter 70 Jahren entschieden sich die Ärzte eher für eine laparos­kopische Sakropexie: Unter Vollnarkose verbinden die Chirurgen mittels Bauchspie­ge­lung den sich senkenden Anteil (Gebärmutter, Scheide, Blase) unter Anwendung ei­nes vaginalen Netzimplantats (alloplastische Netze) mit dem Kreuzbein. Bei älteren Frauen wurde die Korrektur häufiger vaginal durchgeführt.

In manchen Fällen legten die Ärzte ein Netz im Bereich der Scheide ein. Dieser Ein­griff ist durch örtliche Betäubung der Rückenmarksnerven möglich und kann somit älte­ren Patientinnen die Vollnarkose ersparen. Joukhadar gibt die Erfolgsquote der Deszensus-Operation bei Frauen über 70 Jahren mit rund 84 % an. Unter den jünge­ren Patientinnen waren die Eingriffe bei gut 93 % der Frauen erfolgreich. Das Gelin­gen der Operation wurde durch einen Funktionstest am Entlassungstag sowie 3 bis 6 Monate danach beurteilt.

Angesichts der positiven Ergebnisse plädiert Joukhadar dafür, weniger zurückhaltend zu sein als bisher, wenn es darum geht, eine Operation bei älteren Patientinnen durch­zuführen. Sofern es der Allgemeinzustand erlaubt, sollten Patientinnen nicht allein auf­grund eines höheren Alters ausgeschlossen werden.

Stabilität der Beckenbodenmuskulatur lässt im Alter nach

Eine von 8 Frauen erleidet im Verlauf ihres Lebens eine behandlungswürdige Deszen­sus genitalis. Des Weiteren entwickelt jede 7. Frau eine therapiewürdige Blasen­schwäche in Form einer Belastungsinkontinenz. Letzteres bezeichnet den Urinverlust bei Druckerhöhung im Bauchraum, etwa beim Husten oder Heben schwerer Lasten. Der Schließmuskelapparat der Betroffenen ist geschwächt.

Prinzipiell können beide Krankheitsbilder unabhängig voneinander auftreten. Eine Senkung kann eine Harninkontinenz jedoch begünstigen oder verstärken. Das Risiko für eine Belastungsinkontinenz und/oder einen Deszensus nimmt mit dem Alter zu, weil die Stabilität der Beckenbodenmuskulatur nachlässt.

Das mindert die Lebensqualität der Betroffenen erheblich und kann weitreichende Fol­gen haben. „In Deutschland stellt die Harninkontinenz nach der Immobilität die zweit­wichtigste Ursache für eine häusliche Krankenpflege dar; bis zu 50 % der Einweisun­gen in Altenheime sind direkt oder indirekt durch Inkontinenz verursacht“, sagte Joukhadar. © gie/aerzteblatt.de

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