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Medizin

RS-Virus der häufigste Auslöser schwerer Pneumonien bei Kindern

Dienstag, 2. Juli 2019

Verchiedene Viren, u.a. Influenza und RSV/ Kateryna_Kon AdobeStock_232651998
Pneumoviren (Familie Paramy­xoviridae) der Gat­tung Respirato­ry Syn­cyti­al Virus gehören­den zu den großen RNA-Viren mit Glykoprote­in­hül­le oh­ne feste Form. / Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Baltimore – In Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen sind 10 Erreger für die meisten Pneumonien bei Kindern unter 6 Jahren verantwortlich. Dies kam in einer Fall-Kontrollstudie der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(19)30721-4) heraus. Der häufigste Erreger war das respiratorische Syncytial-Virus (RS-Virus).

Weltweit ist jeder 8. Todesfall von Kindern in den ersten 5 Lebensjahren auf Pneumonien zurückzuführen. Die Gesamtzahl der Todesfälle ist zwar seit 1990 von 1,7 Millionen auf 0,9 Millionen gesunken. Der Rückgang der Todesfälle dürfte vor allem auf die verbesserte ökonomische Lage der Bevölkerung und der damit verbundenen medizinischen Versorgung zurückzuführen sein. Aber auch die Impfungen gegen Pneumokokken und Haemophilus influenzae, die die GAVI-Alliance weltweit in 73 Ländern fördert, könnten einen Beitrag geleistet haben.

Die WHO hat in 7 Ländern mit einer hohen Impfquote prüfen lassen, welche Erreger derzeit für die meisten schweren Pneumonien verantwortlich sind. Dazu wurde eine Erregerdiagnostik bei 1.769 Kindern durchgeführt, die in Bangladesch, Gambia, Kenia, Mali, Südafrika, Thailand und Sambia wegen einer Pneumonie hospitalisiert wurden. Kinder mit HIV-Infektionen wurden ausgeschlossen. Die Kontrollgruppe bildete die 3-fache Anzahl von gesunden Kleinkindern aus den gleichen Bevölkerungsgruppen. Neben Mund- und Nasenabstrichen wurden bei Bedarf auch Sputum, Urin, Blut, Pleuraflüssigkeit und Magenaspirate untersucht.

Viren verursachen mehr als die Hälfte aller schweren Pneumonien bei Kindern

Katherine O’Brien von der Bloomberg School of Public Health in Baltimore und Mitarbeiter kommen zu dem Ergebnis, dass Viren für etwa 61,4 % (95-%-Konfidenzintervall 57,3 bis 65,6 %) der schweren Pneumonien verantwortlich sind. Der Anteil der Bakterien betrug 27,3 % (23,3-31,6 %). Diese Verteilung war erwartet worden. Viren sind auch in den weiter entwickelten Ländern die häufigste Ursache von unteren Atemwegsinfektionen. Der häufige Einsatz von Antibiotika geht deshalb oft am Ziel vorbei.

Erstaunlich hoch war in den 7 Ländern der Anteil von Mycobacterium tuberculosis. Auf den Tuberkulose-Erreger entfielen 5,9 % (3,9-8,3 %) der schweren Pneumonien.

Auch bei den schweren Verlaufsformen der Lungenentzündungen waren Viren mit 54,5 % (47,4-61,5 %) etwas häufiger als Bakterien, deren Anteil in dieser Gruppe 33,7 % (27,2-40 %) betrug. In Blutkulturen, die nur bei Verdacht auf eine Sepsis entnommen werden, wurden in jedem dritten Fall Streptokokken nachgewiesen.

RS-Virus wichtigster Kandidat für neue Impfstoffe

Unter den einzelnen Erregern war das RS-Virus mit einem Anteil von 31,1 % (28,4-34,2 %) der häufigste Erreger und damit der wichtigste Kandidat für neue Impfstoffe. Es folgten Rhinoviren, Metapneumovirus A oder B, Parainfluenzavirus, S. pneumoniae, M. tuberculosis und H. influenzae mit einem Anteil von jeweils über 5 %. Insgesamt 10 Erreger waren für 79 % der Pneumonien verantwortlich. © rme/aerzteblatt.de

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