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Wiederaufnahme der Behandlung von Lambert war nicht rechtens

Montag, 1. Juli 2019

/dpa

Paris – Der Weg zum Ende der künstlichen Ernährung für den bekanntesten Wachko­ma­patienten Frankreichs ist frei: Darauf läuft ein Urteil des Pariser Kassationshofs zum Fall des 42-jährigen Vincent Lambert hinaus, der seit mehr als zehn Jahren in einer Art Wachkoma liegt. Die Entscheidung vom vergangenene Freitag ist eine Nie­derlage für die Eltern, die für das Leben ihres Sohnes durch alle Instanzen gegangen waren.

Die Mediziner der Universitätsklinik Reims hatten die künstliche Ernährung für den früheren Krankenpfleger Lambert bereits vor gut einem Monat beendet, das Pariser Berufungsgericht ordnete aber überraschend ihre Wiederaufnahme an. Der Kassa­tions­hof als oberste französische Instanz annullierte nun dieses Urteil. Damit könnten die Ärzte die lebenserhaltenden Maßnahmen für den 42-Jährigen „sofort“ beenden, teilte der Anwalt von Lamberts Ehefrau Rachel mit.

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Laut Kassationshof war das Berufungsgericht in dem Fall nicht zuständig. Rechts­­mittel sind nicht möglich. Der Anwalt von Lamberts Ehefrau sprach von einem Schlusspunkt in dem jahrelangen Rechtsstreit. Die Eltern drohten den Ärzten umgehend mit einer Klage wegen „vorsätzlicher Tötung“, sollten sie die künstliche Ernährung beenden, wie die Anwälte des Paares mitteilten.

Die Mediziner berufen sich auf ein französisches Gesetz von 2016, wonach die Be­hand­lung beendet werden kann, wenn sie „unnütz und unverhältnismäßig erscheint oder nur dazu dient, das Leben künstlich zu erhalten“. Sie hatten in verschiedenen Instanzen Recht bekommen. Zuletzt urteilte auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in ihrem Sinne.

Vincent Lambert hatte bei einem Autounfall 2008 schwerste Hirnschäden erlitten und ist seitdem nicht mehr bei Bewusstsein. Laut einem Gutachten wird sich sein Zustand nicht mehr verbessern. Ohne künstliche Ernährung dürfte er nach Angaben von Medi­zinern nur noch wenige Tage leben.

Der Fall spaltet die Familie Lambert: Während die streng katholischen Eltern das Le­ben ihres Sohnes um jeden Preis erhalten wollen, sind Lamberts Frau und sechs Brü­der und Schwestern für ein Ende der Maßnahmen. Sie berufen sich darauf, dass er sich stets gegen eine künstliche Verlängerung seines Lebens ausgesprochen habe. © afp/kna/aerzteblatt.de

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