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Medizin

HIV vollständig aus Genom lebender Mäuse entfernt

Dienstag, 2. Juli 2019

/dpa

New York – US-Forscher haben erstmals replikationskompetente HIV-1-DNA aus dem Genom lebender Tiere entfernt. Gelungen sei dies mit einer Kombination moderner Medikamente und der Genschere CRISPR/Cas9, wie sie in Nature Communications (DOI: 10.1038/s41467-019-10366-y) berichten.

Bei 5 von 13 behandelten Mäusen war das Virus demnach bis zu 5 Wochen nach der Behandlung nicht mehr nachweisbar. Mit der Therapie wurden somit auch jene Viren erreicht, die inaktiv im Genom der Körperzellen ruhen – die bisher beim Menschen eingesetzten Mittel schaffen das nicht.

Die antiretrovirale Therapie (ART) kann die Erregerlast bei Patienten zwar unter die Nachweisgrenze senken, eliminiert das Virus im Körper aber nicht vollständig. Es bleiben Virus-Reservoirs in verschiedenen Organen, etwa im Darm oder im Gehirn. Setzen Patienten ihre Arzneien ab, breitet sich das Virus wieder aus.

Die Forscher um Kamel Khalili von der Temple University in Pennsylvania und Howard Gendelman von der University of Nebraska kombinierten zwei Ansätze, um genau diese Viren-Reservoire anzugreifen.

Zum einen erhielten die Mäuse ein Mittel eine spezielle Form der ART (Long-Acting Slow-Effective Release [LASER]-ART), die die Aktivität der HI-Viren für mehrere Tage vermindert. Zum anderen entfernten sie die Forscher mithilfe der Genschere CRISPR­/Cas9 die Viren-DNA aus der DNA der befallenen Zellen.

Bei wiederholter Behandlung sank das Viruslevel bei etwa einem Drittel der Tiere auf ein nicht mehr nachweisbares Niveau. Bei Mäusen, die jeweils mit nur einer der Me­tho­den behandelt wurden, blieb das Virus hingegen weiter vorhanden.

Zum „Heilmittel“ ist es noch ein weiter Weg

Die Ergebnisse der Kombinationstherapie seien vielversprechend, es brauche aller­dings noch weitere Forschung, betonten die Forscher. „Wir haben jetzt einen klaren Pfad zu Versuchen an Affen und möglicherweise klinischen Studien bei Menschen binnen eines Jahres“, so Khalili in einer Mitteilung der Temple University.

Zum Potenzial der Methode als „Heilmittel“ beim Menschen befragt, betonte Ruth Brack-Werner, Virologin am Helmholtz-Zentrum in München, dass es sich um eine „sehr wichtige Studie“ handle, mahnte aber auch zur Geduld: „Es ist ein Schritt, aber wir sind noch lange nicht da.“

Die Zahl der untersuchten Mäuse sei sehr gering. Zunächst müsse die Effizienz des Ansatzes verbessert werden, anschließend seien Tests an weiteren Tierarten nötig. „Indirekt ist es ein Hoffnungsschimmer, direkt anwendbar am Menschen ist es aber noch nicht, da muss noch viel Entwicklungsarbeit geleistet werden“, lautet ihr Fazit. © nec/aerzteblatt.de

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