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Bundesländer setzen sich für Erhalt der DMP-Programmkosten­pauschale ein

Dienstag, 2. Juli 2019

/Robert Kneschke, stockadobecom

Hamburg/Berlin – Mit dem Faire-Kassenwahl-Gesetz will Bundesgesundheitsmnister Jens Spahn (CDU) die Programmkostenpauschale für die Disease-Management-Programme (DMP) streichen. Die Ärzte hatten sich bereits dagegen gesträubt. Jetzt untermauern auch die Bundesländer, dass sie das Vorhaben für falsch halten.

In einem Schreiben, das der Erste Bürgermeister der Stadt Hamburg, Peter Tschent­scher, in Namen aller Regierungschefs verfasst hat, weisen die Länder darauf hin, dass durch vorgesehene Streichung das Risiko von Qualitätsein­bußen bei der Ver­sorgung chronisch kranker Patienten entstehen kann.

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„Als Folge der Streichung entfiele für die Kassen ein Anreiz, die mit viel Auf­wand im­plementierten Programme, die für die Patienten ein umfassendes Managementsys­tem für die jeweilige Erkrankung gewährleistet haben, aufrecht zu erhalten“, heißt es in dem Brief. Im Falle der Streichung der Programmkostenpauschale müsse daher an­der­weitig sichergestellt werden, dass die hohe Qualität bei der Versor­gung der Be­troffenen erhalten bleibe.

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) nahm den Brief heute zum Anlass, das Ministerium erneut aufzufordern, von der Streichung der Pauschale Abstand zu nehmen. „Ohne eine adäquate Gegenfinanzierung werden die DMPs nicht weiter­bestehen, was für mehrere Millionen chronisch kranke Menschen erhebliche negative gesundheitliche Konsequenzen bedeuten wird“, sagte SpiFa-Chef Dirk Heinrich.

Er wies darauf hin, dass etwa in der Diabetologie mehr als vier Millionen chronisch kranke Menschen mit Diabetes mellitus im DMP versorgt würden. Das wiederum ver­hindere frühe Amputationen oder eine Dialysepflichtigkeit. Gleichzeitig sei fest­zu­halten, dass inzwischen von den Krankenkassen evaluierte Daten für die meisten DMP vorlägen, die zeigten, „dass über die DMPs die Morbidität sinkt und gleichzeitig Kosten eingespart werden“.

Beispielsweise trage eine regelmäßige Wiedervorstellung der Betroffenen dazu bei, dass gesundheitliche Verschlechterungen frühzeitig erkannt und behandelt würden. Dem­entsprechend seien die Ergebnisse bei DMP-Patienten deutlich besser als bei nicht DMP-Teilnehmern. „Bei den DMPs kürzen zu wollen, ist aus unserer Sicht falsch“, so Heinrich. © may/aerzteblatt.de

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Avatar #88767
fjmvw
am Donnerstag, 4. Juli 2019, 12:25

„Die Länder“ = „Die Verwaltungen“ = „Die AOKen“ – so wird ein Schuh draus

Die Behauptung, dass DMP eine höhere Qualität bringen bzw. im Umkehrschluss ohne DMP die Qualität sinken würde, ist eine starke. Wo ist der Beweis? Es gibt Kassen, die bieten bestimmte DMP nicht an. Und es gibt Ärzte, die lehnen die Teilnahme an DMP ab, während der Kollege nebendran mitmacht. Wie kann in einem System, in dem alle den gleichen Anspruch haben (wirtschaftlich, ausreichend, notwendig, zweckmäßig), ein systematisch unterschiedliches Qualitätsniveau auftreten oder gar auf Dauer hingenommen werden? Alle haben denselben Anspruch, alle zahlen denselben Beitrag.

Nüchtern betrachtet haben DMP (fast) nichts mit der Qualität einer Behandlung, aber (fast) alles mit Geld zu tun.
Ich beginne die Betrachtung „von hinten“. Kassen bekommen für bestimmte Diagnosen Geld aus dem RSA. Je mehr Patienten entsprechende Erkrankungen haben, desto höher die Zuweisungen aus dem RSA. Also haben Kassen ein hohes Interesse daran, möglichst viele entsprechende Diagnosen zu haben. Je mehr Diagnosen, desto höher die Zuweisung.

Wie bekommt eine Kasse solche Diagnosen? Indem man den Ärzten, die als einzige über ihre Diagnosen den Schlüssel zum RSA in Händen halten, eine Prämie für das Aufschreiben dieser Diagnosen zahlt. Nun muss nur noch ein Deckmantel für diese Art von Bestechung gefunden werden, der bestmöglich verschleiert, dass es sich um eine Bestechung handelt. Zudem sollte diese Diagnose möglichst jedes Quartal aufgeführt sein. Genau diesen Zweck erfüllt ein DMP. Nicht mehr und nicht weniger. (Das von einigen Kassen intensiv betriebene Up-Coding, welches andere Kassen laut beklagt haben, hatte exakt denselben Zweck. Sich hinzustellen und zu behaupten, dass Kassen so etwas nicht machen würden, zeugt nur von Chuzpe bzw. Dreistigkeit.)

AOKen, die der Länderaufsicht unterliegen, haben frühzeitig investiert, um möglichst viele DMP zu schaffen. Immer mit dem Ziel pro Euro aus dem RSA möglichst nur im Promillebereich an den Arzt zu zahlen, der beim DMP mitmacht. Wie man unschwer erkennen kann, es ist den AOKen ganz gut gelungen. Denn sie haben den größten Benefit von den DMP bzw. den RSA-Zuweisungen. Sie investieren im Promillebereich und sie kassieren dafür gigantische Summen.

Nun kommen die Länder ins Spiel. Die Aufsicht über eine AOK führt ein Landesministerium. Würde eine AOK nicht mehr regional sondern bundesweit agieren, müsste die Aufsicht vom Land an den Bund übergehen. Für die Landesministerien bedeutete dies, dass das gesamte Personal, das im Ministerium bisher für die Aufsicht der AOK zuständig war, künftig ihren Job los wäre. Wenn ein Mitarbeiter eines Landesministeriums vermeiden will, dass sein Job als Kontrolleur der AOK abgeschafft wird, dann muss er darum kämpfen, dass die AOKen nicht bundesweit tätig werden dürfen. Genau das beobachten wir derzeit.

An der Spitze der Verwaltungen sitzt ein Minister, über ihm kommt noch der Ministerpräsident oder Erster Bürgermeister. Keiner von denen will, dass sein Verwaltungsapparat kleiner wird. Denn je kleiner ein Verwaltungsapparat, desto geringer die Bedeutung des Chefs dieser Verwaltung. Und was bei den AOKen beginnt, könnte sich ja auch über Schulen und andere Einrichtungen ausweiten. Daher: Wehret den Anfängen. Übrigens, je kleiner die Verwaltung, desto niedriger das Salär des Chefs dieser Verwaltung.

Genau so ist zu lesen, was in diesem Artikel beschrieben wird. Hier geht es mitnichten um die Behandlungsqualität.

Um die Behandlungsqualität geht es übrigens auch dem Chef des SpiFa, Dr. Dirk Heinrich, nicht. Ihm geht es darum, dass die Ärzte, die beim DMP mitmachen, mehr Geld bekommen als diejenigen, die nicht mitmachen. Würde in der Regelversorgung, also ohne DMP, angemessen honoriert werden, man hätte sicherlich von Heinrich kein Sterbenswörtchen gehört. Ich kenne keine Untersuchung die beweist, dass nur das Vorhandensein des DMP Diabetes dazu führt, dass Patienten frühzeitig zu einem insulinpflichtigen Diabetiker „gemacht“ worden sind. Aber gehört habe ich schon davon, dass das DMP Diabetes genau diese Nebenwirkung hat.
Avatar #638003
Nora S.
am Mittwoch, 3. Juli 2019, 05:55

DMP-Vergütung....

Nennen wir das Kind beim Namen....bessere Vergütung meiner identischen!!! Leistungen bei DMP-Patienten . Sollte der finanzielle Ausgleich bestehen, würde DMP nicht exsistieren müssen, weil routinemäßige Kontrolle der chron. kranken Patienten meine ärztl. Verpflichtung IST.
LNS

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