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Medizin

Einkammerherz: Fontan-Operation hat langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit

Freitag, 5. Juli 2019

 anatomische Darstellung des Herzens /yodiyim, stockadobecom
Die Fontan-Operation ist bei Herzfehlern indiziert, bei denen ei­ne Trennung von systemischer und pulmona­ler Zirkulati­on auf der Ebene der Ventrikel nicht mög­lich ist. /yodiyim, stockadobecom

Philadelphia – Dank der von Francis Fontan in den 1960er-Jahren eingeführten Operation haben Kinder, die mit einer einzigen Herzkammer geboren werden, beste Chancen, das Erwachsenenalter zu erreichen. Der Fontan-Kreislauf macht jedoch eine lebenslange medizinische Betreuung erforderlich, wie eine wissenschaftliche Stellungnahme der American Heart Association in Circulation (2019; doi: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.119.13120) zeigt.

Die Fontan-Operation, die ursprünglich für Patienten mit Trikuspidalatresie konzipiert war, wird heute bei einer Vielzahl von angeborenen Herzfehlern durchgeführt, bei denen das Herz zu schwach ist, um den Lungen- und Körperkreislauf ausreichend mit Blut zu versorgen.

Weltweit sollen 50.000 bis 80.000 Menschen mit einem Fontan-Kreislauf leben. Es wird erwartet, dass sich die Zahl in den nächsten 20 Jahren verdoppelt. Aufgrund der technischen Fortschritte, einer gezielten Patientenauswahl und der verbesserten perioperativen Behandlung hat sich die Prognose verbessert. Die American Heart Association schätzt, dass mehr als 80 % der heute operierten Patienten eine Überlebenserwartung von 30 oder mehr Jahren haben.

Nach der Fontan-Operation wird das Blut direkt von den Hohlvenen in den Lungenkreislauf geleitet. Die gesamte Herzleistung steht damit für den Körperkreislauf zur Verfügung. Die Fontan-Operation vermeidet außerdem (weitgehend), dass venöses und damit sauerstoffarmes Blut aus dem gemeinsamen Ventrikel in den Körperkreislauf gelangt. Dadurch wird die Sauerstoffversorgung im Körper insgesamt verbessert.

/youtube, Cincinnati Children's

Unvermeidbare Komplikationen

Der Verzicht auf die rechte Herzkammer hat zur Folge, dass der Druck im venösen System steigt, was sich auf die Funktion verschiedener Organe auswirkt. Zu den unvermeidbaren Komplikationen des Fontan-Kreislaufs gehören nicht nur Störungen der Herzfunktion mit Herzinsuffizienz, ventrikulärer Dysfunktion, atrioventrikulärer Klappeninsuffizienz und Arrhythmien. Probleme bereiten auch eine Proteinverlust-Enteropathie, eine Bronchitis plastica sowie Funktionsstörungen von Leber und Nieren. Auch kognitive, neuropsychologische und Verhaltensstörungen sind weit verbreitet.

Ein Expertenteam um Jack Rychik vom Children's Hospital of Philadelphia, das die Stellungnahme für die American Heart Association erarbeitet hat, sieht vor allem bei den Organstörungen von Nieren, Leber und Gehirn Forschungsbedarf, betrachtet die Situation der Patienten jedoch insgesamt positiv.

Die Patienten würden heute zwar noch keine normale Lebenserwartung erreichen, sie könnten aber über viele Jahre ihre Lebensqualität bewahren. Zu den Voraussetzungen gehöre neben einer gesunden Lebensführung eine engmaschige medizinische Betreuung. Optimal versorgte Patienten sind laut Rychik sogar zu sportlichen Aktivitäten in der Lage. © rme/aerzteblatt.de

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