NewsAuslandMehr als 1.000 Ärzte protestieren in England gegen den Klimawandel
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Mehr als 1.000 Ärzte protestieren in England gegen den Klimawandel

Dienstag, 2. Juli 2019

/picture alliance, ZUMA Press (Archivbild)

London –  Viele Ärzte in England fordern von der Politik mehr Engagement gegen den Klimawandel. Das berichtet die britische Tages­zei­tung The Guardian. „Wir sind sehr beunruhigt über die Auswirkungen steigender Temperaturen auf die Gesundheit von Menschen und beachten Vorhersagen über den gesellschaftlichen Zusammenbruch und die daraus resultierende Massenmigration aus den betroffenen Ländern“, schrei­ben sie in einem öffentlichen Brief.

Aufgesetzt und abgestimmt hat diesen Brief Bing Jones, ein pensionierter Hämatologe aus Sheffield. Die Ärzte im Vereinigten Königreich sind ihm zufolge sehr besorgt über die steigende Erderwärmung und deren Auswirkungen. Die protestierenden Ärzte un­terstützen die Schulstreikbewegung „Fridays for Future“ ausdrücklich, die von Greta Thunberg ins Leben gerufen wurde und im kommenden Herbst einen allgemeinen Kli­ma­streik fordert.

Anzeige

„Die Regierungen entziehen sich ihrer Verantwortung, wenn sie eine unzureichende Politik verfolgen, die den Zusammenbruch der Umwelt in Kauf nimmt. Gewaltfreies direktes Handeln wird dann zur vernünftigen Wahl für verantwortliche Personen“, heißt es in dem Brief.

Mehrere Ärzte, die den Brief unterschrieben haben, verglichen die Umweltkrise mit einem kranken Patienten. Aarti Bansal, ein Hausarzt aus Sheffield, sagte laut dem Guardian: „Der Planet hat Fieber, nicht anders als wir, seine Systeme brechen zu­sammen. Wir haben ein Jahrzehnt Zeit, um zu verhindern, dass dieses Fieber außer Kontrolle gerät, und wir schulden es unseren Kindern und unserem ganzen Leben, so zu handeln, wie wir es in jedem Notfall tun“.

„Höflichkeit macht keinen Sinn mehr und Untätigkeit ist jetzt fahrlässig. Kinder erheben sich, um ihre Zukunft zu sichern. Wir müssen jetzt direkt mit ihnen handeln“, sagte Jones.

Vor wenigen Wochen hatte das „UK Health Alliance on Climate Change“ die Regie­rung in London aufgefordert, die Emissionen von Treibhausgas noch vor dem Jahr 2050 auf Null zu senken. Zu der Allianz gehören unter anderem das Royal Collage of Physicians, das British Medical Journal und die Fachzeitschrift The Lancet.

Linda Luxon, Chair der Allianz, betont in einem Offenen Brief an die Premierministerin, das Bündnis stehe für mehr als 650.000 Ärzte und andere Fachkräfte im Gesundheits­wesen im Vereinigten Königreich. Rund 79 Prozent davon verträten die Auffassung, Großbritannien sollte seine Treibhausgase in den kommenden Jahrzehnten möglichst rasch auf Null senken.

Verlust der Wirtschaftskraft

Unterdessen hat die Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) der UNO davor ge­warnt, dass der Klimawandel bis 2030 weltweit zu Produktivitätsverlusten in der Wirt­schaft führen könnte. Die Verluste entsprächen rund 80 Millionen Vollzeitarbeitsplät­zen, heißt es in einem Bericht der ILO. In den nächsten zehn Jahren werde die Zahl der Gesamtarbeitsstunden demnach weltweit um 2,2 Prozent abnehmen. Am stärks­ten betroffen sind die Landwirtschaft und das Baugewerbe.

Die Autoren betonten, es handele sich dabei um eine „konservative Schätzung“. Sie beruhe auf der Annahme, dass die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad Celsius begrenzt wird.

In den besonders heißen Regionen Westafrika und Südasien werden die Konsequen­zen laut Report noch drastischer ausfallen. Die Menschen in den ärmsten Regionen der Welt wür­den am stärksten unter der Entwicklung leiden und die größten wirt­schaftli­chen Ver­luste erleben, heißt es in dem Bericht. Der Klimawandel verstärke folglich die bereits bestehende wirtschaftliche Ungleichheit. © hil/afp/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

7. Oktober 2020
Brüssel – Das Europaparlament hat das EU-Klimaziel bis 2030 verschärft. Ziel müsse es sein, bis 2030 den Ausstoß von Treibhausgasen um 60 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu senken, entschieden die
EU-Parlament will schärferes Klimaziel bis 2030
7. Oktober 2020
London – Trotz steigender Infektionszahlen hat der britische Premierminister Boris Johnson seinen Umgang mit der Coronapandemie verteidigt. „Diese Regierung arbeitet Tag und Nacht daran, dieses Virus
Johnson verteidigt Coronapolitik und kündigt grüne Investitionen an
5. Oktober 2020
London – Die Kosten des Klimawandels könnten einer aktuellen Prognose zufolge in den kommenden Jahrzehnten eine Billionensumme betragen. Im Jahr 2070 könnten sie weltweit bereits 5,4 Billionen
Kosten des Klimawandels könnten in die Billionen gehen
1. Oktober 2020
Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat alle Bürger zur Beteiligung an der Weiterentwicklung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie aufgerufen. Die Onlinekonsultation dazu wurde heute
Merkel ruft zur Beteiligung am Dialog über Nachhaltigkeitsstrategie auf
30. September 2020
Berlin – Gleich mehrere Beschlüsse zur Bewältigung der Auswirkungen der anhaltenden Coronapandemie haben heute die Ge­sund­heits­mi­nis­ter der Länder unter Vorsitz von Berlins Senatorin Dilek Kalayci
Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz plädiert für Kriterien bei SARS-CoV-2-Praxen
28. September 2020
Berlin – 90 Gebiete in Deutschland haben nach Erkenntnissen der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüllendlager. Der Salzstock Gorleben in
90 Gebiete als geologisch geeignet für Atomendlager benannt
28. September 2020
Wiesbaden/Frankfurt am Main – Autofahrern in Frankfurt droht im nächsten Jahr ein Dieselfahrverbot. Das geht aus dem Entwurf des Luftreinhalteplans für Hessens größte Stadt hervor, den
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER