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Medizin

Antiepileptika in der Schwangerschaft mit verzögerter Sprachentwicklung beim Kind assoziiert

Dienstag, 2. Juli 2019

/Syda Productions, stockadobecom

Oslo – Die Einnahme von Epilepsiemedikamenten in der Schwangerschaft ist mit einem erhöhten Risiko für spätere Sprachstörungen beim Kind verbunden – und dies gilt nicht nur für Valproat, sondern auch für das als unbedenklicher geltende Carbama­zepin. Nimmt die Schwangere allerdings Folsäure ein, könnte dies das Risiko für Sprachstö­run­gen beim Kind senken. Zu diesen Ergebnissen kommt eine auf einer norwegischen Mutter-Kind-Kohorte basierende Studie, die heute beim 5th European Academy of Neurology Congress in Oslo präsentiert wurde.

Die beiden untersuchten Antiepileptika waren Valproat – welches aufgrund seiner Risiken für das ungeborene Kind nur dann bei Schwangeren eingesetzt werden soll, wenn es keine Alternative gibt – und Carbamazepin, von dem man bislang annahm, dass es eine sicherere Option für schwangere Epilepsiepatientinnen ist.

Erstautorin Elisabeth Synnøve Nilsen Husebye von der Universität Bergen zufolge hat es bislang keine Berichte über den ermittelten Zusammenhang gegeben. „Wir haben in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass Sprachstörungen und autistische Merkmale im Alter von 1,5 und von 3 Jahren mit dem maternalen Antiepileptika- sowie Folsäure­status assoziiert sind. Und vergleichbare Resultate wurden hinsichtlich Exposition ge­genüber Valproat und sprachlichen Beeinträchtigungen berichtet, doch die Daten zu Carbamazepinund Sprachstörungen waren widersprüchlich.“

Die Studienpopulation bestand aus 346 in utero gegenüber Antiepileptika exponierten Kindern, 388 Kindern, deren Mütter zwar an Epilepsie litten, die aber in utero nicht mit Antiepileptika in Kontakt kamen, und 113.674 Kindern, deren Mütter nicht an Epilepsie erkrankt waren. Als die Kinder zwischen 5 und 8 Jahre alt waren, füllten die Mütter va­li­dierte Fragebögen zu den sprachlichen Fähigkeiten ihrer Sprösslinge aus. Die Anti­epileptikakonzentrationen wurden in den Schwangerschaftswochen 17-19 im Blut der Mutter und unmittelbar nach der Geburt in der Nabelschnur gemessen.

Risiko für Sprachstörungen bei Achtjährigen verdoppelt

Es stellte sich heraus, dass die Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft Antiepi­lep­ti­ka eingenommen hatten, ein erhöhtes Risiko für sprachliche Beeinträchtigungen im Alter von 5 bis 8 Jahren aufwiesen. Die adjustierte Odds Ratio für eine verzögerte Sprachentwicklung betrug bei den in utero gegenüber Antiepileptika exponierten Kindern nach 5 Jahren 1,6 (95-%-KI 1,1-2,5: p=0,03) und nach 8 Jahren 2.0 (95-%-KI 1,4-3,0; p<0,001) – im Vergleich zu Kindern, deren Mütter nicht an Epilepsie erkrankt waren.

Stratifiziert nach Wirkstoffgruppe ergab sich für Kinder, die gegenüber einer Carbama­zepin-Monotherapie exponiert waren, im Alter von acht Jahren ein signifikant erhöhtes Risiko für Sprachstörungen im Vergleich zu Kindern der Kontrollgruppe. Höhere Plasmakonzentrationen an Valproat korrelierten mit der sprachlichen Verzögerung im Alter von fünf Jahren.

Kinder, deren Mütter im Zeitraum um die Empfängnis herum ein Folsäurepräparat ein­genommen hatten, hatten in beiden Altersstufen ein geringeres Risiko für eine antiepi­leptikavermittelte Verzögerung der sprachlichen Entwicklung.

Husebye warnte, dass es an Daten zu neuen Antiepileptika wie Levetiracetam, Lamo­tri­gin und Topimarat und ihren Langzeiteffekten auf die Sprachentwicklung mangele. Außerdem „haben nur wenige Studien den Zusammenhang zwischen Antiepilepti­ka­konzentration und Folsäurestatus in der Schwangerschaft und den sprachlichen Fähigkeiten von älteren Kindern untersucht“, ergänzte sie. © nec/aerzteblatt.de

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