NewsMedizinProbiotikum verbessert Stoffwechsel bei Metabolischem Syndrom
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Probiotikum verbessert Stoffwechsel bei Metabolischem Syndrom

Mittwoch, 3. Juli 2019

Mikrobium im Darm/Anatomy Insider, AdobeStock.com
/Anatomy Insider, AdobeStock.com

Löwen – Eine dreimonatige Behandlung mit pasteurisierten Akkermansia muciniphila hat in einer randomisierten Pilotstudie den Stoffwechsel von Patienten mit Metabolischem Syndrom verbessert und das Körpergewicht ohne zusätzliche Diät gesenkt. Lebende Kulturen des Darmbakteriums hatten laut der Studie in Nature Medicine (2019; doi: 10.1038/s41591-019-0495-2) keine Wirkung.

Das erst Anfang der 2000er Jahre entdeckte Bakterium A. muciniphila, hat einen Anteil von 3 bis 5 % an der Darmflora. Es lebt, wie der Name schon andeutet, in der Muzin­schicht oberhalb des Epithels. Dort könnte es die Resorption der Nahrungsmittel beeinflussen, möglicherweise aber auch das Eindringen von Bakterien verhindern. Der Einfluss auf die Resorption könnte erklären, warum die orale Gabe von A. muciniphila in früheren Studien bei Mäusen die Entwicklung einer Adipositas und eines Typ 2-Diabetes verhindern konnte. Die Abwehr von Bakterien könnte das Immunsystem entlasten, was in den tierexperimentellen Studien zu einem Rückgang der Entzündungsparameter geführt hat.

Anzeige

Hinweise auf eine mögliche protektive Wirkung wurden auch in einer Diätstudie an übergewichtigen/adipösen Patienten gefunden. Dort fiel auf, dass Teilnehmer mit einem höheren Anteil von A. muciniphila in der Darmflora weniger kardio-metabolische Risikofaktoren aufwiesen. Bei diesen Teilnehmern hatte die Restriktionsdiät günstigere Auswirkungen auf Glukose- und Fettstoffwechsel sowie die Körperzusammensetzung als bei Teilnehmern mit einem geringen Anteil von A. muciniphila in der Darmflora.

/youtube, Université catholique de Louvain

In der aktuellen Studie haben Forscher der Katholischen Universität Löwen in Belgien die therapeutische Wirkung einer oralen Gabe von A. muciniphila untersucht. An der Studie nahmen 40 übergewichtige/adipöse Patienten mit Insulinresistenz teil, die mindestens 3 der 5 Kriterien eines Metabolischen Syndroms (Hypertonie, Hypertriglyzeridämie, niedriges HDL-Cholesterin, viszerale Adipositas, Hyperglykämie) erfüllten.

Pasteurisierte Bakterien verbesserten Insulinsensitivität um fast ein Drittel

In der randomisierten Doppelblindstudie wurden die Teilnehmer entweder mit lebenden A. muciniphila, abgetöteten (pasteurisierten) A. muciniphila oder mit Placebo behandelt. Die Teilnehmer wurden gebeten, ihre Ernährungsgewohnheiten oder ihre körperliche Aktivität nicht zu ändern. Die Bakterien oder Placebos wurden als Nahrungsergänzungsmittel bereitgestellt, das die Teilnehmer täglich einnehmen sollten.

Wie das Team um Patrice Cani von der Katholischen Universität Löwen jetzt berichtet, kam es in der Gruppe, die die pasteurisierten Bakterien erhalten hatten, nach 3 Monaten zu einer Verbesserung der Insulinsensitivität um 28,6 %. Die Insulinkonzentration verringerte sich um 34,1 % und das Gesamtcholesterin um 8,7 %. Die Unterschiede zur Placebogruppe waren signifikant. Interessanterweise kam es in der Gruppe, deren Nahrungsergänzungsmittel lebende A. muciniphila enthielten, zu keiner signifikanten Verbesserung.

Interventionsgruppe nimmt Gewicht ab

In der Gruppe, die die pasteurisierten A. muciniphila eingenommen hatten, war es auch zu einer leichten Reduktion des Körpergewichts um 2,27 kg im Vergleich zur Placebogruppe gekommen. Die Fettmasse hatte sich gegenüber den Ausgangswerten um 1,37 kg und der Hüftumfang um 2,63 cm vermindert. Die Leberwerte hatten sich verbessert und die Entzündungsmarker waren zurückgegangen.

Compliance und Verträglichkeit der pasteurisierten Bakterien waren nach Auskunft der Forscher gut: Die meisten Teilnehmer nahmen die Nahrungsergänzungsmittel regelmäßig ein und unangenehme Nebenwirkungen sollen nicht aufgetreten sein.

Die Studie hat damit im Wesentlichen die Erfahrungen aus den Tierexperimenten bestätigt. Zu den Einschränkungen gehört die relativ geringe Teilnehmerzahl. Ob die Behandlung hält, was sie verspricht, müsste jetzt in einer größeren multizentrischen Studie gezeigt werden.

© rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Oktober 2019
Charlottesville– Ein hybrides künstliches Pankreas, das die Dosis des Basalinsulins automatisch dem kontinuierlich bestimmten Blutzucker anpasst, hat in einer randomisierten Studie im New England
Künstliches Pankreas verbessert Blutzuckerkontrolle bei Diabetes Typ 1
18. Oktober 2019
Dallas – Eine Fundoplikatio nach Nissen, die einen gastroösophagealen Reflux mit chirurgischen Mitteln stoppt, hat in einer randomisierten Studie die Beschwerden von Patienten gelindert, die nicht auf
Gastroösophageale Refluxkrankheit: Operation bei PPI-refraktärem Sodbrennen effektiv
18. Oktober 2019
Amsterdam – Schwere Hypoglykämien können künftig mit einem Nasenspray behandelt werden. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat heute eine
Nasenspray behandelt schwere Hypoglykämien injektionsfrei
17. Oktober 2019
Berlin – Psychische Störungen treten bei Menschen mit Diabetes häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Gleichzeitig stellten komorbide psychische Störungen eine Behandlungsbarriere dar,
Komorbide psychische Störungen bei Diabetikern häufig
17. Oktober 2019
New York – Frauen, die ihr Kind längere Zeit stillen, erkranken im späteren Leben seltener an einem Typ-2-Diabetes oder an einer arteriellen Hypertonie. Zu diesem Ergebnis kommt eine Meta-Analyse in
Lange Stillzeit schützt Frauen vor Diabetes und Hypertonie
16. Oktober 2019
Stuttgart – Der Ärzteverband Medi Baden-Württemberg und die DAK-Gesundheit haben einen neuen Facharztvertrag geschlossen, der die Versorgung von Diabetikern (Typ 1 und 2) verbessern soll. Ärzte können
Neuer Facharztvertrag zur Diabetesversorgung in Baden-Württemberg
16. Oktober 2019
Berlin – Für Eltern mit an Diabetes erkrankten Kindern gibt es nicht genug psychosoziale Hilfen. Darauf haben Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) im Vorfeld der morgigen Tagung
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER