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Medizin

Wie Antibiotika die Abwehr von Grippeviren in den Lungen behindern

Mittwoch, 3. Juli 2019

Infektionen einer Lunge /Sebastian Kaulitzki, AdobeStock.com
/Sebastian Kaulitzki, AdobeStock.com

London – Grippeinfektionen der Lunge verlaufen bei Mäusen, deren Darm zuvor durch Antibiotika von Bakterien befreit wurde, häufiger tödlich. Die Gründe sind nach einer Studie in Cell Reports (2019; doi: 10.1016/j.celrep.2019.05.105) im Einfluss der Darmbakterien auf die Freisetzung von Interferonen in den Abwehrzellen der Lungenschleimhaut zu suchen.

Ein (zu) häufiger Einsatz von Antibiotika fördert nicht nur die Entwicklung von Resistenzen, die die Behandlung zukünftiger bakterieller Infektionen erschweren. Die Antibiotika könnten auch die Anfälligkeit auf Virusinfektionen erhöhen. Darauf deuten Experimente hin, die Forscher am Francis Crick Institute in London an Mäusen durchgeführt haben.

Nager mit intakter Darmflora überlebten eine experimentelle Infektion mit Grippeviren zu etwa 80 %. Wenn die Tiere vorher über mehrere Wochen mit Antibiotika behandelt wurden, sank die Überlebensrate auf ein Drittel. Die Viruskonzentrationen im Lungenepithel waren dann 5-fach höher. Die Überlebenschancen der Tiere stiegen, wenn die Darmflora durch eine Stuhltransplantation wieder hergestellt wurde.

Den Grund vermutet das Team um Andreas Wack in einem Einfluss der Darmbakterien auf die Bildung von Typ 1-Interferonen. Diese Proteine verhindern die Replikation der Viren in den Zellen und bilden eine erste Abwehrlinie gegen Infektionen (später übernehmen Antikörper diese Aufgabe). Eine Antibiotikabehandlung verminderte die Bildung von Typ 1-Interferonen, nach der Stuhltransplantation stieg sie wieder an.

Die Forscher hatten zunächst vermutet, dass die Schutzwirkung der Darmflora über Immunzellen vermittelt wird, die vom Darm über den Kreislauf in die Lunge gelangen. Dafür fanden sie jedoch keine Hinweise. Die Produktion der Typ 1-Interferone erfolgt direkt in den Epithelzellen. Wie die Signale vom Darm in die Lunge übermittelt werden, ist derzeit noch unklar.

Inwiefern der Mechanismus auch beim Menschen greift und ob Antibiotikabehandlungen tatsächlich eine Grippe verstärken können, lässt sich aus den Ergebnissen tierex­perimenteller Studien nicht ableiten. Hierzu wären epidemiologische Studien notwendig. Sie könnten etwa der Frage nachgehen, ob Kinder, die in den ersten Lebensjahren mit Antibiotika behandelt wurden, häufiger und heftiger an Atemwegsinfektionen erkranken. Sollte dies der Fall sein, dann würde der häufige Einsatz von Antibiotika eventuell die Probleme schaffen, zu deren Beseitigung sie eingesetzt werden. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #759489
MITDENKER
am Montag, 8. Juli 2019, 16:05

Chronifizierung

Aus meiner Praxis und von Kollegen ist folgender Umstand seit Jahrzehnten bekannt:
Kind X bekommt jahrelang Antibiotika wegen ständiger Atemwegsinfekte. Die Chronifizierung durch die Dauer-Antibiose wird i.d.R. durch die Gabe eines gut gewählten homöopathischen Mittels beendet. Das sind dann die Eltern, die für den Rest ihres Lebens auf solche "nicht evidenzbasierte Therapien" stehen. Verständlicherweise.
Avatar #731133
PointVital
am Donnerstag, 4. Juli 2019, 06:54

TCM fragen

Ich verstehe nicht, warum alles so kompliziert gemacht werden muß.
Aus der TCM weiß man, dass Lunge und Dickdarm zusammen gehören.
Bei Lungenproblemen IMMER (!) auch den Dickdarm sanieren!!!

Ich hatte in unserem Center einen Klienten, der Wochenlang mit allem Möglichen behandelt wurde, weil er Husten hatte und dieser nicht besser wurde.
Wir hatten den Darm "behandelt" und nach 2 (!) Tagen war der Husten weg.
Noch heute gibt es nur wenige Ärzte, die nach einer Gabe von Antibiothika eine Darmsanierung anschließen.
Avatar #104741
urgestein
am Mittwoch, 3. Juli 2019, 17:57

Henne-Ei-Probleme

Es könnte aber auch sein, dass Kinder, die in den ersten Lebensjahren mit Antibiotika behandelt wurden eine grundlegende Erkrankung an den unteren Atemwegen als Ursache für die Antibiotika-Therapie hatten und deshalb auch für Grippeviren besonders anfällig sind. Spart Euch doch endlich das Geld für epidemiologische Studien, die Ursache-Wirkungs-Beziehungen postulieren wollen . Da nützen weder "risk adjustment" noch "dose-response"-Beziehung durch Statistikprogramme irgendetwas.
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