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Medizin

TNF-Blocker könnten entzündliche Darm­er­krank­ungen fördern

Donnerstag, 4. Juli 2019

Morbus Crohn im Gastrointestinaltrakt /Juan Gärtner AdobeStock.com
Morbus Crohn im Gastrointestinaltrakt /Juan Gärtner AdobeStock.com

Boston – Patienten, die wegen Autoimmunerkrankungen mit TNF-Blockern behandelt werden, erkranken in der Folge häufiger an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, zu deren Behandlung die betroffenen Biologika manchmal eingesetzt werden. Dies kam in einer bevölkerungsbasierten Studie in Alimentary Pharmacology & Therapeutics (2019; doi: 10.1111/apt.15370) heraus.

Biologika, die den Tumornekrosefaktor alpha neutralisieren, haben die Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis oder der Psoriasis-Arthritis entscheidend verbessert. Auch zur Behandlung der entzündlichen Darmer­krankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, bei denen eine autoimmune Patho­genese vermutet wird, werden sie gelegentlich eingesetzt.

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Es erscheint paradox, dass TNF-Blocker die Entwicklung von Autoimmunerkrankun­gen fördern könnten. Für die Psoriasis und für einige Vaskulitiden ist dies jedoch durch Studien belegt. Joshua Korzenik vom Brigham and Women’s Hospital in Boston und Mitarbeiter haben jetzt den Zusammenhang für die beiden entzündlichen Darmerkran­kungen Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa untersucht.

Vor allem Etanercept-Patienten erkrankten an entzündlichen Darm­er­krank­ungen

Ihre Analyse umfasst alle 17.018 Patienten, die seit 1994 in Dänemark wegen Auto­immunerkrankungen mit TNF-Blockern behandelt wurden. Von diesen sind in der Folge 87 an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa erkrankt. Die Inzidenz ist damit ab­solut gering, sie war aber relativ höher als bei den 63.308 Patienten mit Autoimmun­erkrankungen, die keine TNF-Blocker erhalten hatten. Dort gab es insgesamt 309 neue entzündliche Darm­er­krank­ungen, was bezogen auf die Gesamtzahl der Kon­trollen seltener ist als bei den mit TNF-Hemmern behandelten Patienten.

Besonders deutlich war die Assoziation mit Etanercept. Patienten, die mit diesem TNF-Hemmer behandelt wurden, erkrankten 2-mal so häufig an einer entzündlichen Darm­er­krank­ung. Korzenik ermittelt eine adjustierte Hazard Ratio von 2,0 (95-%-Konfidenzintervall 1,4 bis 2,8) auf einen Morbus Crohn und eine adjustierte Hazard Ratio von 2,0 (1,5 bis 2,8) für die Colitis ulcerosa.

Infliximab und Adalimumab: kein erhöhtes Risiko nachweisbar

Die entsprechenden adjustierten Hazard Ratios betrugen für Infliximab 1,3 (0,8 bis 2,2) und 1,0 (0,6 bis 1,6) und für Adalimumab 1,2 (0,8 bis 1,8) und 0,6 (0,3 bis 1,0). Für diese beiden Mittel konnte demnach kein sicher erhöhtes Risiko nachgewiesen werden. Für die neueren TNF-Hemmer Golimumab und Certolizumab pegol waren die Verordnungszahlen für eine Bewertung zu gering.

Warum Etanercept, nicht aber Infliximab und Adalimumab das Risiko erhöhen, ist unklar. In früheren Studien hatte Adalimumab das Risiko auf eine Psoriasis stärker erhöht als andere TNF-Hemmer.

Die Studie kann den Zusammenhang nicht belegen. Eine reverse Kausalität ist mög­lich. Der Einsatz von TNF-Hemmern deutet immer auf einen schweren Verlauf der Erkrankung hin. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit auf eine Komorbidität. Es kommt häufiger vor, dass Patienten mehrere Autoimmunerkrankungen entwickeln. © rme/aerzteblatt.de

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