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Hohe Arbeitsbelastung mit geringerer Lebenserwartung assoziiert

Mittwoch, 3. Juli 2019

/dpa

Berlin – Die Lebenserwartung in Deutschland steigt weiter, aber nicht bei allen gleich: Wer während seines Arbeitslebens höheren Belastungen ausgesetzt ist, könnte nach dem Eintritt ins Rentenalter eine geringere Lebenserwartung haben. Zu diesem Ergeb­nis kommt eine Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg Essen, die vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Auftrag gegeben und heute veröffentlicht wurde. Untersucht wurde, wie lange jemand, der das 65. Lebensjahr err­eicht hat, voraussichtlich noch zu leben hat.

Grundsätzlich sei die Lebenserwartung ab dem 65. Lebensjahr in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland deutlich gestiegen, berichten die beiden Studienautoren Martin Brussig und Susanne Eva Schulz. Die Hälfte der 1960 Geborenen wird voraus­sichtlich ein Alter von etwa 86 Jahren (Männer) beziehungsweise 90 Jahren (Frauen) erreichen, sofern sie 65 Jahre alt geworden sind. Für die Generation der 1920 Gebo­re­nen lagen diese Werte noch bei rund 80 Jahren beziehungsweise 85 Jahren.

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Die Studie zeigt aber auch, dass die Belastungen während des Arbeitslebens und die Anzahl der Berufsjahre langfristig die Lebenserwartung beeinflussen könnten. Men­schen mit höherer Bildung seien oft in höheren Einkommenspositionen anzutreffen und hätten vermutlich auch verträglichere Arbeitsbedingungen, argumentieren Brussig und Schulz. „Wer dagegen sehr hohen Arbeitsbelastungen ausgesetzt war, stirbt früher."

„Und wer früher stirbt, bekommt auch eine kürzere Zeit Rente. Jene, die ein höheres Rentenalter fordern, nehmen damit neue Ungerechtigkeiten in Kauf", kritisiert DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach laut einer Mitteilung des Gewerkschaftsbun­des. Damit sei „gerade für diejenigen, die in ihrem Arbeitsleben eine hohe Belastung zu verkraften hatten, ein höheres Rentenalter nichts anderes als ein Rentenkürzungs­programm", ergänzt Buntenbach.

Höheres Rentenalter nicht jedem zumutbar

Höhere Altersgrenzen seien eben nicht allen zumutbar, weil die Lebenserwartung un­gleich steige, so Buntenbach. Da gebe es große Unterschiede. „Menschen mit niedri­gem Einkommen und starken Belastungen gewinnen kaum an Lebenszeit.“ Hingegen steige die Lebenserwartung derer, „die auf der Sonnenseite des Lebens stehen“.

Allerdings könne ein „sozialdifferenziertes Rentenalter“ keineswegs die Lösung sein, fügte Buntenbach hinzu. Denn die solidarische gesetzliche Rentenversicherung solle die Beiträge und die Rente nicht nach dem individuellen Risiko berechnen.

Ihre Forderung: Die Übergänge aus dem Erwerbsleben sollten flexibel gestaltet wer­den. Wer es gesundheitsbedingt nicht bis zum Rentenalter schaffe, müsse vorher aus­scheiden können, und zwar ohne Rentenabschläge. Heute scheiden jedes Jahr gut 200.000 Versicherte vor dem 65. Lebensjahr wegen Krankheit (oder Tod) aus dem Erwerbsleben aus.

Die Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg Essen bestä­tigt darüber hinaus den bereits in früheren Studien beobachteten Einfluss sozioökono­mischer Unterschiede auf die Lebenserwartung.

So haben Personen in überdurchschnittlichen Einkommenspositionen eine höhere Lebenserwartung ab dem 65. Lebensjahr als Personen in unterdurchschnittlichen Ein­kommenspositionen. Auch beim Bildungsniveau zeigt sich ein niedrigeres Mortalitäts­risiko mit steigender Bildung.

© nec/afp/aerzteblatt.de

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M. Möhner
am Donnerstag, 4. Juli 2019, 11:46

Lebensstilfaktoren blieben unberücksichtigt

Es ist seit langem bekannt, dass Raucher eine deutlich geringere Lebenserwartung haben als Nieraucher [Jha, P., et al. (2013). "21st-Century Hazards of Smoking and Benefits of Cessation in the United States." N Engl J Med 368(4): 341-350]. Ebenso ist bekannt, dass zwischen höchstem Bildungsabschluss und Raucherprävalenz eine negative Korrelation besteht. Auch andere Lebensstilfaktoren sind mit den im Bericht betrachteten sozioökonomischen Faktoren korreliert. Eine valide Aussage über den Einfluss der Arbeitsbelastung auf die fernere Lebenserwartung ist daher nur möglich, wenn die Lebensstilfaktoren gebührend Berücksichtigung finden. Es ist daher wohl anzunehmen, dass der tatsächliche Effekt der Arbeitsbelastung auf das Mortalitätsrisiko nach Adjustierung bezüglich der Lebensstilfaktoren deutlich geringer ausfällt, als im IAQ-Report berichtet.
LNS

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