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Medizin

Krebs wird häufigste Todesursache bei Typ-2-Diabetikern

Donnerstag, 4. Juli 2019

Grafik Blutzuckerspiegel mit einem Röhrchen Blut. /gamjai, stock.adobe.com
/gamjai, stock.adobe.com

Glasgow – Eine gute Stoffwechseleinstellung kann Menschen mit Typ-2-Diabetes vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, offenbar aber nicht vor Krebs. In Schottland sterben laut einer aktuellen Analyse im Journal of Diabetes Investigation (2019; doi: 10.1111/jdi.13067) mittlerweile mehr Typ 2-Diabetiker an Krebs als an Herzkrankheiten.

Makro- und Mikroangiopathie, die Spätkomplikationen des Diabetes an den großen und kleinen Blutgefäßen, sind dafür verantwortlich, dass Diabetiker häufiger als andere Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben. Dies gilt insbesondere für Typ-2-Diabetiker, die infolge ihres Metabolischen Syndroms neben dem erhöhten Blutzucker noch weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Hypertonie, Hyperlipidämie und Adipositas haben.

Bekannt ist auch, dass Diabetiker häufiger als andere Menschen an Krebs erkranken und sterben. Adipositas, Bewegungsmangel, Alkohol und Rauchen gelten hier als die Risikofaktoren. Aber auch der Diabetes selbst könnte durch die erhöhten Blutzucker- und Insulinspiegel zum erhöhten Krebsrisiko beitragen.

Immer weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Diabetikern

Ein Team um Andrew Collie von der Universitätsklinik in Ayr bei Glasgow hat hierzu jetzt die Daten der ADOC-Kohorte („Ayrshire Diabetes fOllow-up“) ausgewertet, die alle Typ-2-Diabetes-Patienten in den schottischen Bezirken Ayrshire und Arran begleitet. In den Jahren 2009 bis 2014 waren 2.116 von 16.643 Patienten gestorben. Die standardisierte Mortalitätsrate (SMR) lag damit um 45 % (95-%-Konfidenzintervall 39 bis 52 %) über dem Durchschnitt. Dies traf sowohl für die Männer (SMR 136; 128 bis 145) als auch für die Frauen (SMR 148; 18 bis 159) zu.

Während die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Diabetikern auch in Schottland in den letzten Jahren zurückgegangen ist, sei ein solcher Trend für die Krebssterblichkeit nicht zu erkennen, berichtet Collie. Tatsächlich sind Krebserkran­kungen im Untersuchungszeitraum zur häufigsten Todesursache mit einem Anteil von 27,8 % geworden, vor Herzerkrankungen (24,1 %), Atemwegserkrankungen (13,0 %) und Schlaganfällen (8,5 %).

Collie führt den relativen Anstieg der Krebstodesfälle darauf zurück, dass in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen wurden, die kardiovaskulären Risiken von Diabetikern zu behandeln. Wie und ob auch das Krebsrisiko gesenkt werden kann, ist dagegen nicht bekannt.

Ergebnisse aus Japan bestätigen Krebs als häufigste Todesursache

Über eine ähnliche Entwicklung berichteten im letzten Jahr Diabetologen aus Japan. Jiro Nakamura von der Medizinischen Universität Aichi in Nagoya und Mitarbeiter hatten die Todesursachen von Patienten untersucht, die im Krankenhaus gestorben waren.

Laut ihrem Bericht in Journal of Diabetes Investigation (2017; 8: 397-410) war bei den Diabetikern Krebs mit 38,3 % die häufigste Todesursache vor Infektionen (17,0 %), Gefäßerkrankungen (14,9 %) einschließlich Nierenversagen (3,5 %), ischämische Herzkrankheiten (4,8 %) und zerebrovaskulären Erkrankungen (6,6 %).

© rme/aerzteblatt.de

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