NewsAuslandErmittlungen wegen Totschlags gegen Frau in Alabama eingestellt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Ermittlungen wegen Totschlags gegen Frau in Alabama eingestellt

Donnerstag, 4. Juli 2019

Miami – Die Justiz im US-Bundesstaat Alabama hat die Totschlagsermittlungen gegen eine Frau eingestellt, die angeschossen worden war und daraufhin ihr ungeborenes Kind verloren hatte. „In diesem traurigen Fall gibt es keine Gewinner, nur Verlierer“, sagte Staatsanwältin Lynniece Washington gestern nach Angaben des Nachrichten­portals AL.com.

Der Fall Marshae Jones hatte in den USA für Empörung gesorgt: Der 27-Jährigen war im Dezember in der Stadt Pleasant Grove bei einem Streit mit einer anderen Frau fünf Mal in den Bauch geschossen worden. Jones verlor daraufhin ihr ungeborenes Baby.

Das Verfahren gegen die Schützin wurde später eingestellt – stattdessen leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Jones ein. Der Grund: Sie soll den Streit an­gezettelt und weiter angeheizt haben. Jones wurde vergangene Woche wegen des Vorwurfs des Totschlags festgenommen. Frauenrechtsorganisationen kritisierten das Vorgehen der Justiz in Alabama deswegen scharf.

Anzeige

Die Justiz in dem Bundesstaat geht offenbar hart gegen Frauen vor, die unter bestim­m­ten Umständen ihr ungeborenes Kind verlieren. Nach Angaben der Organisation National Abortion Federation (NAF), die sich für das Recht auf Abtreibung einsetzt, wurden bereits Frauen strafrechtlich verfolgt, bei denen der Fötus in Folge von Dro­genkonsums oder eines Verkehrsunfalls starb.

Die NAF kritisierte, damit würden Frauen bestraft und ihre Schwangerschaften krimi­nalisiert. Betroffen seien vor allem Afroamerikanerinnen. Auch Marshae Jones ist schwarz. Der Vorfall findet vor dem Hintergrund einer drastischen Verschärfung des Abtreibungsrechts in Alabama und weiteren US-Südstaaten statt. Das konservative Alabama verabschiedete unlängst das landesweit restriktivste Abtreibungsgesetz. Es macht Abtreibung zu einer Straftat, selbst wenn eine Frau durch eine Vergewaltigung schwanger wurde.

Ärzten drohen zwischen zehn und 99 Jahren Haft. Schwangerschaftsabbrüche sind demnach nur dann legal, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist oder der Fötus eine unheilbare Krankheit hat.

Das Abtreibungsgesetz soll erst im November in Kraft treten, dürfte aber ein Fall für den Obersten Gerichtshof werden. Das ist allerdings auch das Ziel von Abtreibungs­gegnern: Denn nachdem US-Präsident Donald Trump dafür gesorgt hat, dass das Gericht überwiegend mit konservativen Juristen besetzt ist, hoffen sie, dass dort eine Grundsatzentscheidung aus dem Jahr 1973 gekippt wird. Damals hatte der Supreme Court das grundsätzliche Recht von Frauen auf eine Abtreibung anerkannt. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

28. Mai 2020
Washington – Seit Beginn der Coronapandemie sind in den USA Angaben von Wissenschaftlern zufolge mehr als 100.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus ums Leben gekommen. Das geht aus Daten der
COVID-19: 100.000 Tote in den USA, 25.000 in Brasilien, mehr Tote in Spanien
28. Mai 2020
Genf – Mehrere US-Bundesstaaten nutzen die Pandemie nach Angaben von UN-Experten als Vorwand, um Frauen den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen zu verwehren. Dabei handele es sich um Alabama,
US-Bundesstaaten verhindern Schwangerschaftsabbrüche
19. Mai 2020
Washington – US-Präsident Donald Trump nimmt nach eigenen Angaben ein Malariamedikament als Coronaprophylaxe. Er nehme seit etwa eineinhalb Wochen Hydroxychloroquin ein, sagte Trump gestern im Weißen
US-Präsident Trump nimmt Hydroxychloroquin als Prophylaxe ein
19. Mai 2020
Washington − Im Konflikt mit China hat US-Präsident Donald Trump der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) inmitten der Coronapandemie mit Austritt gedroht. Sollte sich die WHO innerhalb der
Trump droht WHO mit Austritt
14. Mai 2020
Washington – Wegen des enormen Anstiegs der Arbeitslosigkeit in den USA könnten einer Untersuchung zufolge fast 27 Millionen Menschen mitten in der Coronapandemie ihre Kran­ken­ver­siche­rung verlieren.
US-Studie: Bis zu 27 Millionen könnten Kran­ken­ver­siche­rung verlieren
13. Mai 2020
Berlin – Die Beratungspflicht nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz und dem Paragrafen 218a Strafgesetzbuch bleibt auch während der Coronapandemie in Kraft. Der Familienausschuss des Bundestags
Beratungspflicht bei Schwangerschaftsabbruch bleibt
13. Mai 2020
New York − Angesichts eines drohenden diplomatischen Debakels im zerstrittenen UN-Sicherheitsrat startet Deutschland einen möglicherweise letzten Versuch zur Rettung einer Coronaresolution. Wie
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER