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DFG beschließt neuen Kodex zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis

Donnerstag, 4. Juli 2019

/likoper, stockadobecom

Rostock/Berlin – Neue „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ werden künftig die juristisch verbindliche Voraussetzung für Forscher sein, um eine Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zu erhalten. Auf ihrer gestern in Ros­tock zu Ende gegangenen Jahresversammlung überarbeitete die DFG grundle­gend ihre Empfehlungen zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und der Ver­fahrensordnung zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten.

Der neue Kodex trage der Digitalisierung und neuen Regelungen Rechnung, sagte DFG-Präsident Peter Strohschneider heute in Berlin. „Mit ihm wollen wir eine Kultur der wissenschaftlichen Integrität weiter verankern, die weniger von den Verstößen gegen die gute wissenschaftliche Praxis her gedacht wird als vom Berufsethos der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“, sagte Strohschneider.

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In 19 Leitlinien, die nach Ansicht Strohschneiders „deutlich über die bisherigen Em­pfehlungen hinausgehen“ formuliert der Kodex die künftigen Standards für wissen­schaftliches Arbeiten. Dabei ist er modular in drei Ebenen aufgebaut: Die dritte Ebene im Internet enthält Fallbeispiele, FAQs und fachspezifische Ausführungen, die ständig aktualisiert werden. Alle Hochschulen und Forschungseinrichtungen müssen die 19 Leitlinien nun rechtsverbindlich umsetzen, um Fördermittel zu erhalten.

Im vergangenen Jahr förderte die DFG ihrem jetzt vorliegenden Jahresbericht 2018 zufolge 33.160 Projekte mit etwa 3,4 Milliarden Euro. Dies ist ein Anstieg von 700 ge­förderten Projekten beziehungsweise 250 Millionen Euro im Vergleich zum Jahr 2017. Neu bewilligte sie im vergangenen Jahr 8.000 Projekte. Die finanziellen Mittel kamen zu 69,3 Prozent vom Bund und 29,7 Prozent von den Ländern.

Medizin erhält die meisten Fördermittel

Die Lebenswissenschaften, zu denen auch die Medizin gehört, waren bei der Förde­rung auch 2018 wieder Spitzenreiter: Sie erhielten mit rund 1,2 Milliarden Euro die meisten Fördermittel (34,2 Prozent der Gesamtbewilligungssumme), gefolgt von den Naturwissenschaften mit rund 760 Millionen Euro (22,3 Prozent), den Ingenieur­wiss­en­schaften mit rund 664 Millionen Euro (19,5 Prozent) und den Geistes- und Sozial­wissenschaften mit rund 530 Millionen Euro (15,6 Prozent).

In die 99 im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder geförderten Einrichtungen flossen der DFG zufolge rund 566 Millionen Euro. Erstmals bewilligt worden seien 2018 Mittel für die Exzellenzstrategie, das Nachfolgeprogramm der Exzellenzinitiative. Für die Ende September 2018 beschlossene Förderung von 57 Exzellenzclustern und die damit verbundenen Universitätspauschalen seien insgesamt 2,9 Milliarden Euro bewilligt worden, sagte Strohschneider. Diese Summe beziehe sich allerdings auf die gesamte Laufzeit der beschlossenen Förderung über sieben Jahre.

Die jüngsten Beschlüsse des Bundes und der Länder zur Fortführung der Wissen­schaftspakte, wie unter anderem des Pakts für Forschung und Innovation, würdigte Strohschneider als „wegweisende Entscheidungen, die formative Bedeutung haben werden“. „Eine Steigerung des Budgets der DFG und der anderen Paktorganisationen um jährlich drei Prozente für weitere zehn Jahre ist weltweit wahrscheinlich ohne Bei­spiel“, lobte er.

Diese finanzielle Planungssicherheit sei zentral und versetze die DFG in die Lage, hochkarätige Forschungsprojekte und große, mehrjährige Förderprogramme zu finan­zieren. „Und sie gibt uns die Gelegenheit, die Herausforderungen, die sich in den kom­menden Jahren in der Finanzierung und Gestaltung des Wissenschaftssystems in Deutschland stellen, auf einer verlässlichen Grundlage und mit Kraft anzugehen.“

Gleichzeitig würdigte Strohschneider vor der Presse in Berlin den hohen Stellenwert der Forschung in Politik und Gesellschaft. „Der enorme Rückhalt in der Politik ist umso mehr zu schätzen, als in zahlreichen Ländern der Welt Wissenschaft und Forschung, Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen und auch die Wissenschaftsfreiheit als Prinzip zunehmend unter Druck geraten“, betonte Strohschneider mit einem Verweis auf Ungarn.

In Deutschland hingegen genieße die Wissenschaft ein „enormes Freiheitsprivileg“. Das Prinzip einer freien Wissenschaft wolle die DFG im kommenden Jahr prominent in der Öffentlichkeit herausstellen, sagte Strohschneider und kündigte die Kampagne „DFG2020 – Für das Wissen entscheiden“ anlässlich der 100. Wiederkehr der Grün­dung der Vorläuferorganisation der DFG, der „Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft“ 1920, an.

Die diesjährige Jahresversammlung stellte aber auch einen Einschnitt dar: Stroh­schnei­der scheidet zum Jahresende nach zwei Amtsperioden als Präsident turnus­mä­ßig aus. Zur künftigen Präsidentin der DFG wählten die Mitglieder gestern in Rostock Katja Becker, Ärztin und Biochemikerin an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sie wird ab dem 1. Januar 2020 als erste Frau an der Spitze der Organisation stehen. „Den neuen Herausforderungen sehe ich mit viel Respekt, aber auch mit großem Ta­ten­drang entgegen“, sagte Becker heute in Berlin.

Die Mitgliederversammlung beschloss in Rostock zudem Satzungsänderungen, die die Grundlagen für die künftige Arbeit in der Leitung der DFG legen sollen. So werden eine Richtlinien- und eine Geschäftsverteilungskompetenz für die Präsidentin einge­führt. Darüber hinaus werden mit der Satzungsnovellierung zwei neue Unterausschüs­se des Hauptausschusses eingerichtet. Für Fragen der Governance oder der Veran­kerung des Prinzips wissenschaftsgeleiteter Forschungsförderung in der Satzung wurde eine neue Satzungskommission eingesetzt. © ER/aerzteblatt.de

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