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Politik

Beauftragter will von Schulen mehr Einsatz gegen sexuelle Gewalt

Donnerstag, 4. Juli 2019

/dpa

Erfurt/Berlin – Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung hat mangelnde Konzepte gegen sexuelle Übergriffe an Schulen kritisiert. In vielen deutschen Schulen werde zu wenig getan, um Opfern von Übergriffen zu helfen, sagte Johannes-Wilhelm Rörig, der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, heute auf einer Fachtagung in Erfurt.

Zudem bemühten sich die Verantwortlichen oft nicht genug darum, Missbrauch vorzu­beugen, sagte Rörig. Er wünsche sich in der nächsten Legislaturperiode in Thüringen eine Änderung des Schulgesetzes, mit der alle Schulen verpflichtet würden, konkrete Konzepte zum Schutz vor sexuellem Missbrauch zu erarbeiten.

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Als ein Beispiel für das aus seiner Sicht mangelhafte Engagement von Schulen gegen sexuellen Missbrauch nannte Rörig Reaktionen auf eine von ihm gestartete Kam­pagne. Die Verteilung des entsprechenden Informationsmaterials funktioniere in Thüringen zwar verhältnismäßig gut. Vor wenigen Wochen habe er allerdings an einer Tagung in Norddeutschland teilgenommen, bei der keiner von 120 Grundschulleitern diese Kampagne gekannt habe.

Zudem berichteten Anrufer an dem über sein Amt geschalteten Hinweistelefon immer wieder, dass Schulleitungen und Lehrer Verdachtsmomente auf sexuelle Übergriffe ignorierten, sagte Rörig. Dabei dürften pädagogische Fachkräfte in solchen Situatio­nen nicht wegschauen. „Sie müssen wissen, dass sich die Situation betroffener Jun­gen und Mädchen dadurch erheblich verschlimmert“, sagte Rörig.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) erklärte, die 19 Thüringer Kinder- und Jugendschutzdienste hätten sich in den vergangenen 25 Jahren zu einem wich­tigen Rettungsanker für junge Menschen ent­wickelt, die – in welcher Form auch immer – Leid erführen. Im vergangenen Jahr hätten sie etwa 11.500 Einzelfallberatungen geleistet.

Die Landesregierung setze sich dafür ein, die vorhandenen Kinder- und Jugend­schutz­struk­turen zu sichern und auszubauen. „Es wäre natürlich schön, wenn ihre Arbeit nicht gebraucht würde, doch dieser Gedanke ist eine Illusion, das machen Lebenserfahrung und Realität deutlich“, sagte Holter. © dpa/aerzteblatt.de

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