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67 Prozent der Bundesbürger für aktive Sterbehilfe

Freitag, 5. Juli 2019

/Tyler Olson, stock.adobe.com

Berlin – 67 Prozent der Deutschen sind nach einer Umfrage für eine Zulassung der aktiven Sterbehilfe. 38 Prozent würden sie „voll und ganz“ befürworten, 29 Prozent würden ihr „eher“ zustimmen, heißt es in einer heute in Berlin veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov. 17 Prozent lehnten aktive Sterbehilfe „voll und ganz“ oder „eher“ ab. Mit 72 Prozent gab es in Ostdeutschland mehr Befürworter als in Westdeutschland (65 Prozent).

Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten und wird mit bis zu fünf Jahren Haft be­straft. Verboten ist auch eine geschäftsmäßige Beihilfe zum Suizid, etwa durch Sterbe­hilfevereine. Sterbenlassen durch das Abschalten von Apparaten sowie indirekte Ster­behilfe, bei der starke Medikamente Schmerzen lindern und als Nebenwirkung das Sterben beschleunigen, sind zulässig, wenn der Patient das verfügt hat.

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Eine Legalisierung der Beihilfe zum Suizid befürworten in der Umfrage 45 Prozent „voll und ganz“ und 24 Prozent „eher“. 13 Prozent lehnen eine Zulassung ab. Der Le­ga­lität der passiven Sterbehilfe stimmen insgesamt 75 Prozent zu. 8 Prozent lehnen sie ab.

Die YouGov-Umfrage wurde im April durchgeführt. Gestern hatte der Bundesgerichts­hof (BGH) entschieden, dass Ärzte nicht verpflichtet sind, Patienten nach einem Sui­zidversuch gegen deren Willen das Leben zu retten. Der BGH bestätigte damit zwei Freisprüche der Landgerichte in Berlin und Hamburg, die entschieden hatten, dass der Wille der Patienten zählt.

Zwei Mediziner hatten körperlich kranke Menschen nach der Einnahme tödlicher Me­dikamente bis zum Tod begleitet. Maßnahmen zur Rettung ergriffen sie nicht. Darauf­hin wurden sie wegen Tötungsdelikten angeklagt. In beiden Fällen sei es der klare Wille der Patienten gewesen, ihr Leben zu beenden, so die Gerichte.

Deutliche Kritik hatte es von der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Ärzte­kammern und der Ärztegewerkschaft Marburger Bund gegeben. Es müsse betont wer­den, dass die Beteiligung an Selbsttötungen nicht zu den ärztlichen Aufgaben zähle, erklärte BÄK-Präsident Klaus Reinhardt. Es wäre fatal, wenn die Erwartung geweckt würde, es gäbe einen Anspruch auf ärztliche Assistenz beim Suizid.

Kammern und MB wiesen darauf hin, dass die ärztliche Berufsordnung eindeutig klarstelle, dass Ärzte keine Hilfe zur Selbsttötung leisten dürften. © dpa/kna/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 8. Juli 2019, 13:26

LEBEN UND STERBEN LASSEN?

Vgl. dazu:
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/22518-leben-und-sterben-lassen

Dr. med. Thomas Georg Schätzler Arzt (Allgemeinmedizin)
LEBEN UND STERBEN LASSEN?
Sterbeprozesse und Tod sind eine Mischung aus Angst, Schmerzhaftigkeit, Verleugnung, Akzeptanz, Not, Pein, Krankheit, Akutsituation, Chronizität, Verletzung und Verletzbarkeit bzw. deren Unumkehrbarkeiten. Von daher ist der Wunsch nach Hilfestellung und Abgabe der Eigenverantwortung an eine Dritte Person, die "des Sterbens besser kundig ist, als man selbst", nur allzu verständlich und nachvollziehbar.
Helfen, Heilen, Lindern, Schützen u n d Loslassen können...
Avatar #778638
huntbear
am Montag, 8. Juli 2019, 11:11

Glaubensfrage

Ich will mich nicht als "perfekten Christen" darstellen, aber nach christlichem Glauben ist es den Menschen verboten, über Leben und Tod zu entscheiden, das heißt auch durch Unterlassung von lebenserhaltender Hilfeleistung. Genauso wie den Menschen nach christlichem Glauben der Vollzug einer Todesstrafe verboten ist. Ich bin der Meinung, das soll nicht unter den Tisch gekehrt werden.
Avatar #106024
Mabued
am Freitag, 5. Juli 2019, 23:00

Palliativversorgung die Alternative

Warum werden immer wieder Schwerstkranke, sehr alte Patienten mit ausgeprägten Kontrakturen aus Pflegeheimen in Kliniken gebracht, wenn sie durch Fieber bei Harnweginfekt bewußtlos sind. Oft ist es der Wunsch der Bevollmächtigten und erst recht die Forderung des Betreuers, der den Patienten nicht einmal kennt. Wir dürfen nicht unser gutes und sehr teures Gesundheitswesen durch sinnlose Maßnahmen zerstören – angeblich werden 80% des Klinikbudgets für das letzte Jahr vor dem Tode ausgegeben. Wir müssen endlich anfangen, uns einen Bevollmächtigten zu suchen und mit ihm auch über unsere Wünsche sprechen. Nur „mein-wille“ zählt. Dann brauchen wir nicht mehr nach Sterbehilfe zu rufen. Schwerstkranke und Leidende sollten viel häufiger die Palliativtherapie in Anspruch nehmen – nicht nur Patienten mit einer Krebserkrankung.
LNS

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