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Medizin

Potenzielles Medikament erweist sich bei Chorea Huntington als verträglich

Montag, 8. Juli 2019

Gehirn und DNA /monsitj, stock.adobe.com
Die Huntington-Krankheit ist eine sehr seltene, vererbbare Erkrankung des Gehirns. Am Anfang stehen psychische Auffälligkeiten im Vordergrund, später kommt es oft zur Demenz und zu Bewegungsstörungen. /monsitj, stock.adobe.com

Bochum/Ulm – Ein Wirkstoff, der bei Chorea Huntington das mutierte Protein Huntingtin im Gehirn reduziert, hat sich in einer kleinen klinischen Studie mit 46 Patienten als verträglich erwiesen. Zur klinischen Wirksamkeit des Antisense-Oligonukleotids ermöglicht die Phase-I/IIa- Studie aufgrund der geringen Patientenzahl und der kurzen Behandlungsdauer noch keine Aussage (New England Journal of Medicine 2019; doi: 10.1056/NEJMoa1900907).

„Wir hoffen, dass die Huntington-Krankheit dank des Medikaments weniger schnell verläuft und sich vielleicht sogar Symptome zurückbilden“, erklärte der Neurologe Bernhard Landwehrmeyer vom Universitätsklinikum Ulm, der die klinische Studie in Deutschland leitet.

In der von Ionis Pharmaceuticals und F. Hoffmann-La Roche unterstützten, placebo­kontrollierten Studie stellten die Mediziner fest, dass der Wirkstoff Ionis-HTT-Rx keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auslöst. Landwehrmeyer und seine Koautoren berichten, dass einige Patienten über leichte Kopfschmerzen geklagt hätten, die jedoch auch in der Placebogruppe aufgetreten seien. „Dies ist die typische Nebenwirkung einer Lumbalpunktion, und ist nicht auf den Wirkstoff zurückzuführen“, so Carsten Saft vom Huntington-Zentrum NRW am St. Josef-Hospital Bochum, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Das Antisense-Oligonukleotid wurde per Lumbalpunktion direkt in die Cerebrospinalflüssigkeit verabreicht. Der intrathekale Bolus wurde alle 4 Wochen appliziert, insgesamt waren es 4 Dosen. Zwölf der 46 Patienten erhielten ein Placebo. Bei den übrigen Teilnehmern wurde in verschiedenen Kohorten die Dosis im Verlauf der Studie schrittweise gesteigert (10-120 mg). Alle Patienten schlossen die Studie ab und erhielten alle 4 Dosen.

Insgesamt 98 % der Patienten in beiden Studiengruppen berichteten über Nebenwirkungen vom Grad 1 oder 2 – am häufigsten Schmerzen bei der Lumbalpunktion und Kopfschmerzen nach der Lumpalpunktion – etwa nach 10% der Eingriffe. Alle postpunktionellen Kopfschmerzen vergingen innerhalb von median 2 Tagen wieder.

Schwere Nebenwirkungen traten in der mit Ionis-HTT-Rx behandelten Gruppe nicht auf. In der Placebogruppe wurde ein Patient aufgrund postpunktioneller Kopfschmerzen zur Beobachtung stationär aufgenommen. Es kam auch zu keinen klinisch relevanten Laborwertveränderungen.

Dosisabhängige Reduktion der Huntingtin-Konzentration

Über die Verträglichkeit des Medikaments hinaus war zu beobachten, dass es die Menge des Proteins Huntingtin im Nervenwasser dosisabhängig verringerte. Die Konzentration an mutiertem Huntingtin in der Cerebrospinalflüssigkeit stieg in der Placebogruppe um 10 % an und sank dagegen in den HTTRx-Gruppen um 20 % (10 mg), 25 % (30 mg), 28 % (60 mg), 42 % (90 mg) und 38 % (120 mg).

Das Antisense-Oligonukleotid Ionis-HTT-Rx blockiert die auf Basis des Gens HTT gebildete mRNA und hemmt dadurch die Produktion von Huntingtin. Tierversuchsstudien hatten bereits gezeigt, dass die Substanz die Huntingtin-Menge im Gehirn reduziert. Darüber hinaus waren die Symptome der Mäuse geringer ausgeprägt.

„Sollte die Verringerung des Huntington-Proteins gelingen, kann man auch über eine Behandlung noch nicht erkrankter Familienmitglieder nachdenken, die die entsprechende Mutation tragen“, so Landwehrmeyer.

Eine Phase-III-Studie, in der das Antisense-Oligonukleotid bei 660 Patienten mit Chorea Huntington über 2 Jahre getestet werden soll, hat bereits begonnen. Anhand dieser Daten wollen die Mediziner auch Veränderungen untersuchen, die sie bislang nicht eindeutig interpretieren konnten, beispielsweise eine unerwartete Veränderung der Hirnventrikel, die sie in der aktuellen Studie bei den Patienten beobachteten. © nec/aerzteblatt.de

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