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Ärzteschaft

Telemedizinprojekt in Niedersachsen zieht positive Bilanz

Freitag, 5. Juli 2019

/dpa

Delmenhorst – Telemedizin sollte im hausärztlichen Notdienst künftig eine feste Rolle spielen. Dieses Fazit haben die Verantwortlichen eines Modellprojektes in Delmen­horst, Ganderkesee und Lemwerder gezogen. Seit einem Jahr wird in den drei Orten der kassenärztliche Bereitschaftsdienst am Wochenende von Gesundheitsfachkräften wie Notfallsanitätern übernommen, die bei Bedarf per Ferndiagnose von Ärzten unter­stützt werden.

Das Projekt sei ein Erfolg, sagte der ärztliche Leiter der Telemedizin am Klinikum Ol­den­burg, Daniel Overheu. „Hier geht es um eine Zukunftsentwicklung“, sagte Hel­mut Scherbeitz von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). In Zeiten des Hausarztmangels gerade in ländlichen Gebieten könne diese Arbeitsweise die medizi­nische Versorgung sicherstellen. Das Projekt läuft Ende des Jahres aus.

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Von August 2018 bis Ende Juni haben die Gesundheitsfachkräfte rund 270 Einsätze übernommen, nachdem Patienten im Projektgebiet freitagabends oder am Wochen­ende die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116117 wählten. Hatte keine Praxis geöffnet, fuhr ein Notfallsanitäter mit Ausrüstung los. In 42 Prozent der Fälle konnte die Fachkraft allein helfen, in 58 Prozent wurde per Telemedizin ein Arzt zuge­schaltet.

Daten etwa von einem EKG, bei der die elektrische Aktivität des Herzens gemessen wird, können auf den Bildschirm des Telemediziners in Oldenburg übertragen werden. „Der Arzt kann entscheiden, was zu tun ist“, sagte der Beauftragte des Projekts der Johanniter-Unfall-Hilfe, Klaus-Dieter Berner. Überrascht war er von der Reaktion der Patienten. „Es ist ihnen tatsächlich egal, ob ein Arzt kommt oder nicht, Hauptsache es wird ihnen geholfen.“

Nach Angaben der Projektbeteiligten war die Resonanz durchweg positiv – auch von den Ärzten. Die neue Arbeitsweise helfe, ärztliche Arbeitszeit einzusparen. „Für Haus­ärzte ist es eine große Belastung, wenn sie in der Nacht im Dienst sind und am Mor­gen wieder in der Praxis.“ Zudem werde es zunehmend schwierig, in ländlichen Ge­bie­ten Hausärzte zu finden.

„Die Medizin wird zunehmend weiblich“, sagte Christoph Titz, Vorsitzender der Vertre­ter­versammlung der KVN. Man könne von den Ärztinnen kaum erwarten, dass sie nachts alleine durchs Land fahren würden. Daher brauche es neue Wege, um die Versorgung sicherzustellen.

Für die Patienten bietet das Modell aus Sicht der Projektbeteiligten Vorteile. „Hier kann zum allerersten Mal Facharztexpertise in die Häuslichkeit gebracht werden“, sagte Overheu. Über die Telemedizin seien die entsprechenden Fachärzte des Oldenburger Klinikums erreichbar. Es muss nicht mehr ein fachfremder Arzt nachts Entscheidungen treffen. Zudem seien viele Patienten überrascht, wie schnell Hilfe komme. „Allerspä­testens nach zwei Stunden muss jemand da sein. Die Erfahrung zeigt, dass wir unter einer Stunde da sind“, berichtete Berner.

Die Verantwortlichen hoffen, dass das Modell bestehen bleibt. Das Projekt wird über Fördermittel und Beiträge der beteiligten Organisationen bezahlt. Die Krankenkassen sind bislang nicht finanziell dabei. Um eine Zukunft sicherzustellen, müssten sie ein­steigen, hieß es. „Es wäre sehr schlecht, wenn wir aufhören müssten“, sagte Overheu.

Mehr Projekte aus Niedersachsen

In der Notfallversorgung geht Niedersachsen zunehmend neue Wege. So sind seit Jahresanfang auch Gemeindenotfallsanitäter im Einsatz. Das bundesweit einmalige Modell wird in der Stadt Oldenburg sowie den Landkreisen Ammerland, Cloppenburg und Vechta erprobt.

Pro Standort sind sechs Notfallsanitäter mit einer Zusatzausbildung unterwegs. Sie werden von der Rettungsleitstelle zu Patienten geschickt, wenn nach dem Notruf 112 klar ist, dass zwar keine Lebensgefahr vorliegt, aber medizinische Hilfe notwendig ist.

Finanziert wird das Projekt von den Krankenkassen. Angesichts der steigenden Ein­satzzahlen der Rettungsdienste ist ein Ziel, Kosten zu sparen. Die Gemeindenotfall­sanitäter dürfen allein und in kleineren Einsatzfahrzeugen zu Patienten fahren. © dpa/aerzteblatt.de

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