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Medizin

Substanz aus grünem Tee ohne ausreichende Wirkung bei Multisystematrophie

Mittwoch, 10. Juli 2019

/Liv Friis-larsen, stock.adobe.com

Hannover/München – Die in grünem Tee enthaltene Substanz Epigallocatechingallat (EGCG), ein Oligomermodulator, hat in einer Studie bei Patienten mit Multisystematro­phie (MSA) keine ausreichende klinische Wirkung gezeigt, wohl aber schwere Neben­wir­kungen bei höheren Dosierungen.

Allerdings zeigte sich unter EGCG eine signifikante Reduktion der Atrophie beteiligter Hirnregionen in der  Magnetresonanztomografie. Studienautor Günter Höglinger von der Klinik und Poliklinik für Neurologie des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München sieht daher das Therapieprinzip grundsätzlich bestätigt. Nun sollen Studien mit verträglicheren Oligomer-Modulatoren folgen. Die Studie ist in der Zeitschrift Lancet Neurology erschienen (doi 10.1016/S1474-4422(19)30141-3).

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Die MSA gehört zur Krankheitsgruppe der Synucleinopathien. Sie sind unter anderem durch Ablagerungen von Aggregaten aus dem Eiweiß Synuclein gekennzeichnet. Auch die Parkinson-Krankheit gehört zu dieser Gruppe. Epidemiologische Beobach­tungen deuten auf eine mögliche präventive Wirkung von grünem Tee auf das Risiko hin, an MSA zu erkranken. Die in dem Tee enthaltene Substanz EGCG hemmt die Oligomerbildung von Synuclein im Reagenzglas. EGCG ist in Europa als Nahrungs­ergän­zungsmittel zugelassen.

Die Wissenschaftler rekrutierten im Rahmen der Promesa-Studie 92 Patienten mit der seltenen Erkrankung aus zwölf Zentren. Eine signifikante Wirksamkeit von EGCG als verlaufsmodifizierendes Medikament bei MSA konnte die Studie nicht belegen. „Daher kann auch die Einnahme der Wirksubstanz nicht pauschal empfohlen werden“, berich­ten die Autoren.

Dies gilt insbesondere, da EGCG in den eingesetzten hohen Dosen bei manchen Patienten leberschädigend wirkten. Trotz des negativen klinischen Endpunktes zeigte sich in einer kleinen Teilmenge der Patienten, die systematisch mittels Bildgebung un­tersucht wurde, eine signifikante Reduktion der Atrophie beteiligten Hirnregionen im MRT.

„Die Daten deuten darauf hin, dass der Wirkmechanismus von EGCG prinzipiell er­folgsversprechend ist, wenn Oligomermodulatoren eingesetzt werden, die ein günsti­geres Verhältnis von Wirkung zu Nebenwirkung haben und höhere Wirkspiegel im Ge­hirn erreichen. Solche Substanzen gibt es bereits“, sagte Höglinger. Laut Johannes Levin von der Ludwig-Maximilians-Universität München wollen die Forscher daher 2020/2021 eine Studie mit den entsprechenden Wirkstoffen beginnen. © hil/aerzteblatt.de

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