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Medizin

Coxsackie-Virus CVA21 greift Blasenkrebs an

Montag, 8. Juli 2019

/Judith, stock.adobe.com

Guildford/England – Das Coxsackie-Virus CVA21, ein Verwandter von harmlosen Er­kältungserregern, kann nach einer Spülung der Blase Krebszellen infizieren und da­durch eine Immunreaktion gegen den Blasentumor auslösen. Diese onkolytische The­rapie hat sich in einer Phase-1-Studie in Clinical Cancer Research (2019; doi: 10.1158/1078-0432.CCR-18-4022) als sicher erwiesen und bei einem Patienten eine komplette Remission erzielt.

Blasenkrebs wird vom Immunsystem häufig übersehen. In den Tumoren fehlen Ab­wehr­zellen, die die Krebszellen angreifen könnten. Der Erfolg der Behandlung mit Ba­cillus Calmette-Guerin (BCG), den lebenden Bakterien des Tuberkuloseimpfstoffes, beruht auf der Auslösung einer starken Entzündungsreaktion in der Blase, die den Tumor zurückdrängen kann. Die BCG-Behandlung geht jedoch mit erheblichen Ne­ben­wirkungen einher, und bleibt – ein häufiges Phänomen bei Immuntherapien – bei etwa einem Drittel der Patienten wirkungslos.

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Eine weitere Möglichkeit, das Immunsystem auf den Tumor aufmerksam zu machen, ist die onkolytische Therapie. Die Tumorzellen werden dabei von Viren oder Bakterien infiziert und dann mit Hilfe des Immunsystems zerstört. Das Phänomen wurde bereits vor einem Jahrhundert entdeckt. In den 1950er-Jahren wurde erneut mit der Virothe­ra­pie experimentiert. Der Ansatz geriet dann jedoch mit der Entwicklung der Chemothe­ra­pie in Vergessenheit.

Seit mit anderen Immuntherapeutika wie den Checkpointinhibitoren gute Ergebnisse bei verschiedenen Krebsarten erzielt werden, ist das Interesse an der virolytischen The­rapie wieder gestiegen. Der Einsatz von Coxsackie-Virus CVA21 bietet sich an, da das Erkältungsvirus als verträglich eingestuft wird (was beim Einsatz in der Krebsthe­ra­pie natürlich nicht notwendigerweise der Fall sein muss). Außerdem ist eine lokale Behandlung durch Instillieren des Virus in die Blase möglich.

Ein Team um Hardev Pandha von der Universität von Surrey in Guildford südlich von London hat die Therapie in der CANON-Studie („CAVATAK in NON-muscle invasive bladder cancer“) an fünfzehn Patienten mit nicht-muskelinvasivem Blasenkrebs er­probt.

Die ersten neun Patienten erhielten eine intravesikale Monotherapie mit CVA21. Bei den nächsten sechs Patienten wurde CVA21 mit einer subtherapeutischen Dosis von Mitomycin C kombiniert. Das Zytostatikum ist dafür bekannt, dass es die Expression von ICAM-1 auf den Blasenkrebszellen verstärkt. ICAM-1 ist die Bindungsstelle für CVA21 auf den Krebszellen und damit die Eintrittspforte für das onkolytische Virus.

Die Behandlung erfolgte eine Woche vor der geplanten Tumoroperation. Die Untersu­chung der Resektate zeigte laut Pandha, dass CVA21 hochselektiv nur die Krebszell­en infiziert hatte und die gesunden Zellen intakt blieben. In dem infizierten Tumor wa­ren Zeichen einer Entzündungsreaktion nachweisbar, was für diesen Tumor normaler­weise nicht zu erwarten ist.

Die Entzündungsreaktion ging mit einer Aktivierung der Interferon-Gene und der Gene für die Checkpoint-Inhibitoren PD-L1 und LAG3 einher. Die Chemokine einer Th1-as­soziierten Immunreaktion wurden vermehrt gebildet. Auch eine Aktivierung von RIG-1 („Retinoic Acid Inducible Gene-I“) deutet auf einen Angriff des Immunsystems auf die Krebszellen hin.

Die Behandlung wurde laut Pandha gut vertragen. Signifikante Toxizität trat nicht auf. Bei einem Patienten wurden bei der Operation keine lebenden Krebszellen mehr ent­deckt. Dies ist ein erster Hinweis auf eine Wirksamkeit der onkolytischen Behandlung, die jetzt in weiteren Studien bestätigt werden muss. © rme/aerzteblatt.de

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