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Ärzteschaft

Menschen mit Sjögren-Syndrom häufiger erwerbstätig

Dienstag, 9. Juli 2019

/Anut21ngphoto, stockadobecom

München – Patienten mit der entzündlich-rheumatischen Erkrankung Sjögren-Syn­drom sind häufiger erwerbstätig als vor zwei Jahrzehnten. Diesen Versorgungserfolg sieht die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). Basis ist eine Auswertung des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums (DRFZ), die in der Zeitschrift Clinical and Experimental Rheumatology erschienen ist (2019; 37: S00).

Beim Sjögren-Syndrom greift die körpereigene Abwehr Speichel- und andere Drüsen an und ruft Entzündungsprozesse hervor. Die Betroffenen leiden vorrangig unter tro­ckenen und brennenden Augen und einer trockenen Mundschleimhaut. Seltener sind auch Schleimhäute des Rachens, Kehlkopfes und der Vagina betroffen, manchmal kommt es auch zu trockener Haut. Mindestens 0,2 Prozent der Erwachsenen sind laut der Fachgesellschaft am Sjögren-Syndrom erkrankt.

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Wie andere entzündlich-rheumatische Erkrankungen hat das Sjögren-Syndrom Aus­wir­kungen auf den gesamten Körper. Vor allem können Gelenke und Nerven, daneben auch Lunge und Nieren in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch die Entstehung von bösartigen Lymphomen wird mit dem Sjögren-Syndrom in Verbindung gebracht. Da­rü­ber hinaus belastet die Erkrankung die Psyche. „Viele Patienten leiden unter Erschöp­fungszuständen bis hin zu Depressionen“, erläuterte der Präsident der DGRh, Hendrik Schulze-Koops.

„Wir haben in der Vergangenheit beobachtet, dass die Patienten häufig krankgeschrie­ben waren oder ganz aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sind“, erklärte Johanna Callhoff vom DRFZ in Berlin. Hier sei es in den vergangenen beiden Jahrzehnten aber zu einer Trendwende gekommen.

Laut ihrer Auswertung waren 2016 64 Prozent der Patienten berufstätig, bei den unter 50-Jährigen lag der Anteil bei 87 Prozent. „Im Jahr 1996 waren es nur 43 beziehungs­weise 44 Prozent“, berichtet Callhoff. Der Anteil der Patienten, die vorzeitig in den Ruhe­stand gingen, sei sogar von 22 auf zehn Prozent gefallen. Statt 39 Prozent im Jahr 1996 waren 2016 nur 27 Prozent der Patienten wenigstens einmal im Jahr krank­geschrieben. Im Krankenhaus mussten nur sieben statt 13 Prozent der Patienten be­handelt werden.

Die Fachgesellschaft vermutet einen Zusammenhang mit der Behandlung der Patien­ten mit Hydroxychloroquin (HCQ). „Das Mittel wurde ursprünglich zur Vorbeugung und Behandlung der Malaria eingesetzt“, sagte Schulze-Koops. Später sei entdeckt wor­den, dass es auch bei rheumatischen Erkrankungen wirke, so der Leiter der Rheuma­einheit an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Beim Sjögren-Syndrom bessert HCQ häufig die Abgeschlagenheit, unter der viele Pa­tienten litten. Der Anteil der Sjögren-Patienten, die mit Malariamitteln behandelt wer­den, ist laut DGRh von 31 auf 50 Prozent gestiegen. © hil/aerzteblatt.de

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