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Medizin

Mikroangiopathie erhöht Amputationsrisiko

Mittwoch, 10. Juli 2019

/picture alliance, imageBROKER

Nashville/Tennessee – Die Mikroangiopathie, eine klinisch nur schwer zu erfassende Komplikation des Diabetes mellitus, erhöht nach Ergebnissen einer prospektiven Be­ob­achtungsstudie in Circulation (2019; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.119.040672) das Risiko auf eine Amputation auch dann, wenn keine periphere arterielle Ver­schluss­krankheit nachweisbar ist.

Das wichtigste Merkmal der diabetischen Mikroangiopathie und gemeinsamer Nenner von Retinopathie und Nephropathie ist eine diffuse Verdickung der Basalmembranen in den kleinen Blutgefäßen, die die Versorgung des Gewebes mit Nährstoffen und Sauerstoff einschränkt. Auch die Polyneuropathie, also die Störung der sensorischen und (seltener) der motorischen Nerven, wird auf eine Mikroangiopathie zurückgeführt. Einen einfachen klinischen Test, mit dem die Störung diagnostiziert werden kann, gibt es jedoch nicht.

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Dies mag zur Folge haben, dass die Auswirkungen häufig unterschätzt werden. Am­pu­tationen, eine häufige Spätkomplikation eines schlecht eingestellten Diabetes, wer­den meist als Folge der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit gedeutet, die durch eine Atherosklerose der großen Arterien gekennzeichnet ist.

Dieser Eindruck wird durch eine Analyse der Veterans Aging Cohort Study (VACS) rela­tiviert, deren Ergebnisse Joshua Beckman vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville, Tennessee, und Mitarbeiter vorstellen.

Von den 125.674 Veteranen mussten sich im Verlauf von durchschnittlich 9,3 Jahren 1.185 einer Amputation unterziehen. Bei 69 Prozent lag zum Zeitpunkt der Amputation eine Retinopathie vor, 67 Prozent hatten eine Nephropathie und 78 Prozent eine Poly­neuropathie. Die meisten Patienten hatten also demnach eine Mikroangiopathie, die damit aber nicht notwendigerweise die einzige Ursache für die Amputation gewesen sein muss.

In einer multivariablen Analyse kommt Beckman zu dem Ergebnis, dass die wichtigere Ursache in der Tat die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) ist. Die Hazard Ratio betrug 13,9 und war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 11,3 bis 17,1 hoch signifikant. Eine alleinige pAVK war allerdings nur für 22 Prozent der Amputatio­nen verantwortlich.

Die meisten Patienten hatten neben der pAVK auch Zeichen einer Mikroangiopathie. Diese Kombination erklärte 45 Prozent aller Amputationen. Die Hazard Ratio betrug 22,7 (18,3 bis 28,1). Eine dritte Gruppe hatte lediglich eine Mikroangiopathie ohne Zeichen einer pAVK. Diese Konstellation war für 18 Prozent der Amputationen verantwortlich. Die Hazard Ratio betrug 3,7 (3,0 bis 4,6).

Es ist bekannt, das bei Patienten mit pAVK die Arterien meist auch in anderen Orga­nen verengt sind. Die Patienten haben ein deutlich erhöhtes Risiko auf einen Herzin­farkt oder einen Schlaganfall. Die aktuelle Studie zeigt, dass bei Patienten mit einer Mikroangiopathie in den Augen oder in den Nieren die gleiche Störung vermutlich auch in den Extremitäten vorliegt und sie deshalb von einer Amputation bedroht sind.

Es litten übrigens längst nicht alle Patienten mit Mikroangiopathie an einem Diabetes. Die Diagnose war nur bei 40,7 Prozent der Patienten mit alleiniger Mikroangiopathie und bei 61,3 Prozent der Patienten mit Kombination aus Mikro- und Makroangiopathie gestellt worden. Eine mögliche Erklärung ist, dass die Erkrankung der Stoffwechsel­störung vorausgeht und ein jahrelanger Prädiabetes bereits nachhaltig die Blutgefäße schädigen kann.

© rme/aerzteblatt.de

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