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Medizin

Großbritannien: Übergewicht und Adipositas bei vier Krebsarten häufigere Ursache als Rauchen

Dienstag, 9. Juli 2019

Win Nondakowit, stock.adobe.com

London – In Großbritannien gibt es doppelt so viele fettleibige Menschen wie Raucher. Die Folge ist ein Anstieg der adipositasbedingten Krebserkrankungen. Laut Berech­nun­gen der Stiftung Cancer Research UK ist die Adipositas bei vier Krebsformen mitt­lerweile für mehr Erkrankungen verantwortlich als das Rauchen.

Großbritannien ist nach Ungarn das europäische Land mit den meisten adipösen Menschen. Etwa 29 Prozent der Erwachsenen haben einen Body-Mass-Index (BMI) von 30 oder mehr (in Deutschland 23,6 Prozent, in den USA 38,2 Prozent). Laut Cancer Research UK sind 14,9 Millionen Briten adipös, davon sind 13,4 Millionen Nichtraucher. Die Zahl der Raucher ohne Adipositas ist mit 6,3 Millionen weniger als halb so hoch.

Im vergangenen Jahr hatte eine Studie von Cancer Research UK ergeben, dass die Adipositas nach dem Rauchen für die meisten vermeidbaren Krebserkrankungen ver­antwortlich ist. Nach den im British Journal of Cancer (2018; 118: 1130-1141) ver­öffentlichten Ergebnissen sind Übergewicht oder Adipositas für 6,3 Prozent aller Krebserkrankungen verantwortlich („population attributable fraction“). Der ent­spre­chende Anteil des Rauchens liegt bei 15,1 Prozent. Insgesamt gehen in Großbritan­nien 37,7 Prozent aller Krebsfälle auf vermeidbare Risikofaktoren zurück.

Die Stiftung ist nach der Veröffentlichung in den Medien der Diskriminierung von dicken Menschen („fat shaming“) beschuldigt worden. Die Krebsgefahr durch die Adi­positas lässt sich jedoch durch eine ethische Debatte nicht wegdiskutieren. Jetzt legt Cancer UK nach. Bei vier Krebsarten sei der Einfluss Übergewicht oder Adipositas größer als der des Rauchens. Von den rund 42.000 jährlichen Neuerkrankungen am Darmkrebs würden 4.800 durch Übergewicht oder Adipositas verursacht, während 2.900 auf das Rauchen zurückzu­führen seien.

Bei Nierenkrebs seien von 12.900 Erkrankungen 2.900 durch Übergewicht oder Fettleibigkeit bedingt und 1.600 durch das Rauchen. Von 5.900 Leberkrebser­kran­kungen gehen nach den neuen Zahlen 1.300 Fälle auf das Konto von Überge­wicht/Adipositas, während Rauchen 1.200 Erkrankungen erklärt. Beim Ovarialkar­zi­nom sind laut Cancer Research UK von 7.500 Erkrankungen 490 auf Übergewicht­/Adi­­positas und 25 auf das Rauchen zurückzuführen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #760190
omartini
am Dienstag, 9. Juli 2019, 22:02

Adipositastherapie ist keine GKV-Leistung

Das Adipositas Treiber vieler Krebserkrankungen ist, ist nicht neu und würde auch für Deutschland berechnet (Mons, DÄ 2018 https://bit.ly/2G3bZsw). Die SOS-Studie belegte, dass durch eine effektive Adipositastherapie die Krebsprävalenz sinkt. Trotzdem ist eine leitliniengerechte Adipositastherapie in Deutschland immer noch keine GKV-Regelleistung. Warum nicht?
LNS

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