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Mehr als 230 Festnahmen bei Anti-Doping-Razzia

Dienstag, 9. Juli 2019

/picture alliance, Ufficio Stampa Comando Generale Carabinieri

Den Haag – Bei der größten internationalen Anti-Doping-Razzia haben Polizeifahnder auch in Deutschland zugeschlagen. 463 Verfahren sind eingeleitet worden, Festnah­men hat es nach Angaben des Zollkriminalamtes in Köln aber nicht gegeben. Bei der sogenannten „Operation Viribus“ gegen den Handel mit Anabolika und gefälschten Medikamenten waren insgesamt 234 Verdächtige festgenommen worden.

Auch wenn man erst am Anfang der Erkenntnisse stehe, dürften sich die Ermittlungen vor allem gegen Freizeitsportler richten. „Die Wahrscheinlichkeit ist groß“, sagte die Sprecherin des Kölner Zollkriminalamtes, Ruth Haliti.

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Bei der Razzia in Europa, den USA und Kolumbien waren europäische Sicherheitsbe­hörden in 33 Ländern gegen den Handel mit Anabolika und gefälschten Medikamen­ten vorgegangen. An dem Einsatz unter Federführung der italienischen und griechi­schen Polizei war auch die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) beteiligt. An dem bis­lang „größten Einsatz dieser Art“ hätten auch deutsche Ermittler mitgewirkt, teilte die europäische Polizeibehörde Europol mit.

Der deutsche WADA-Chefermittler Günter Younger zeigte sich zufrieden mit den Er­gebnissen und der Einbeziehung der Agentur. Diese Art von Zusammenarbeit bringe echte Resultate und könne einen bedeutenden Einfluss auf die Verfügbarkeit verbo­te­ner Substanzen haben. „Wir stehen bereit, um diese Art von Rolle in einer jeglichen, andauernden Operation fortzusetzen. Dies ist ein gemeinsamer Kampf gegen Sport­betrug auf dem Kontinent“, sagte Younger einer Mitteilung der WADA zufolge.

Nach Europol-Angaben wurden rund 3,8 Millionen Dopingmittel und gefälschte Medi­ka­mente sichergestellt, neun Dopinglabore ausgehoben sowie tonnenweise Doping­präparate beschlagnahmt. 17 organisierte Banden seien enttarnt und 839 Verfahren eingeleitet worden. Demnach wurden allein 24 Tonnen Steroidpulver sichergestellt. Die Substanzen würden sowohl online als auch in Fitnesscentern oder illegalen Läden verkauft.

Das Internationale Olympische Komitee begrüßte die Aktion. Es sei „entscheidend, die Händler und Produzenten ins Visier zu nehmen, die Doping im Sport ermöglichen und diese kriminelle Industrie vorantreiben“, hieß es in einer Stellungnahme. Für die Nati­o­nale Anti-Doping-Agentur ist die länderübergreifende Razzia ein beispielgebender Erfolg. „Die bisherigen Ermittlungsergebnisse von Europol zeigen, wie wichtig es ist, über Landesgrenzen hinweg zu ermitteln, um Doping-Netzwerke aufzudecken“, schrieb die NADA.

„In den vergangenen 20 Jahren hat der weltweite Handel mit Anabolika dramatisch zu­genommen“, so Europol. Konsumenten seien vor allem „Fitnesscenter-Süchtige“ so­wie Bodybuilder. „Nicht-professionelle Athleten, Radsportler und Bodybuilder“ wür­den Päckchen mit Steroiden in Asien oder Osteuropa besorgen und diese an Fitnesscen­ter liefern. Für Werbung und Verkauf würden zunehmend soziale Medien genutzt.

Betroffen seien aber auch Tiere: So würden Hormone genutzt, um Tierzucht zu inten­si­vieren, Bauernhoftiere zu füttern oder etwa bei Pferderennen die Leistung zu stei­gern. Die Substanzen seien aber gefährlich für Menschen wie für Tiere, warnte Euro­pol.

Derzeit laufen auch Doping-Ermittlungen im Spitzensport. Ende Februar hatte das österreichische Bundeskriminalamt im Zuge der „Operation Aderlass“ bei der Nordi­schen Ski-WM in Seefeld mehrere Personen festgenommen. In Deutschland steht ein Erfurter Sportarzt als mutmaßlicher Drahtzieher eines vermuteten Netzwerkes im Mittelpunkt der Ermittlungen. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen mindestens 21 Sportler aus acht Ländern und fünf Winter- und Sommersportarten verbotenes Eigen­blutdoping betrieben haben. © dpa/aerzteblatt.de

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