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Medizin

Algorithmus zeigt, wer von PrEP profitieren könnte

Dienstag, 9. Juli 2019

/dpa

Boston – Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP), die vor einer HIV-Infektion schützen kann, wird derzeit selten angewendet. Ein Algorithmus, den US-Forscher in Lancet HIV (2019; doi: 10.1016/S2352-3018(19)30137-7 und 30139-0) vorstellen, soll dies ändern. Die Vorhersage war jedoch nur bei Männern einigermaßen verlässlich.

Die Einnahme der beiden antiretroviralen Wirkstoffe Emtricitabin und Tenofovir kann das Risiko einer HIV-Infektion um mehr als 90 Prozent senken. Von den 1,1 Millionen Amerikanern, die nach Einschätzung der US-Centers for Disease Control and Preven­tion Kandidaten für die PrEP wären, haben 2016 jedoch nur geschätzte 78.360 (etwa 7%) die Medikamente verschrieben bekommen.

In den USA infizieren sich weiterhin jährlich 40.000 Menschen neu mit dem HI-Virus, und die PrEP wäre nach Einschätzung der U.S. Preventive Services Task Force ein geeignetes Mittel, diese Zahl zu senken.

Ein Grund für die geringe Verbreitung der PrEP könnte nach Einschätzung des US-National Institute of Mental Health der Zeitmangel oder auch die fehlende Kompetenz der Ärzte sein, die Patienten zu erkennen, die sich durch die Einnahme vor einer In­fektion schützen könnten. Das Institut hat deshalb die Suche nach einem Algorithmus gefördert, der Ärzten in der elektronischen Krankenakte einen Hinweis geben könnte.

Daten von zwei Krankenversicherern

Ein Team um Douglas Krakower vom Harvard Pilgrim Health Care Institute in Boston hat hierzu die Daten von zwei großen Krankenversicherern aus Massachusetts und Kalifornien ausgewertet.

Für die erste Untersuchung analysierten die Forscher mehr als eine Million elektrische Krankenakten des Versicherers Atrius Health. Der Algorithmus wurde anschließend an (anderen) Versicherten von Atrius Health und von Fenway Health überprüft. Fenway Health hat sich auf die Betreuung der LGBT-Gemeinschaft in Boston spezialisiert. Da­runter sind besonders viele Personen mit einem hohen Ansteckungsrisiko, für die eine PrEP infrage käme.

Der Algorithmus empfahl die PrEP für 1,8 Prozent der Versicherten von Atrius Health und für 15,3 Prozent der von Fenway Health betreuten Personen. Der Algorithmus sagte außerdem 37,5 Prozent aller neuen HIV-Fälle bei Atrius Health und 46,3 Pro­zent bei Fenway Health voraus.

Die zweite Studie wurde an den Daten von 3,7 Millionen Mitgliedern von Kaiser Per­manente durchgeführt, dem größten privaten Krankenversicherer in Kalifornien. Der Algorithmus, der auf 44 Angaben in den Krankenakten reagiert, stufte 2,2 Prozent der Versicherten als infektionsgefährdet ein.

Diese Hochrisikogruppe umfasste 38,6 Prozent aller HIV-Neuinfektionen. Darunter wa­ren 32 von 69 Männern (46,4 Prozent), aber keine der 14 Frauen, die sich im Verlauf von drei Jahren infiziert hatten.

Dass der Algorithmus bei Frauen versagte, könnte laut Krakower daran liegen, dass das Risiko bei Frauen möglicherweise eher von den Risikofaktoren ihrer Partner ab­hängt, die von dem Algorithmus nicht erfasst werden konnten.

Ob der Algorithmus auf andere Länder übertragbar wäre, ist fraglich, da sich die Risi­ko­faktoren von Land zu Land unterscheiden könnten. Die Entwicklung eines Algorith­mus für die lokale Bevölkerung dürfte relativ schnell möglich sein, sofern der Software genügend Daten aus elektronischen Gesundheitsakten zur Verfügung gestellt werden können. © rme/aerzteblatt.de

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