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Zika-Virus: Zwei Drittel aller Kinder entwickeln sich normal

Mittwoch, 10. Juli 2019

Kind mit Mikrozephalie /dpa
/dpa

Los Angeles – Die ersten Kinder, die in Brasilien nach einer Zika-Infektion ihrer Mutter geboren wurden, haben ein Alter erreicht, in dem sich die neurologische und kognitive Entwicklung abschätzen lässt. Nach einer Studie in Nature Medicine (2019; doi: 10.1038/s41591-019-0496-1) ist es bisher bei einem Drittel der Kinder zu einer verzögerten Entwicklung gekommen.

Ein Team um Karin Nielsen-Saines von der Universität von Kalifornien in Los Angeles hat 216 Kinder nachuntersucht, deren Mütter sich während der Schwangerschaft mit dem Zika-Virus infiziert hatten. Die Infektion der Frauen, die häufig asymptomatisch verläuft, war damals mit der Polymerase-Kettenreaktion bestätigt worden.

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Die Forscher konnten insgesamt 146 Kinder mit dem „Bayley III“-Test untersuchen, der kognitive Fähigkeiten, Sprache, Motorik, sozial-emotionale Fähigkeiten und Alltagsfertigkeiten der Kinder misst. Bei den übrigen 70 Kindern hatten die Mütter die ausführliche Untersuchung abgelehnt. Die Forscher mussten sich auf die weniger detaillierte „Hammersmith Infant Neurologic Evaluation“ (HINE) beschränken.

Die Ergebnisse im „Bayley III“-Test ergaben, dass 51 Kinder in der Sprachentwicklung, 14 Kinder in der kognitiven Entwicklung und 24 Kinder in der motorischen Entwicklung zurückgeblieben waren. In der HINE-Gruppe hatten nur 3 Kinder abnormale Ergebnisse. Bei den übrigen 67 Kindern wurden keine Defizite gefunden.

Von den 137 Kindern, deren Augen untersucht werden konnten, wiesen 10 Störungen auf. Von 114 Kindern, die an einem Hörtest teilnahmen, hatten 14 Hörstörungen.

Von den 8 Kindern, die mit einer Mikrozephalie geboren wurden, haben heute 2 einen normalen Kopfumfang. Ein Kind erholte sich spontan, bei dem anderen war eine korrektive Operation durchgeführt worden. Auf der anderen Seite kam es bei 2 Kindern, die bei der Geburt noch einen normalen Kopfumfang hatten, im ersten Lebensjahr zu einer Mikrozephalie. Die Entwicklung der Hirngröße, die die Form des Schädels bestimmt, könne deshalb bei der Geburt noch nicht abschließend beurteilt werden, schreibt Nielsen-Saines.

Zika-Epidemie hält an, weitere Ausbreitung laut WHO möglich

Derweil warnt die WHO davor, dass die Zika-Epidemie nicht vorüber ist. So hätten jüngste Studien gezeigt, dass in Indonesien etwa 9 % der Kinder im Alter von 5 Jahren Antikörper gegen das Zika-Virus im Blut haben, was auf eine frühere Infektion hinweist. In Laos lagt die Seroprävalenz der asymptomatischen erwachsenen Blutspender im Jahr 2015 bei 10 %. In Indien ist es im letzten Jahr im Bundesstaat Rajasthan zu einem lokalen Zika-Ausbruch gekommen.

Die Viren scheinen von Südamerika aus inzwischen nach Afrika gelangt zu sein. In Angola kam es bereits 2017 zu einer Reihe von Geburten mit Mikrozephalien. In Asien ist es nach Erkenntnissen der WHO ebenfalls zu Zika-assoziierten Fehlbildungen, Mikrozephalien und fetalen Todesfällen gekommen.

Eine weitere Ausbreitung erscheint der WHO möglich, da es weltweit 61 Länder und Regionen gibt, in denen Aedes aegypti verbreitet ist, in denen aber bisher noch keine Zika-Infektionen dokumentiert wurden.

© rme/aerzteblatt.de

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